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Berliner Zeitung | Neue Kulturstaatsministerin: Die Zeit ist reif für Grütters
15. December 2013
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Neue Kulturstaatsministerin: Die Zeit ist reif für Grütters

Neue Kulturstaatsministerin: Monika Grütters.

Neue Kulturstaatsministerin: Monika Grütters.

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Berliner Zeitung

Auf diesen Tag hat sie lange gewartet. Wann immer in den vergangenen Jahren über einen möglichen Nachfolger für Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) spekuliert wurde, stand der Name von Parteifreundin Monika Grütters ganz oben auf der Liste. Aber wenn man sie darauf ansprach, wurde sie einsilbig. Bloß nicht zu viel darüber reden.

Dabei ist es genau das, was ihr nicht gerade leicht fällt. Wenn die 51-jährige, im westfälischen Münster geborene, Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin sich erst einmal für eine Sache erwärmt hat, wird sie nicht müde, sich wortreich für sie starkzumachen

So hat sie sich, als es um die politische Durchsetzung der Künstlerkolonie Tarabya bei Istanbul ging, als Vorsitzende des Kulturausschusses des Bundestag vehement gegen die Verzögerungstaktik des Auswärtigen Amtes gewandt und dabei auch Ärger mit den Regierungskollegen aus der FDP in Kauf genommen.

Ihre politische Leidenschaft ist ganz sicher das hervorstechendste Merkmal, das Monika Grütters von ihrem Amtsvorgänger unterscheidet, der gut damit gefahren ist, auf Pragmatismus und Möglichkeitssinn zu setzen. Was Neumann mit seiner jovialen, aber verlässlichen Art für die Kultur und ihre Institutionen erreicht hat, wird Grütters nun mit einer ihr eigenen Mischung aus Augenmaß und Temperament fortsetzen müssen.

Kulturpolitischer Schemawechsel

Und die Zeit ist durchaus reif für einen kulturpolitischen Schemawechsel. Während Neumann vor allem Verdienste bei der Konsolidierung des Amtes erworben und stets einen Blick für die Bedeutung des kulturellen Erbes bewiesen hat, wird Monika Grütters in den nächsten Jahren vor der Aufgabe stehen, die kulturpolitischen Parameter auf die digitale Herausforderung auszurichten.

Der Appell von mehr als 560 Schriftstellern gegen die Missachtung des Datenschutzes hat zuletzt gezeigt, dass die Verschränkung von Urheberrechtsfragen, Medienpolitik und Bürgerrechten im Kern auch eine kulturpolitische Aufgabe ist. So groß die Fußstapfen Bernd Neumanns auch sein mögen, wird es Monika Grütters doch nicht an Aufgabenfeldern mangeln, in denen sie neue Akzente setzen kann.

Ihr größtes politisches Pfund ist ihre persönliche Integrität. Monika Grütters genießt die Achtung vieler Künstler und Kulturmanager. Sie hat es als Politikerin erworben, weil sie die Freuden und Leiden kultureller Kreativität auch als Macherin kennengelernt hat. In ihrem neuen Amt wird sie nun vor allem lernen müssen, empfindsame Künstlerseelen auch einmal zu enttäuschen. Sie besitzt für ihr neues Amt Kompetenz und Augenmaß. Man darf gespannt sein, wie sie sich zu behaupten weiß, wenn es hinab in die kulturpolitischen Niederungen geht.