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Neu im Kino „Hasta la vista!“: Ziemlich beste Busenfreunde

Philip auf dem Weg gen Spanien.

Philip auf dem Weg gen Spanien.

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dpa

Ihre Parole heißt „Hasta la vista!“, nicht „Hasta la Vista, Baby“. Von der Lässigkeit eines Arnold Schwarzenegger sind die drei jungen Männer im Mittelpunkt dieser belgischen Komödie denkbar weit entfernt. Mut allerdings haben sie. Ihre Behinderungen – Philip ist vom Hals abwärts gelähmt, Jozef fast blind, und Lars sitzt wegen einer tödlichen Krankheit im Rollstuhl – sollen nicht auch noch den gemeinsamen „Road Trip“ verhindern, selbst wenn sich Lars’ Prognose gerade erst verschlechtert hat. Ihren Eltern, bei denen sie noch immer leben, haben sie die Zustimmung mühsam abgetrotzt. Der designierte Fahrer aber hat bereits gekniffen. Als Ersatz schickt er die resolute Claude, die den Freunden zunächst gar nicht passt. Nicht nur, dass die Wallonin nur französisch spricht – als Frau würde sie wohl auch kaum Verständnis haben für das geheime Ziel der Reise: ein spanisches Bordell, das auch Schwerbehinderte herzlich willkommen heißt.

Thema Behinderung mit reichlich Humor

Von großen Erwartungen erzählt dieser ungewöhnliche Film aus Belgien, und auch der Verleih erhofft sich davon wohl eine Menge: Nichts sehnt die Kinobranche derzeit mehr herbei als ein zweites „Ziemlich beste Freunde“. In der Tat: Wie der Erfolgsfilm aus Frankreich fasst auch „Hasta la vista“ das Thema Behinderung ohne Samthandschuhe an, dafür mit reichlich Humor. Dass er vielleicht sogar der bessere Film ist, könnte seinem Erfolg allerdings durchaus im Wege stehen. Denn der Regisseur Geoffrey Enthoven bevorzugt einen ungefilterten Realismus, wo sein französischer Kollege auf Glätte setzte. Es gibt kein Luxus-Ambiente zu bestaunen, sondern – bei allem Humor – alle Bitterkeiten eines Lebens, das nichts ist für Feiglinge.

In einer Szene – die drei Männer haben gerade ihre Zimmer im Hotel bezogen – rufen Philip und Lars gleichzeitig ihren blinden Freund zur Hilfe. Er ist der Einzige von ihnen, der in der Lage ist, einen umgekippten Rollstuhl wieder aufzurichten. Allerdings fällt ihm unterwegs seine Zimmerkarte aus der Hand. Wie sollte er sie wiederfinden? In jeder anderen Komödie spränge ihm hier wohl ein glücklicher Zufall oder die helfende Hand einer Nebenfigur zur Hilfe. Doch Geoffrey Enthoven blendet die Szene einfach im trostlosesten Moment ab – ein Stilmittel, das sagen soll: So etwas passiert Behinderten fast jeden Tag. Besser man gewöhnt sich schnell daran, es kann noch schlimmer kommen.

Selten hat man eine so unheroische Zeichnung derartiger Schicksale gesehen und soviel trotzigen Humor. Ein ähnliches Beispiel immerhin gibt es: Dietrich Brüggemanns deutsche Komödie „Renn, wenn du kannst!“ machte in dieser Hinsicht auch keine falschen Geschenke. Auch der junge deutsche Filmemacher scheute sich nicht davor, die Figur eines Behinderten mit Ecken und Kanten auszustatten. Allerdings versicherte er sich dabei eines Netzes aus wirkungssicherer Romantik.

Das ist hier doch etwas anders: Der Belgier Enthoven vertraut auf einen Realismus, der seinen eigenen grotesken Slapstick hervorbringt. Man hält den Atem an, etwa wenn Josef beim Pinkeln in einen See stürzt und von der nicht gerade sportiven Busfahrerin gerettet werden muss. Man beißt sich auf die Zunge, aber nicht, weil man sich das Lachen aus Respekt verkneifen müsste. Sondern weil man staunt, wie es gelingt, ohne jede Herablassung auch schlimmsten Missgeschicken mit einem Augenzwinkern zu begegnen.

Tatsächlich werden die körperlichen Handicaps schon bald zur Nebensache. Was diese Männer in ihren fürsorglichen Familien nie erlernt haben, ist der selbstbestimmte Umgang mit dem anderen Geschlecht. Die ungeliebte Busfahrerin, die sich Taktlosigkeiten verbittet, erweist sich da als unverhoffte Aufklärerin. Spätestens hier wird das vermeintlich provokante Thema des Films zur Nebensache. Allenfalls am Rande ist dies ein Plädoyer für die Segnungen der Prostitution unter besonderen Umständen. Es ist ein Plädoyer für ein selbstbestimmtes Leben – unter allen Umständen.

Hasta la Vista! Belgien 2011. Regie: Geoffrey Enthoven, Drehbuch: Pierre De Clercq, Kamera: Gerd Schelfhout, Darsteller: Robrecht Vanden Thoren u.a.; 112 Minuten, Farbe. FSK ab 12.



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