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Polnische Literatur: Eine bunte Geschichte, ein böses Glanzstück

Nein, Katzen stehen nicht im Zentrum des aktuellen Romans von Dorota Maslowska.

Nein, Katzen stehen nicht im Zentrum des aktuellen Romans von Dorota Maslowska.

Neu sind die Codes nicht, die die polnische Autorin Dorota Maslowska in ihrem aktuellen Roman benutzt: Frauenzeitschriften, Take-Away-Becher und Yoga sind die Accessoires, die die Hauptfigur Farah durch die Handlung von „Liebling, ich habe die Katzen getötet“ begleiten. Die Lektüre lohnt sich trotzdem.

Popliteratur muss sich schon lange nicht mehr um Pop im eigentlichen Sinn des Wortes drehen, sie braucht keine Kapitel benannt nach Oasis-Songs wie in Benjamin von Stuckrad-Barres „Soloalbum“, das Ende der 90er- Jahre für einen Trend stand. So heiter Maslowska auch schreibt, zwischen ihren Zeilen steckt keine Musik, die Hoffnung bietet, dass es irgendwann vielleicht vorbei geht mit diesem irren Konsum aller Figuren in diesem Roman. Die Figuren in „Liebling, ich habe die Katzen getötet“ scheinen sich der eigenen Situation nicht bewusst zu sein. Das wäre nämlich der erste Schritt hin zu einer Besserung. Ihre Probleme spielen sich innerhalb des Systems ab, so werden sie begriffen, der Rahmen aber wird nicht infrage gestellt.

Popliteratur im Netflix-Zeitalter

Dorota Maslowska erlebte 2002, noch nicht zwanzigjährig, in ihrer Heimat ihren Durchbruch mit einer rasanten Geschichte, „Schneeweiß und Russenrot“, erzählt ohne Punkt und Komma. Es waren andere Zeiten Anfang der Nuller Jahre. In ihrem neuen Roman transportiert sie die Popliteratur nun ins Netflix-Zeitalter. Wie es der Internet-Streaming-Dienst mit Serien wie „House of Cards“ oder „Narcos“ getan hat, orientiert sich Maslowska an grenzübergreifenden kulturellen Gemeinsamkeiten, sie geht nicht zu sehr in die Tiefe, die Referenzen sind nicht zu gewagt. In Netflix’ „Narcos“ sollen ja auch Mitteleuropäer verstehen, was Pablo Escobar in Kolumbien treibt.

In einer amerikanischen, durchglobalisierten Stadt, die gut New York sein könnte, verbringt Farah ihre Zeit mit Joanne, bis diese einen Mann kennenlernt und die Frauenfreundschaft sich zerläuft. Ein schwerer Schlag vor allem für Farah, denn bei Frauen neige sogar die Psychologie zum Schwesternbund, so die Erzählerin. Farah kämpft sich durch die Stadt, versucht, ihren Alltag zu meistern – sie scheitert im Kleinen, an Facebook-Profilen und oberflächlich köchelnden Unterhaltungen.

„Liebling, ich habe die Katzen getötet“ ist mehr als Kapitalismuskritik, Dorota Maslowska übt unterschwellig Kritik an der liberalen Moderne, die gerade in Krisenzeiten mit ihrem Individualismus und in dessen Folge alle sozialen und kulturellen Poren durchdringenden Konsum, keine Orientierung gibt. Maslowskas Sprache ist dabei poetisch, aber nicht poetisch überhöht, kühl genug, um dem Leser bei all den bunten Szenen und dem bisweilen auftauchenden Slapstick ein unwohles Gefühl zu geben. Ein kleines, böses Glanzstück.


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