blz_logo12,9

Nach schwerer Krankheit: Schauspieler Günter Junghans ist tot

Günter Junghans (Mitte) mit seinen Schauspielkollegen Beppo Küster (l.) und Herbert Köfer (r.).

Günter Junghans (Mitte) mit seinen Schauspielkollegen Beppo Küster (l.) und Herbert Köfer (r.).

Foto:

dpa

Günter Junghans war nicht der Mann für die ganz großen Rollen. Mit umso mehr Herzblut gab er zahlreichen Nebenfiguren Charakter und menschliche Tiefe. Zu seinen wohl wichtigsten Auftritten gehörte der DDR-Kultfilm „Die Abenteuer des Werner Holt“ (1965).

In der Rolle des Generaloberst Koweitz, den er in der ARD-Serie „Weißensee“ seit 2010 spielte, sollte er ab September wieder vor der Kamera stehen. Am Sonntag ist der Schauspieler nach kurzer, schwerer Krankheit mit 73 Jahren gestorben.
Der gebürtige Leipziger hat in mehr als 130 Kino- und Fernsehfilmen mitgespielt, über 20 Jahre gehörte er zum Ensemble der Berliner Volksbühne. „Die Personen, die er verkörpert, wirken bodenständig. Seine Wandelbarkeit beweist er mit einer großen Spannbreite: Sie können herzlich oder schroff, leise naiv oder lauthals polternd sein“, heißt es bei der Datenbank Film-Zeit.

Vor allem mit seinen DEFA-Filmen erreichte Junghans ein Millionenpublikum. Beliebte Streifen waren etwa „Ach, du fröhliche ...“ (1962), „Zünd an, es kommt die Feuerwehr“ (1976) und „Wie die Alten sungen...“ (1987). In dem in der DDR verbotenen Kinodrama „Jadup und Boel“ (1980) spielte er an der Seite von Kurt Böwe und Gudrun Ritter. 1983 wurde er für seine „maßstabsetzenden künstlerischen Leistungen“ mit dem Kunstpreis der DDR ausgezeichnet.

Die Wende 1989/90 bedeutete für Junghans auch beruflich eine Zäsur. Nach einer kleineren Rolle in Helmut Dietls Satire „Schtonk“ (1992) arbeitete er vor allem für das Fernsehen. Regelmäßig trat er weiter in der Krimireihe „Polizeiruf 100“ auf, auch im „Tatort“ war er mehrfach zu sehen.

1941 als Sohn einer Handwerkerfamilie in Leipzig geboren, hatte Junghans an der Filmhochschule Potsdam sein Diplom gemacht. An der Berliner Volksbühne spielte er unter großen Regisseuren wie Fritz Marquardt, Benno Besson und Matthias Langhoff. Für Aufsehen sorgte er als Franz Moor in Schillers Drama „Die Räuber“. Zuletzt stand er 2006 in Potsdam als „Nathan der Weise“ auf der Bühne.

Privat engagierte sich der verheiratete Familienvater für das Kinderhospiz Mitteldeutschland, dessen ehrenamtlicher Botschafter er seit 2005 war. Schon vor vier Jahren hatte er sich in der Charité einer Herzoperation unterziehen müssen, war dem Tod aber „noch mal von der Schippe gesprungen“, wie er zu seinem 70. Geburtstag sagte. Am Sonntag starb er in einem Krankenhaus bei Berlin, teilte die Filmagentur Astrid Rahn mit. (dpa)