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Berliner Zeitung | Wulff bei Maybrit Illner: Gefangen im Klein-Klein
25. July 2014
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Wulff bei Maybrit Illner: Gefangen im Klein-Klein

Christian Wulff ist durch ein Interview im "Spiegel", TV-Auftritte und Buchvorstellungen zurzeit wieder dort, wo er eigentlich nicht mehr sein wollte: in den Schlagzeilen.

Christian Wulff ist durch ein Interview im "Spiegel", TV-Auftritte und Buchvorstellungen zurzeit wieder dort, wo er eigentlich nicht mehr sein wollte: in den Schlagzeilen.

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dpa

Berlin -

Irgendwann rief Antje Vollmer dazwischen: „Können wir mal aufhören mit diesem Klein-Klein?“ Er konnte nicht. Christian Wulff, ehemaliger Bundespräsident und nach einer quälenden Affäre um vermeintliche Bestechlichkeit und Bereicherung zurückgetreten, bekam nun bei Maybrit Illner noch einmal Gelegenheit, seine Sicht der Dinge darzustellen – so wie er das jüngst in seinem Buch „Ganz oben Ganz unten“ getan hatte.

„Bundespräsident außer Dienst – Sind Justiz und Medien zu weit gegangen?" hieß die Titelfrage der Sendung, die eine ungewöhnliche Entscheidung der Redaktion darstellte, in mehrfacher Hinsicht. Zum einen schreit der Krieg Israels gegen den Gaza-Streifen und die Reaktionen darauf auch (und gerade) in Deutschland geradezu danach, von kompetenter Seite erörtert zu werden.  Schon Anne Will in der ARD kniff am Mittwoch bei diesem Thema; unverständlich, warum auch das ZDF  dieser Brisanz auswich.

Zum anderen ist es ein merkwürdiges Unterfangen, dem Autor eines Buches eine Talkshow als Plattform für die Wiederholung seiner Thesen zu gewähren – zumal wenn es sich dabei um einen ehemaligen Bundespräsidenten handelt. Und in gewisser Weise bestätigte Wulff in der Sendung die Einschätzung, der Anzug des Staatsoberhauptes sei eine Nummer zu groß für ihn gewesen.

Das begann schon mit dem Satz "Ich wäre auch heute der richtige im Amt“, den er bei Maybrit Illner ob seines fragwürdigen Inhalts gleich anfangs zurücknehmen musste. „Das hätte ich nicht sagen sollen“ gestand er der Moderatorin. Aber warum hat er es denn gesagt? Dieser Fehler wie sein Auftreten insgesamt deuteten an, wie verbittert und verwundet Christian Wulff sein muss.  Immer wieder verwies er auf das, was er in seinem Buch geschrieben habe, immer wieder versuchte er an Details nachzuweisen, wie sehr ihm Unrecht geschehen sei. „Wenn alle über mich schreiben, dann möchte ich mich als Mensch darstellen.“

Wulff und sein Seelenpanzer

Dabei gaben ihm die beiden anderen Gäste ja weitgehend recht. Antje Vollmer fand, in der Causa Wulff habe die „Meinungsteilung der Medien nicht funktioniert“, und Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung wusste wohl abzuwägen zwischen den Fehlern, die Wulff gemacht hatte, und dem Fehlverhalten von Teilen der Medien. Die Demokratie sei „keine Meute, die Beute macht“, formulierte der SZ-Leitartikler. Er sah klar eine Kampagne der Medien, die das Ziel hatte, Wulff zu Fall zu bringen, aber er holte einiges auch auf den Boden der Tatsachen zurück, etwa Wulffs Behauptung, er sei eine „Provokation“ gewesen.

Solche Selbst-Überhöhungen einerseits (auch der Buch-Titel „Ganz oben Ganz unten“...) und die Unfähigkeit andererseits, in seinem distanzlosen Verhältnis zu Bild-Chef Kai Diekmann das Problem zu erkennen und sich in Haarspaltereien zu verzetteln, kennzeichneten die Situation eines tief Verletzten, der immer noch dabei ist, die Wunden zu lecken. Da regte er sich darüber auf, dass er auf einem Magazin-Titel als Moslem dargestellt wurde – und musste sich von Prantl fragen lassen: Ist das denn so furchtbar?“

Der renommierte Journalist hielt dem CDU-Politiker vor, er sei zu „kritikempfindlich“ – was der mit dem Hinweis auf 38 Unterlassungserklärungen konterte. Warum habe er sich solange nicht umfassend geäußert zu den Vorwürfen, fragte die gut vorbereitete Moderatorin, und die Antwort Wulffs war bezeichnend für seinen Seelenpanzer: Er sei nie gefragt worden...

Er saß da, und er konnte nicht anders. Aber immerhin bestätigte ihm der Journalist, dessen Arbeit im übrigen die Behauptung Lügen straft, die Medien hätten im Falle Wulffs alle an einem Strang gezogen, immerhin bestätigte Heribert Prantl ihm, dass die Staatsanwaltschaft Hannover voreingenommen und befangen ermittelt habe: „Die Aktien sind ein wirklicher Justizskandal.“ Und mehr noch: Prantl bezeugte Wulff seinen Respekt dafür, dass er das Gerichtsverfahren auf sich genommen und durchgestanden habe. Auf Maybrit Illners Schlussfrage, ob er noch einmal ein politisches Amt anstrebe, antwortete er: „Gewiss nicht“. Damit täte er sich auch keinen Gefallen, das machte dieser Abend recht deutlich.