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Petition für Jörg Albrecht: Albtraum mit Happy End

Der Autor Jörg Albrecht (Foto von 2008) war Gefangener in Abu Dhabi.

Der Autor Jörg Albrecht (Foto von 2008) war Gefangener in Abu Dhabi.

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imago stock&people

Der Spuk ist vorbei. Der Berliner Autor Jörg Albrecht (geb. 1981) hat die nötigen Papiere und ist, als wir diesen Text schreiben, auf dem Weg zum Flughafen. Nach dreißig Stunden ohne Kontakt zur Außenwelt, nach drei Tagen Haft und nach weiteren zehn Tagen im Ungewissen darf er nun das Emirat Abu Dhabi verlassen. Auf fast schon alberne Weise war er unter Spionage-Verdacht geraten.

Wann hat er gemerkt, dass es ernst ist, dass sich die Sache nicht so leicht klären lässt, dass er tatsächlich nicht mehr frei ist? Als sie ihn ins Auto baten? Bei den Verhören? Als sie ihm den Pass und das iPad abnahmen? In der Zelle? Albrecht war am 1. Mai als Gast der Buchmesse nach Abu Dhabi gereist. Kollegen treffen, Kontakte knüpfen, ein bisschen in den Dialog der Kulturen eintreten und auch, um mit seinem Lektor an seinem nächsten Roman, einer Sience-Fiction-Satire arbeiten. „Wir fanden das witzig“, sagt er in einem Interview mit der Welt, „in einer Stadt die eigentlich genau so ist wie die, die ich in dem Buch beschreibe.“

Er hat sich sicher gefühlt im Emirat des Scheichs Chalifa bin Zayed Al Nahyan, als offizieller Gast und Mitglied einer Kulturfunktionärskarawane. Bei einem Spaziergang in der Nähe seiner Unterkunft hat er sein iPad gezückt und aus „naivem architektonischem Interesse“ Gebäude fotografiert. Es handelte sich − wie sich kurz danach herausstellte − um die iranische und die irakische Botschaft. Das Tablet vor dem Kopf, schlich sich die Wirklichkeit von hinten an.

Ein Jeep hielt, Albrecht wurde verhaftet und verhört. Immerhin konnte er irgendwann heimlich telefonieren und so ein Lebenszeichen geben. Sein Verleger und die Botschaft eilten herbei und konnten nichts ausrichten. Im Gefängnis wurde freundlich behandelt, wie er sagt, und dann gegen Kaution von 200 Euro entlassen. Aber er durfte nicht ausreisen. Bis Dienstagnachmittag wurde er im Unklaren gelassen. Ein Missverständnis? Was wirft man ihm vor? Was hat er zu erwarten?
Erst am vergangenen Sonntag − wohl weil er an eine schnelle Klärung glaubte und alles Konfrontative vermeiden wollte − ging er an die Öffentlichkeit. Eine Internet-Petition wurde gestartet. Danach gab Albrecht verschiedenen Redaktionen, auch der Berliner Zeitung, E-Mail- und Skype-Interviews, in denen er sich verzweifelt und psychisch angegriffen zeigte. Er fühle sich wie in einem Kafka-Roman, sagte Albrecht. Dieser hier hat nun ein Happy End.