Die Villa Tugendhat in Brünn öffnet nach aufwändigen Sanierungsarbeiten Anfang März wieder für Besucher. Foto: dapd/David Josek
Die Villa Tugendhat in Brünn öffnet nach aufwändigen Sanierungsarbeiten Anfang März wieder für Besucher. Foto: dapd/David Josek
Die Villa Tugendhat im tschechischen Brünn / Brno ist eine Ikone der modernen Architektur. Seit zwei Jahren läuft ihre Sanierung. Ab März ist das Unesco-Weltkulturerbe wieder zur Besichtigung offen.
Nähert man sich der Villa Tugendhat in der Brünner Černopolní-Straße, muss man achtgeben, dass man nicht einfach an ihr vorbeigeht: Ludwig Mies Van der Rohes Meisterwerk der modernen Architektur wirkt zur Straße hin nämlich wie ein schlichter Bungalow mit Garage. Auch im Vorraum zeigt sich die berühmte Villa sehr zurückhaltend: Weiße Wände, ein wenig Chrom und kaum Möbel, dazu einige gewöhnliche Grünpflanzen. Lediglich der Boden aus schwarz-weiß gemasertem Travertin lässt schon erahnen, dass man hier nicht bloß ein besseres Reihenhaus betreten hat.
Steigt man dann die elegant gewundene Treppe hinab, findet man sich plötzlich inmitten eines architektonischen Gesamtkunstwerkes wieder: lichtdurchflutete Räume, getragen von dünnen, chromverkleideten Säulen, gegliedert nur durch zarte Stellwände und edle Vorhänge. Dazu dezente Teppiche und elegante Möbel, von Mies extra für das Haus entworfen.
Tritt man an die große Fensterfront, eröffnet sich ein weites Panorama über die Stadt Brünn mit ihren breiten Straßen, die von reich verzierten, bunt gestrichenen Gründerzeithäusern gesäumt werden. Darüber thront der grüne Spielberg mit seiner stattlichen Burg. Architekt Mies van der Rohe hat die Villa Tugendhat geschickt in den Hang eines steil abfallenden Grundstückes gebaut, die weiß gestrichene Villa bildet einen starken Kontrast zum Grün der Umgebung.
In den eleganten Räumen herrscht für gewöhnlich eine beinahe feierliche Ruhe, Besucher werden nur in kleinen Gruppen und zur Schonung der wertvollen Böden nur mit dicken Filz-Überschuhen durch das Haus geführt.
Doch im Moment geht es in der Villa Tugendhat hektisch zu: Die meisten Möbel sind in Plastikplanen gepackt, die Teppiche eingerollt. Von der Terrasse dröhnt der Lärm eines Steinschleifers, in Bad und Küche wird gebohrt und gehämmert. Staub liegt in der Luft.
Aufwändige Sanierung
Seit zwei Jahren gehört Ludwig Mies van der Rohes Jahrhundertbau, seit 2001 als eines der wenigen modernen Bauwerke auf der Liste des Unesco-Welterbes, den Handwerkern, Architekten und Restauratoren. Sie sollen im Auftrag der Stadt Brünn jene massiven Schäden beseitigen, die jahrzehntelanges Desinteresse und teils kuriose Nutzungen an der Villa Tugendhat hinterlassen und sie an den Rand des totalen Verfalls gebracht haben.
Die Villa Tugendhat im Jahr 1931, wenige Monate nach ihrer Fertigstellung.
Foto: dapd/Stadtmuseum Brünn
Die Sanierung der Brünner Villa Tugendhat steht kurz vor ihrem Abschluss.
Foto: dapd/Petr David Josek
Die Sanierung der Brünner Villa Tugendhat steht kurz vor ihrem Abschluss.
Foto: dapd/Petr David Josek
Die Sanierung der Brünner Villa Tugendhat steht kurz vor ihrem Abschluss.
