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Meine Tiere: Todesangst in der Bärchenwurst

Nach dem Todeskampf

Nach dem Todeskampf

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dpa

Will Dänemark der Welt etwas mitteilen über den Umgang mit dem Tier? Und wenn ja, was? Ein Teil der Botschaft heißt „Transparenz“. Genaue Kontrollen in Dänemarks Schlachthöfen haben zum Beispiel erbracht, dass Schweine während der Mast geschlagen wurden. Die „Schlachtkörper“ wiesen Verletzungen auf, die oft von Tätowierhämmern herrührten.

In Landwirtschaftskatalogen kann man sehen, was so ein Hammer ist: ein etwa visitenkartengroßer Stempel mit starken Metallspitzen, den man ins lebende Schwein reinschlägt. Ist zum Tätowieren ohne Betäubung legal. Sogar vorgeschrieben, vorm Schlachttransport, auf beiden Seiten des Körpers.

7400 dänische Schweine wurden darüber hinaus auch illegal geschlagen. Der taz war das ein eigener Bericht wert. In seinem Schlusssatz bemerkte der Autor Jost Maurin, dass Biofleisch für eine Alternative gehalten werden könne. – Ist Biofleisch etwa nicht tot? Vermutlich schon. Der dänische Skandal besteht halt darin: Nachdem sie die Schweine eingesperrt und bevor sie sie gewaltsam getötet haben, und zwar 65 Millionen Schweine, haben sie 7400 von ihnen auch noch öfter als erlaubt geschlagen!

In den Tod gestreichelt

Kurz davor hatte der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer einen Kindergarten besucht und mit den Kleinen über Tierhaltung gesprochen. Sie sagten ihm, dass es ganz wichtig sei, dass die Schweine nicht „gehauen“ würden. Siehst du, Dänemark!!! Fragt sich nur, was kommt, wenn diese Kinder irgendwann mal verstehen: Die Schweine, die nicht gehauen wurden, sind jetzt in der Bärchenwurst.

Aber sie wurden ja zum Glück alle ganz sanft in den Tod gestreichelt. In der EU gibt es Betäubung. Und in Dänemark, wie gesagt, noch Transparenz dazu. Kann man in einem Schlachthof von Danish Crown angucken. Busseweise kommen Besucher, sogar Führungen für Schulkinder gibt es. Man sieht lebende Schweine, das Abstechen der bereits betäubten Tiere, das Borstenabflämmen, die Zerlegung.

Nur dieses Detail dazwischen fehlt, aber das ist sicher Zufall: Wie in vielen deutschen Schlachthöfen auch, werden die Schweine mit einer „Gondel“ in eine CO2-Kammer hinabgelassen. Dort – und nicht während des späteren Abstechens – findet der Todeskampf statt. Und da ist natürlich keine Kamera installiert, die den Besucher auf den Großbildschirm übertrüge, was sich abspielt.

Kein schöner Tod

Wissenschaftliche Untersuchungen dazu gibt es: Die Schweine schreien teilweise laut und springen bei dem Versuch zu entkommen, gegen Wände und Decke der Gondel. Ich habe einmal einen Tierarzt dazu befragt, ob das nicht eigentlich wie ein Erstickungstod ist. Die Betonung liegt auf dem Wie. Nein, sagte der Tierarzt, die sind nur betäubt, erst nach dem Abstechen sind sie tot. Ja schon − aber das wissen sie doch nicht! Für die Schweine fühlt es sich an wie Ersticken. Zwanzig Sekunden verfallen sie in Panik, dann knicken ihnen zunächst mal die Beine weg, bevor sie in Bewusstlosigkeit sinken. Ein schöner Tod, auch wenn wir ihn „mit Betäubung“ nennen, ist das Ganze nicht. Aber ist die gewaltsame Tötung eines quicklebendigen Tieres jemals schön?

Auch die Giraffe Marius wurde bekanntlich im Zoo Kopenhagen unter sehr viel Transparenz getötet und zerlegt. Doch halt, das stimmt ja gar nicht! Zerlegt wurde sie vor vielen Erwachsenen- und Kinderaugen, doch den Tod selbst sahen sie nicht. Es hieß, man habe Marius mit dem Bolzenschussgerät getötet. Dazu habe ein vertrauter Pfleger das Jungtier mit Brot herangelockt – klar, man muss ja auch irgendwie dran kommen an so einen Giraffenkopf; dann wurde ihm selbiger zermantscht. Reine Heimtücke, für mein Gefühl. Und danach groß gefeierte Verfütterung an die Löwen, die wenige Wochen später ebenfalls getötet wurden (soweit ich weiß, wurde das nicht gefilmt).

Liebe Dänen, was macht ihr da? Natürlich nur, was der Rest Europas auch macht, was die Menschheit lange schon so oder ähnlich getan hat. Scheinbar unbekümmert um die sich jedes Mal wiederholende Tragödie, die Rosa Luxemburg so treffend beschrieb: „Ich weiß, für jeden Menschen, jede Kreatur, ist eigenes Leben das einzige einmalige Gut, das man hat, und mit jedem Flieglein, das man achtlos zerdrückt, geht die ganze Welt jedesmal unter.“