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„Pop=Kultur“: Berlin Music Week zieht ins Berghain

Die Berlin Music Week zieht ins Berghain.

Die Berlin Music Week zieht ins Berghain.

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dpa

Auch im nächsten Jahr wird es eine Berlin Music Week geben. Allerdings wird sie nicht mehr Berlin Music Week heißen, sondern „Pop=Kultur“, und sie wird nur noch an einem einzigen Veranstaltungsort stattfinden: im Berghain. Das gaben jetzt Björn Böhning, der Chef der Senatskanzlei, und die Leiterin des Berliner Musicboards, Katja Lucker, bekannt. Vom 9. bis 11. September 2015 wolle man in Kooperation mit dem Club und an insgesamt sieben Orten auf seinem Gelände eine völlig neue Festivalform erproben.

Im Berghain selbst, in der Panorama Bar, der benachbarten Halle am Berghain und in der kleinen Kantine wolle man Konzerte jenseits des üblichen Konzertrahmens organisieren. „Internationale Stars, Überraschungsgäste und oft noch unbekannte Künstler“ sollten dort „neue Songs“ und „unverhoffte Mixturen“ erproben. In einem angeschlossenen Diskursprogramm unter anderem im Garten des Clubs wolle man die Musiker und Musikerinnen um Auskunft über ihr Werk und ihre Arbeitsweisen bitten. Zugleich wolle man sie miteinander ins Gespräch bringen, aber auch „mit Künstlern, Theoretikern und Unternehmern“.

Das kann man als gleichermaßen überraschenden wie fundamentalen Kurswechsel bezeichnen – nicht nur, weil sich das Berghain als einer von wenigen Berliner Clubs der Zusammenarbeit mit der Music Week bislang völlig verweigerte. Auch ansonsten bleibt von ihrer bisherigen Gestalt und ihrem Programm in diesem Konzept nichts übrig.

Fünf Jahre lang, von 2010 bis zur aktuellen Ausgabe in der vorletzten Woche, war die Berlin Music Week von der landeseigenen Kulturprojekte GmbH veranstaltet worden. Unter der Leitung von Björn Döring organisierte ein etwa zehnköpfiges Team eine zuletzt im Postbahnhof angesiedelte Fachtagung, auf der sich Musikbranchenbeschäftigte über meist branchenspezifische Fragen austauschten. Zeitgleich fanden in den Clubs rund um die Oberbaumbrücke zahllose Konzerte statt, unter anderem bei dem Showcase-Festival „First We Take Berlin“, das von der auch für das Berlin Festival zuständigen Agentur Melt Booking veranstaltet und vom Senat subventioniert wurde.

Schon Ende letzten Jahres, mit dem Haushaltsbeschluss 2014/15, hatte das Abgeordnetenhaus entschieden, künftig das Musicboard als Veranstalterin einzusetzen und die Music Week damit zugleich aus der Zuständigkeit des Wirtschaftssenats in jene der Senatskanzlei zu überführen. Entsprechend erscheint es auch folgerichtig, dass der Fokus von musikwirtschaftlichen Fragen nun wieder auf die künstlerischen Aspekte der Popmusik wandert. Man wolle künftig ganz „inhaltsgetrieben“ agieren, so Lucker, und sich „auf die Popakteure der Stadt“ und auf „Berlin als Sehnsuchtsort internationaler Kreativer“ konzentrieren; darum werde es auch die Musikbranchentagung in dieser Form nicht mehr geben.

Auch der personelle Wechsel ist radikal. Der bisherige Leiter Björn Döring scheidet aus seinem Amt, aus seinem Team wird ein einziger Mitarbeiter übernommen. Kuratiert wird das Programm von „Pop=Kultur“ künftig von Christian Morin, der die Konzertagentur Headquarter Entertainment leitet und überdies seit 2009 als Musikdramaturg an der Volksbühne wirkt, sowie von Martin Hossbach, der seit 2013 das Musikprogramm des „Foreign-Affairs“-Festivals im Haus der Berliner Festspiele verantwortet und zuvor unter anderem als Booker im Berghain gearbeitet hat; Leser dieser Zeitung haben ihn auch als Autor und Kritiker kennengelernt.

Konkrete Pläne und Namen von Teilnehmern und Teilnehmerinnen wollte das Musicboard noch nicht nennen. Offen ist auch, ob es – wie in den vergangenen Jahren – wieder eine Zusammenarbeit mit dem Berlin Festival geben wird oder auch nur eine zeitliche Koinzidenz. Über die Zukunft des Festivals hätte die veranstaltende Agentur Melt Booking noch nicht entschieden. Aber, so Katja Lucker, man befinde sich mit allen Akteuren im Gespräch.