Foto: dapd/Petr David Josek
Die Sanierung der Brünner Villa Tugendhat steht kurz vor ihrem Abschluss.
Foto: dapd/Petr David Josek
Die Sanierung der Brünner Villa Tugendhat steht kurz vor ihrem Abschluss.
Foto: dapd/Petr David Josek
Die Sanierung der Brünner Villa Tugendhat steht kurz vor ihrem Abschluss.
Foto: dapd/Petr David Josek
Die Sanierung der Brünner Villa Tugendhat steht kurz vor ihrem Abschluss.
Foto: dapd/Petr David Josek
Die Sanierung der Brünner Villa Tugendhat steht kurz vor ihrem Abschluss.
Foto: dapd/Petr David Josek
Die Sanierung der Brünner Villa Tugendhat steht kurz vor ihrem Abschluss.
Foto: dapd/Petr David Josek
Die Sanierung der Brünner Villa Tugendhat steht kurz vor ihrem Abschluss.
Foto: dapd/Petr David Josek
Die Sanierung der Brünner Villa Tugendhat steht kurz vor ihrem Abschluss.
Foto: dapd/Petr David Josek
Die Sanierung der Brünner Villa Tugendhat steht kurz vor ihrem Abschluss.
Foto: dapd/Petr David Josek
Die Sanierung der Brünner Villa Tugendhat steht kurz vor ihrem Abschluss.
Foto: dapd/Petr David Josek
Die Sanierung der Brünner Villa Tugendhat steht kurz vor ihrem Abschluss.
Foto: dapd/Petr David Josek
Die Sanierung der Brünner Villa Tugendhat steht kurz vor ihrem Abschluss.
Foto: dapd/Petr David Josek
Die Sanierung der Brünner Villa Tugendhat steht kurz vor ihrem Abschluss.
Foto: dapd/Petr David Josek
Die Leiterin der Villa Tugendhat, die Architektin Iveta Černá, im rekonstruierten Bad.
Foto: dapd/Petr David Josek
Die Sanierung der Brünner Villa Tugendhat steht kurz vor ihrem Abschluss.
Foto: dapd/Petr David Josek
Bis zum letzten Moment wurde noch an Details der renovierten Villa Tugendhat gefeilt. Noch kurz vor der offiziellen Eröffnung legen Arbeiter Hand an die Bepflanzung.
Foto: rtr/Petr Josek
Bei Schönwetter soll der große Garten der Villa Tugendhat für Besucher extra zugänglich sein, unabhängig von einer Besichtigung des Hauses.
Foto: rtr/Petr Josek
Die Villa Tugendhat vom Garten aus gesehen. Nicht nur das Haus, auch die Grünflächen wurden aufwändig saniert.
Foto: AFP/ Radek Mica
Die Gartenfront der Villa Tugendhat erstrahlt in frischem Weiß. Auch die Bepflanzung wurde nach Originalplänen wiederhergestellt.
Foto: AFP/Radek Mica
Mit ihren strengen Formen setzte die 1930 fertiggestellte Villa Tugendhat neue Maßstäbe in der Architektur.
Foto: rtr/Petr Josek
Detailansicht der Terrasse. Die klare Formensprache der Villa Tugendhat sorgte im Jahr 1930 für einige Aufregung.
Foto: rtr/Petr Josek
Durch die großen Fenster der Villa Tugendhat genießt man einen schönen Ausblick über die Stadt Brünn mit der Burg Spielberg im Hintergrund.
Foto: AFP/Radek Mica
Der zur Straße gelegene Eingang der Villa Tugendhat. Von dieser Seite wirkt das geschickt in den Hang gebaute Haus wie ein schlichter Bungalow, die Salons und Wohnräume liegen eine Etage tiefer.
Foto: rtr/Petr Josek
Die geschwungene Treppe führt vom schlichten Entrée hinab in die Wohnräume der Villa Tugendhat.
