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Sängerin Ellie Goulding:: „Wir haben die gleichen Rechte wie die Männer“

Voller Einsatz auf der Bühne: Ellie Goulding.

Voller Einsatz auf der Bühne: Ellie Goulding.

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picture alliance / dpa

Vorurteile sind nicht gerade selten. Besonders Männer nehmen die Sängerin Ellie Goulding oft als verletzlich-introvertierte Kindfrau wahr, die bei ihnen automatisch Beschützerinstinkte weckt. Dabei hält sich die blonde Britin mit Boxen fit und zeigt neuerdings gern viel Haut. Im Interview spricht sie über Veränderungen, Probleme mit dem Berühmtsein und wie es ist, vor Zehntausenden Menschen zu singen.

Miss Goulding, es heißt, Ihr Song „On my Mind“ sei die Antwort auf Ed Sheerans Titel „Don’t“, in dem er beklagt, seine Angebetete habe ihn mit einem anderen betrogen.

Ach was. Mein Stück ist keine Gegenreaktion auf irgendetwas, sondern eine Hymne an alle Frauen. Ich finde, wir haben die gleichen Rechte wie Männer. Wenn ein Mann singt, seine Verflossene sei nicht seine große Liebe gewesen, nimmt ihm das keiner übel. Warum muss sich eine Frau dafür rechtfertigen? Das ist einfach nicht fair!

Der Punkt geht an Sie. Aber war es wirklich nötig, in dem „On my Mind“-Video oder auf Ihrem Albumcover so viel nackte Haut zu zeigen?

Was soll daran falsch sein? Ich mag meinen Körper, ich fühle mich wohl in meiner Haut – also zeige ich das auch. Früher hätte ich mich an solche Bilder sicherlich nicht herangetraut. Einfach, weil ich eine innere Hemmschwelle hatte. Ich musste mich erstmal von diesem „Das darfst du nicht!“-Gedanken lossagen und mir mehr Selbstbewusstsein erarbeiten. Heute nehme ich mir die Freiheit, das zu tun, worauf ich gerade Lust habe.

"Ich bin weiß Gott nicht perfekt"

Wollen Sie Ihr Scheues-Reh-Image endlich loswerden?

Natürlich plagen mich immer noch Unsicherheiten. Ich bin weiß Gott nicht perfekt. Gerade das macht mich doch authentisch. Ich achte auf meine Ernährung, ohne völlig auf Alkohol zu verzichten. Auf der einen Seite lese ich gern gute Bücher, auf der anderen Seite gucke ich Trash-TV. Ich versuche, mich irgendwo zwischen den Extremen zu bewegen. Denn es kommt auf die richtige Balance an.

Ist das Berühmtsein nicht trotzdem stressig?

Inzwischen bin ich ein bisschen lockerer geworden. Das Entscheidende ist es, die Dinge, die das Bekanntsein mit sich bringt, mit Humor zu nehmen. Ich kann über manche Verrücktheiten meines Jobs lachen, aber eben nicht über alles. Dass ich als Prominente unter ständiger Beobachtung stehe, macht mir manchmal arg zu schaffen.

Dabei beneiden Sie einige Leute um den Erfolg Ihres Nummer-eins-Hits „Love me like you do“, der Sie dank des Films „Fifty Shades of Grey“ in die Liga der Stars katapultiert hat.

Das kam für mich ziemlich überraschend. Eigentlich ist das ja gar kein typisches Ellie-Goulding-Lied. Aber es hat mir bestimmt geholfen, ein paar Karten mehr für meine Tournee zu verkaufen.

"Singe lieber vor Zehntausend"

Zumindest treten Sie jetzt in größeren Hallen als vorher auf.

Auch wenn es ein bisschen seltsam klingt: Ich singe lieber vor zehntausend Zuschauern als in einem kleinen Club. Wenn ich vor einer riesigen Menschenmenge stehe, gibt mir das Sicherheit. Ich lege meine Schüchternheit komplett ab und verwandele mich in mein Bühnen-Alter-Ego – eine Frau mit ungeheurer Kraft.

Sie haben schon einige Konzerte in Berlin gegeben. Was mögen Sie an dieser Stadt?

Vor allem die Musikszene. Ich habe ein Faible für elektronische Klänge, da komme ich in dieser Metropole natürlich voll auf meine Kosten. Außerdem hat Berlin eine wesentlich interessantere Historie als die meisten anderen Städte.

Trotzdem wohnen Sie in London.

Im Herzen bin ich aber immer noch ein Mädchen vom Land.

Mit lauter berühmten Freunden.

Von wegen. Kaum jemand aus meinem Freundeskreis ist prominent. Mit meiner Freundin Hannah bin ich zum Beispiel seit der College-Zeit befreundet. Sie arbeitet nun für mich und reist mit mir um die Welt. Wenn sie an meiner Seite ist, fühle ich mich, als würde eine ganze Armee hinter mir stehen. Deswegen habe ich ihr den Song „Army“ gewidmet.

Befeuern Sie damit nicht wieder das Vorurteil, sehr zerbrechlich zu sein?

Ich kann Ihnen versichern: Ich bin eher der sportliche Typ. Weil ich mich mit Boxen fit halte, könnte ich viele Männer zu Boden schicken.