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Musiker David Lower klagt gegen Streamingdienst: Robin Hood gegen Spotify

David Lowery klagt gegen den Goliath Spotify.

David Lowery klagt gegen den Goliath Spotify.

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imago/ZUMA Press

Velena Vego dürfte nicht gerade glücklich über die jüngsten Aktivitäten ihres Mannes David Lowery sein. Seit Jahren verspricht der Musiker und Universitätsdozent Vego, dass er seinen einsamen Kampf gegen die neuen Herren der Musikbranche aufgibt und sich auf sein Kerngeschäft und auf das Familienleben konzentriert. Und jetzt das.

Lowery reichte vor einem Gericht in Kalifornien eine Klage gegen den Streaming Dienst Spotify ein. Im Namen aller von Spotify vertriebenen Künstler will Lowery 150 Millionen US-Dollar (etwa 140 Millionen Euro) an nicht gezahlten Urheber-Gebühren von Spotify eintreiben. Eine Klage, die, wenn sie Erfolg hat, nicht nur Spotify sondern das gesamte Musik-Streaming-Geschäft ins Wanken bringen könnte.

"Die Künstler verdienen gar nichts mehr"

Lowery erwägt eine solche Klage schon seit einiger Zeit. Immer wieder hat er in Vorträgen, Interviews und Artikeln das Geschäftsmodell des Musikbetriebs im digitalen Zeitalter angeprangert. „Unter dem neuen Modell“, sagte er, „verdienen die Künstler gar nichts mehr. Das Kasino nimmt alles.“

Erstaunlicherweise ist Lowery einer der wenigen Künstler, die sich über diese Zustände nicht nur beklagen, sondern auch etwas dagegen unternehmen. „Die Kollegen klopfen ihm alle auf die Schulter. Aber niemand reiht sich wirklich ein und unterstützt ihn“, sagt Velena Vego, die als Club-Betreiberin, selbst zum Business gehört.

Die Freiheit eines Professors

Der Grund dafür, dass Lowery sich aus dem Fenster lehnt, ist, wie er sagt, dass er über „Fuck-It“-Money verfügt. Als Professor für Ökonomie an der Universität von Georgia, ist er von der Branche unabhängig. Er kann es sich leisten, den Mund aufzumachen, er wird es überleben, auch wenn er sich die Branche zum Feind macht.

Lowery war noch nie ein reiner Musiker, er hat sich von Anfang nicht von dem volatilen Business abhängig gemacht. Während der heute 54-Jährige in den 80er-Jahren in San Francisco mit seiner Band Camper Van Beethoven die Indie-Szene an der Westküste mit begründete, studierte er Mathematik und Wirtschaft. Trotz des Erfolges von Camper Van Beethoven und der Nachfolgeband Cracker gab Lowery auch in den 90er-Jahren noch seinen mathematischen und betriebswirtschaftlichen Neigungen nach. Er begründete das erfolgreiche Portal Groupon, über das Verbraucher in Dutzenden von US-Städten Schnäppchen für Veranstaltungskarten erwerben können. 2010 nahm er dann die Wirtschaftsprofessur in Georgia an.

Aufstieg zum Robin Hood

Nationale Prominenz erlangte Lowery kurz danach in einem öffentlichen Austausch mit einer jungen Mitarbeiterin des nationalen Radiosenders NPR. Die junge Frau gestand, dass sie in ihre Cloud 11.000 Songs geladen habe, aber in ihrem Leben nur 15 CDs gekauft. Lowery schrieb ihr einen zornigen offenen Brief: „Herzlichen Glückwunsch. Du gehörst zur ersten Generation, die rebelliert, in dem sie es nicht den Mächtigen und den Ausbeutern zeigt, sondern den Außenseitern und Ausgebeuteten.“ Seither ist Lowery der Robin Hood der Musiker und Künstler, denen die digitale Welt die Existenzgrundlage entzieht. Da ruhige Leben muss noch etwas warten.


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