image001
Nachrichten aus Berlin und der ganzen Welt

Oscars 2016: Kampfansagen gegen den Rassismus bei der 88. Oscar-Verleihung

Chris Rock_2

Oscar-Host Chris Rock

Foto:

AP

Los Angeles/Berlin -

Schließlich hat es doch noch geklappt mit dem Oscar für Leonardo DiCaprio. Nach sechs Nominierungen ohne Gewinn wurde dem Star in der Sonntagnacht bei den 88. Academy Awards im Dolby Theatre von Hollywood endlich die Trophäe als Bester Hauptdarsteller zugesprochen für seine Rolle als Überlebender in dem Drama  "The Revenant". Zwölf Mal war dieser Film für den Oscar nominiert und markiert nun erneut einen Triumph für den mexikanischen Regisseur Alejandro González Iñárritu.

Der hatte 2015 mit seinem "Birdmann" den Oscar für den besten Film, besten Regisseur, das beste Originaldrehbuch und die beste Kamera geholt. Nun ist er wohl so etwas wie Hollywoods Über-Regisseur. Doch nicht allein Iñárritus Kino der Großartigkeit verstehen die Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die die Oscars vergibt, unter richtig großem Kino. Als Bester Film wurde in der Sonntagnacht nämlich "Spotlight" ausgezeichnet: Thomas McCarthys toller Journalisten-Thriller, der ein Plädoyer ist für die unbeirrbare Suche nach Wahrheit und Aufklärung, für  fundierte Recherchearbeit und moralische Standards.  

"Spotlight" erzählt, auf einer wahren Geschichte beruhend, von den Anstrengungen  einiger Reporter des Boston Globe, Missbrauchsfälle durch katholische Priester in der Ostküstenmetropole aufzudecken. Die Danksagung der Filmproduzenten für den Oscar wurde dann zum Appell gegen die langjährige Vertuschungspolitik des Vatikans; ihr Film, so sagten sie, geben den Opfern eine Stimme.

Eine politische Oscar-Gala

Doch das Wort "Opfer" fiel dabei nicht  - vielmehr war während dieser Gala immer wieder  von "Survivors", Überlebenden, die Rede, derer man gedenke  und für die man sich einsetze. So wie Lady Gaga und US-Vize-Präsident Joe Biden sich für die "Überlebenden  sexueller Gewalt" einsetzten, Vergewaltigungsopfer wie einst Lady Gaga, selbst eigenem Bekunden auf dem roten Teppich zufolge. Ihre Interpretation von "Til It Happens to You" im Beisein solcher Überlebender beiderlei Geschlechts geriet zu einem machtvollen Auftritt.

War dies nun die politischste Oscar-Gala, an die man sich erinnern kann? Diese Frage kommt mit schöner Regelmäßigkeit auf nach den Academy Awards; fast geht darüber ein wenig der Gedanke an die Filmkunst verloren. Aber wer wollte das kritisieren, zumal in diesen Zeiten! Und so wurde die 88. Oscar-Verleihung nicht nur zum Podium für Überlebende sexueller Gewalt, es wurden auch die Schauspieler mit indianischen Wurzeln gewürdigt, die in "The Revenant" zahlreich auftreten, wobei Leonardo DiCaprio gleich noch die Gelegenheit ergriff, um an die Klimakatastrophe zu erinnern.

Das große, übergreifende Thema des Abends war indes der Rassismus gegen Afroamerikaner, wie er sich schon in den Oscar-Nominierungen niedergeschlagen hatte: Bereits das zweite Jahr in Folge waren keine schwarzen Schauspieler nominiert worden, und das obwohl es durchaus entsprechende Filme wie "Beast of No Nation" oder aber "Straight Outta Compton" gibt.  Die Kontroversen darum griff der schwarze Comedian und Gala-Moderator Chris Rock nur zu gern auf, und zwar ebenso witzig wie bissig.

  1. Kampfansagen gegen den Rassismus bei der 88. Oscar-Verleihung
  2. Warum gerade jetzt protestiert wird
nächste Seite Seite 1 von 2