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Streichung deutschsprachiger Sendungen: Kahlschlag bei der Deutschen Welle

Bei der Deutschen Welle sollen fast alle deutschsprachigen Programme wegfallen.

Bei der Deutschen Welle sollen fast alle deutschsprachigen Programme wegfallen.

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imago/F. Berger

Das Programm der Deutschen Welle steht vor einem Kahlschlag. Nach Informationen der Berliner Zeitung sollen bis auf drei alle deutschsprachigen Magazine gestrichen werden. Ziel der Maßnahme dürfte sein, die Deutsche Welle als global konkurrenzfähigen, weitgehend englischsprachigen Nachrichtensender zu positionieren. So hatte es der seit Herbst amtierende Intendant Peter Limbourg angekündigt. Dazu braucht er Sendeflächen – und Geld. Neben den Magazinen steht auch eine Reihe von Sprachen, in denen der Sender ausgestrahlt hat, zur Disposition. An diesem Montag wird Limbourg die Mitarbeiter an den Standorten Bonn und Berlin informieren.

Das vergangene Wochenende stand im Zeichen zahlreicher Gespräche, zunächst mit den Direktoren des Auslandssenders. Am Sonntag sollten die betroffenen Abteilungsleiter telefonisch benachrichtigt werden. Montag um 8.30 Uhr sind die Mitarbeiter am Standort Berlin zu einer Versammlung geladen, dasselbe soll sich um 14.30 Uhr in Bonn wiederholen. Mitarbeiter, die von den Streichplänen erfuhren, reagierten geschockt. Vereinzelt ist von Überlegungen zum Streik die Rede. Durch den Wegfall von mehr als einem Dutzend Magazinen stehen ganze Abteilungen in Frage. Lediglich das Wirtschaftsmagazin „Made in Germany“, das Kulturmagazin „Kultur 21“ und „Europa aktuell“ scheinen verschont zu bleiben.

Der Chef interviewt selbst

270 Millionen Euro kostet der Auslandssender Deutsche Welle den Steuerzahler im Jahr. Limbourg signalisierte intern die Hoffnung, vom Bund im Februar jährlich zehn Millionen Euro mehr bewilligt zu bekommen. Dabei nutzt der Journalist und frühere Sat.1-Anchorman seine Kontakte in die Politik. Auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos will Limbourg höchstpersönlich ein Interview mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble führen. Andere Intendanten hielten sich in solchen Fällen zurück. Limbourg setzt gezielt auf seine Verbindungen zur Union.

Das radikale Streichen von Sprachen und Magazinen ist im Zusammenhang mit Limbourgs Ankündigung zu sehen, mit der Deutschen Welle in die Top 3 der Auslandssender hinter CNN und BBC aufzurücken. Im November hatte er angekündigt, im Magazinbereich „auf einige Formate“ zu verzichten und stattdessen die Nachrichtenflächen auszuweiten. Englisch sei die „lingua franca“. Dass nun derart viele Magazine zum Opfer fallen und die Mitarbeiter vor vollendete Tatsachen gestellt werden, spricht dafür, dass der Umbau mehr Zeit in Anspruch nehmen könnte.