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Konzert: Eagles of Death Metal rocken in Paris bis zur Schmerzgrenze

Bandchef Jesse Hughes: „Wir werden eine Menge Spass haben.“

Bandchef Jesse Hughes: „Wir werden eine Menge Spass haben.“

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dpa

Paris -

So ein kalifornischer Rocker, Typ: raue Schale, weicher Kern, kann eben beides. Knallhart Terroristen trotzen, deren todbringender Botschaft Lebensbejahendes entgegensetzen, zugleich aber auch offen sein für die Opfer des Terrors und deren Not. Jesse Hughes kann das jedenfalls, der Frontmann der Eagles of Death Metal.

Gut drei Monate, nachdem Attentäter im Pariser Musikklub Bataclan vor seinen Augen 90 Menschen umgebracht haben, ist der Sänger und Gitarrist mit seiner Band nach Paris zurückgekehrt. In der legendären Music Hall Olympia haben die Musiker das abgebrochene Konzert fortgesetzt. Die obligate rosa Brille auf der Nase, die von regelmäßigem Bodybuilding kündenden Arme bis zum letzten freien Fleck tätowiert, haben Hughes und seine Begleiter den unter massivem Polizeischutz in den Saal Geschleusten gnadenlos eingeheizt.

„Niemand wird uns aufhalten"

Jetzt erst recht, lautete die Botschaft der Band an die teils mit Krücken oder auf Rollstühlen erschienenen Überlebenden des 13. November, an die Angehörigen der Opfer, die neu hinzugestoßenen Fans. „Wir werden eine Menge Spass haben“, versprach der Bandleader den 2000 Besuchern, „niemand wird uns aufhalten.“ Die Lautstärke hatte da längst die Schmerzgrenze erreicht. Und als hätte es noch eines zusätzlichen Beweises der Wehrhaftigkeit bedurft, hat der 43-Jährige dann noch in bewährter Rockermanier seine E-Gitarre zu Bruch geschlagen. Oder waren es Trauer und Wut, die sich hier Bahn brachen?

Aber da war eben noch mehr. Mit dem Jacques-Dutronc-Chanson „Paris erwacht“ hatte die Band gleich zu Beginn des Konzerts verdeutlicht, dass hier nicht nur hartgesottene Rockfans zusammenkamen, sondern auch körperlich und seelisch Verletzte. „Paris erwacht“, das hieß an diesem Abend: Paris schüttelt den Alptraum des Terrors ab oder versucht dies zumindest. Mitten im ersten eigenen Song hielt die Band inne, bat die Versammelten, der Opfer zu gedenken. Tränen in den Augen verkündete Hughes: „Was wir zusammen durchgemacht haben, das verbindet uns für immer, das kann uns niemand mehr nehmen.“

Wer nicht an den Rollstuhl gefesselt war, sprang spätestens in diesem Augenblick auf, machte seinen Gefühlen Luft, stimmte in nicht enden wollende Beifallsstürme ein. Wildfremde Menschen lagen einander in den Armen. Der kollektive Schulterschluss gegen den Terror, der nach den Anschlägen vom 13. November nicht gelingen wollte, die Eagles of Death Metal haben ihn am Dienstagabend herbeigerockt.