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Neues Zuckerberg-Projekt: Wie Facebook unsere Gedanken lesen will

Facebook Gedanken

Facebook will Menschen mit Hilfe von Sensoren Worte direkt aus ihrem Gehirn in Computer eingeben lassen.

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dpa

Man weiß nicht genau, ob man sich gruseln möchte oder doch lieber fasziniert sein sollte, wenn man von dem neuen Projekt des US-Unternehmens Facebook hört: Das Online-Netzwerk arbeitet an einer Technologie, die es ermöglichen soll, Gedanken direkt in Text zu verwandeln.

Facebook hat das Projekt bei seiner hauseigenen jährlichen Entwicklerkonferenz F8 im kalifornischen San José vorgestellt. Das System, an dem Mark Zuckerbergs Online-Imperium im Silicon Valley bastelt, soll in der Lage sein, Hundert Wörter pro Minute direkt aus dem Gehirn in geschriebenen Text umzuwandeln.

Das heißt: Man muss eine SMS oder eine E-Mail nur denken und schon kann man sie in seinem Smartphone sehen und verschicken.

Das soll Zeit sparen: Fünf Mal schneller soll alles gehen, glaubt man den Wissenschaftlern. 60 Experten sind an dem Projekt beteiligt. Allerdings stehe die Arbeit erst ganz am Anfang, betonte die Facebook-Managerin Regina Dugan.

Mark Zuckerberg ist überzeugt vom Projekt

Laut Facebook soll es nicht darum gehen, „wahllos Gedanken zu lesen“. „Wir reden von Gedanken, die man teilen will; Wörter, die zum Sprachzentrum des Gehirns gesandt wurden“, erklärte Dugan. Zuckerberg glaubt, dass es eines Tages möglich sein wird, mit nur einem Gedanken Fotos und Videos zu teilen. Der Facebook-Gründer möchte die tragbare Technologie für den Massenmarkt zugänglich machen. 

Das klingt ein bisschen nach 1984, dem dystopischen Roman von George Orwell, in dem eine Gedankenpolizei die Gedanken der Menschen überwachen kann. Gleichzeitig steckt in dem Wunsch, Gedanken greifbar und lesbar zu machen wohl ein Menschheitstraum – wohlwissend, dass dies eigentlich nicht möglich sein wird - und was wohl auch kaum einer ernsthaft möchte.

Idee ist nicht ganz neu

Und genau hier liegt wohl auch der Grusel-Faktor: Möchte man wirklich, dass ein Konzern wie Facebook – ein US-Unternehmen, das ohnehin schon mit Unmengen an persönlichen Daten Profit macht, uns kontrolliert und intransparente Algorithmen programmiert, die uns manipulieren – derartige Gedankenexperimente vornimmt?

Doch bisher ist viel zu viel unklar, als dass man sich nicht auch durchaus von derartigen Visionen angezogen fühlen darf.
Auch ist weder die Idee noch die Technologie grundlegend neu.

Allerdings steckt die Forschung in den Kinderschuhen. Bisher braucht man für vergleichbare Methoden Elektroden, die operativ in den Kopf eingepflanzt werden. Facebook will nach eigenen Angaben nun aber Sensoren entwickeln, die auf dem Kopf getragen werden.

PayPal-Gründer Musk arbeitet an ähnlichem Projekt

An solchen Zukunftsträumen arbeiten auch andere Unternehmen. So soll zum Beispiel der kanadisch-US-amerikanische Inverstor Elon Musk – unter anderem bekannt als Mitbegründer des Online-Bezahlsystems PayPal – an einem Unternehmen namens Neuralink beteiligt sein, das Gehirne mit Computern vernetzen möchte.

Das hatte das „Wall Street Journal“ Ende März berichtet. Ziel soll es demnach sein, mit den kognitiven Fähigkeiten von künstlicher Intelligenz mitzuhalten.

Forschung könnte behinderten Menschen zugute kommen

Erst kürzlich hatten Wissenschaftler eine Kopfhaube vorgestellt, die bei vollständig gelähmten Menschen die Hirnaktivität misst, so dass sie mittels dieser Computer-Gehirn-Schnittstelle auf Fragen mit Ja und Nein antworten konnten. Gerade für behinderte Menschen, die zum Beispiel unter dem Locked-In-Syndrom leiden, kann so eine Forschung bahnbrechend sein.

Die Visionen klingen also erst einmal spannend, was davon aber letztlich technisch umsetzbar ist, muss man wohl abwarten. Bis dahin gilt: Die Gedanken sind frei. (mit afp)