blz_logo12,9

Peanuts?: Haushalten mit der freien Szene

Das Deutsche Theater. Kulturinstitution in Berlin.

Das Deutsche Theater. Kulturinstitution in Berlin.

Foto:

Alina Novopashina/dpa

Am Montag kam es bei den parlamentarischen Beratungen über den Berliner Kulturhaushalt für die Jahre 2014 und 2015 zum Eklat. Abgeordnete der Oppositionsparteien verließen den Saal, als Klaus Wowereit in seiner Funktion als Kultursenator den Haushalt vorstellen wollte. Sie waren unzufrieden mit der Verschiebung der Debatte, aber auch mit dem Kulturhaushalt selbst. Dass es für Wowereit und den Kulturstaatssekretär André Schmitz ungemütlich bleiben wird, dafür will die freie Szene sorgen, die heute nach Kreuzberg ruft und mobil machen will gegen die Entscheidung, den Etat für die freien Künstler und die freien Institutionen auf 10 Millionen Euro einzufrieren.

In einem Kulturhaushalt von 379 Millionen Euro sind 10 Millionen Euro eine kleine Position. Peanuts, wie es einmal so schön hieß. Und die Wut kocht zur Zeit über. Weil der Szene zuvor Hoffnungen auf eine Aufstockung des Etats gemacht wurden, und weil diese Aufstockung mehr als berechtigt ist.

Katastrophale Arbeitsbedingungen

Die Arbeitsbedingungen für die freien Künstler sind katastrophal. Der Unterschied zu den Einkommen und den Arbeitsbedingungen der fest Angestellten in den Kultureinrichtungen des Landes Berlin ist teilweise geradezu obszön. Denen aber sollen nun wegen Anpassungen der Tarifstrukturen auch fast die gesamten 27 Millionen Euro zufließen, um die der Haushalt in den kommenden zwei Jahren aufgestockt wird.

Sicher, die freien Künstler, die in die Stadt strömen, haben sich selbst für eine fragile Künstlerexistenz entschieden. Viele, die trotz schlechtester Bedingungen an ihrem Künstler-Dasein festhalten, haben deswegen noch lange keine Förderung verdient. Aber was ist mit denjenigen, aus denen etwas geworden ist oder werden könnte?

Für sie – für Institutionen wie die Neuköllner Oper, die Berliner Kulturgeschichte mitgeschrieben hat, für so schillernde, international erfolgreiche Künstler wie etwa die Choreografin Constanza Macras – müssen der Kultursenator Wowereit und sein Staatssekretär Schmitz sorgen. Sie tragen eine politische Verantwortung gegenüber den Künstlern, aber auch für die Stadt, die von diesen Künstlern profitiert. Dieser Verantwortung werden Wowereit und Schmitz nicht gerecht. Sie verschleppen das Problem seit Jahren. Das geht. Denn anders als Kultureinrichtungen des Landes Berlin haben die Freien keine gesetzliche Handhabe.

Aber irgendwann, vielleicht jetzt, könnten Wowereit und Schmitz die Peanuts dennoch um die Ohren fliegen. Vielleicht nicht einmal, weil sie in der Sache fahrlässig mit ihrer politischen Verantwortung umgehen. Sondern weil das Ausmaß der Ignoranz das Gefühl für den menschlichen Anstand verletzt.