Foto: rtr/Petr Josek
Das Speisezimmer der Villa Tugendhat mit der berühmten gebogenen Makassarholz-Wand. Teile der Wand wurden über 60 Jahre nach ihrem Abtransport wiedergefunden und erneut eingebaut.
Foto: rtr/Petr Josek
Blick in die Bibliothek der Villa Tugendhat, die Mies van der Rohe in edlem Makassarholz ausführen ließ.
Foto: rtr/David Josek
Die Räume der Villa Tugendhat wurden nach historischen Aufnahmen originalgetreu wiederhergestellt.
Foto: AFP/Radek Mica
Eine Floristin bereitet den Blumenschmuck für die Eröffnung der Villa Tugendhat vor. Pflanzen spielten in dem Haus stets eine wichtige Rolle, Architekt Mies van der Rohe hat zahlreiche Vasen und Blumenkästen sowie einen Wintergarten eingeplant.
Foto: rtr/Petr Josek
In frischem Glanz erstrahlen die Möbel, die Mies van der Rohe eigens für die Villa entworfen hat. Hier der berühmte Tugendhat-Sessel.
Foto: AFP/Radek Mica
Bis ins letzte Detail wurde die Originalausstattung der Villa Tugendhat rekonstruiert. Hier ein von Bauhaus-Architekt Walter Gropius entworfener Wasserhahn.
Foto: AFP/Radek Mica
Der Heizungsraum der Villa Tugendhat: Seit der Renovierung können Besucher auch die für ihre Zeit einzigartigen technischen Einrichtungen des Mies-van-der-Rohe-Baus besichtigen.
Foto: rtr/Petr Josek
Blick in die Lüftungszentrale der Villa Tugendhat, die nun ebenfalls für Besucher geöffnet ist. Die technischen Einrichtungen des Hauses setzten in den späten 1920er-Jahren neue Maßstäbe.
Umgerechnet rund sieben Millionen Euro kostet die Renovierung der Villa Tugendhat und ihres Gartens, sagt Soňa Haluzová, die Sprecherin der Brünner Stadtverwaltung. 85 Prozent der Kosten werden aus EU-Fördermitteln bestritten, den Rest übernimmt das Kulturministerium in Prag.
Die Villa Tugendhat sei die Ikone des modernen Brünn und mache gemeinsam mit vielen weiteren Bauten im Stil des Funktionalismus die ganze Stadt zu einem einzigartigen Architekturdenkmal, sagt Haluzová: "Mit der Sanierung der Villa Tugendhat können wir endlich beweisen, dass sich die Stadt Brünn ihres architektonischen Erbes bewusst ist und auch sorgsam damit umgeht."
In der Vergangenheit hatten Architekturhistoriker wiederholt heftige Kritik am schlechten Zustand der Villa Tugendhat und anderer moderner Bauten in der Stadt geübt.
Symbol für die tragische Geschichte Brünns
Die Geschichte der Villa Tugendhat spiegelt das tragische Schicksal der Stadt Brünn und ihrer Bewohner, die unter den politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts schwer zu leiden hatten.
Gerade einmal acht Jahre lebte die Familie des Brünner Textilfabrikanten Fritz Tugendhat in ihrer 1930 fertiggestellten Villa, dann annektierten die Nationalsozialisten zuerst die Sudetengebiete und besetzten wenig später das ganze Land. Zehntausende Juden flüchteten Hals über Kopf vor Gewalt und Verfolgung, auch die Tugendhats verließen Brünn in Richtung Schweiz und Südamerika.
Es sollte Jahrzehnte dauern, bis sich das wirtschaftliche und kulturelle Leben in der seit der Ende des 19. Jahrhunderts und besonders seit der Gründung der Ersten Tschechoslowakischen Republik im Jahr 1918 aufblühenden Metropole Brünn von diesem Exodus der wohlhabenden, kulturinteressierten jüdischen Mittel- und Oberschicht auch nur annähernd erholt hatte.
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