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Xavier Naidoo und Kool Savas in der Zitadelle: Einfaches Spiel für Xavas in Berlin

Kool Savas und Xavier Naidoo in der Zitadelle Spandau (30.08.3013).

Kool Savas und Xavier Naidoo in der Zitadelle Spandau (30.08.3013).

Foto:

Votos - Roland Owsnitzki

Berlin -

Zu einem Klatsch- und Mitsingkonzert haben sich am Freitag mehrere Tausend Menschen in der ausverkauften Zitadelle in Spandau eingefunden. Von ihren Fans beklatscht wurden Xavas, das sind Xavier Naidoo und Kool Savas, der eine singt, der andere rappt. Sie spielten viele Lieder von ihrem letzten Album mit dem spannungsgeladenen Titel „Gespaltene Persönlichkeit“, aber auch Erfolgslieder ihrer Soloalben. Den Menschen hat das alles sehr gut gefallen: Es wurde mitgeschunkelt, mitgesungen, sie klatschten und klatschten.

Besonders viel Applaus ernten die beiden Sänger, wenn sie mit ihrer Stimme das machen, wofür sie bekannt geworden sind. Bei Xavier Naidoo ist das der Fall, wenn er seine Stimme in die Höhe treibt – und dort auf einem Ton verweilt. Das reicht aus, dann klatschen die Fans, einige Frauen rufen „Yeah!“ und „krass-geil.“ Und Kool Savas erntet vom Publikum Szeneapplaus, wenn er im Turbogang rappt, eine Silbe der anderen hinterherschießt, er ist einer der schnellsten Rapper in Deutschland. Manche Männer im Publikum versuchen, diese maschinengewehrartig abgefeuerten Silben mitzurappen, denn sie kennen die Texte, haben sie schon hundertmal gehört. Aber das ist kaum zu schaffen. „Zu krass-schnell.“

Für ein Rap-Konzert, zu viele Balladen, für ein Pop-Soul-Konzert zu viele Rap-Lieder: Das macht aber nichts, gehört zum Programm, soll ja, wie der Name des Albums sagt, eine gespaltene Angelegenheit sein. Das Publikum stellte sich auf diese Halb-und-Halb-Veranstaltung ein. Wenn Naidoo singt, stellen sich viele Männer hinter ihre Partnerinnen, umschlingen und streicheln sie, Kuss auf den Nacken. Zeitgleich singen die Gestreichelten, mit großer Leidenschaft Naidoos Texte, zum Beispiel „... man muss nicht überall bleiben, man muss nicht immer gehen ...“ oder andere Zeilen, in denen es um Gott und Satan, Krieg und Frieden, Liebe und Freude geht. Dreht der DJ die Musik ab und auch Naidoo singt nicht, um die Mitsingstimmung des Publikums zu testen, hört man einen Chor von Mitsingerinnen. Wenn Kool Savas rappt, wird nicht geschunkelt. Savas prescht nach vorn, rappt auch von Liebe und Enttäuschung, von Ungerechtigkeiten im Leben, von Hilflosigkeit und Schicksal. Das Publikum hebt hierzu die Hände zum Himmel, hoppst zum Rhythmus, die Männer so mit Brustkorb raus.

Schmalz-Profi-Pop-Abend

Begleitet wird die Musik von einfachen Bühnenshowdetails: Singt Naidoo von verloren gegangener Liebe, ist auf der Leinwand ein riesiges rotes Herz projiziert, das in tausend Teile zerbricht. Singt Kool Savas über seine Aura, über seine innere Flamme, die ihm keiner nehmen kann, dann ist Pyro-Action angesagt: Beim Wort Flamme schießt – ja, genau! – eine Flamme aus der Bühne hervor.

Alles an diesem Abend ist simpel, alles glatt, schön und gewöhnlich. Es ist ein von Humor befreiter Schmalz-Profi-Pop-Abend. Das, was interessant hätte werden können, sich mit dem Thema „gespaltene Persönlichkeit“ auf musikalische Weise auseinanderzusetzen, wird mit dem denkbar einfachsten Gegensatz schnell vs. langsam abgehandelt. Das reicht aus. Genau zwei Stunden waren Xavas auf der Bühne, fast 30 Lieder haben sie gespielt. Die treuen Fans klatschten und klatschten, zufrieden sind sie.