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Popförderung: Schöner Feiern mit Steuergeldern

Deutschlands größtes Clubfestival mit begleitender Branchenkonferenz: das Reeperbahnfestival in Hamburg.

Deutschlands größtes Clubfestival mit begleitender Branchenkonferenz: das Reeperbahnfestival in Hamburg.

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dpa

Das durchschnittliche Jahreseinkommen von selbstständigen Musikern beträgt laut Künstlersozialkasse hierzulande 12.326 Euro, wenig mehr als der Hartz-IV-Satz. Darum wäre eine strukturelle Förderung der Popkultur wichtig, etwa durch das Ermöglichen von bezahlbaren Mieten, durch Mindestgagen und die Förderung von Spielstätten.

Der Betrag, ab dem eine bundesweite Spielstättenförderung, wie sie Frankreichs Kulturminister Jacques Lang in den Achtzigerjahren erfunden hat, sinnvoll würde, dürfte bei etwa 100 Millionen Euro liegen – man könnte der kulturellen Bildung und der Popkultur damit aber sehr nützen. Insofern ist die Spielstättenförderung auch eine Forderung, die seit Jahren an die staatliche Initiative Musik herangetragen wird.

Kurzzeitig sah es aus, als hätten die staatlichen Popförderer von der Initiative endlich etwas verstanden. Von Kulturstaatsminister Neumann haben sie 1 Million Euro für einen „Spielstättenprogrammpreis“ erhalten, der Ende September beim Hamburger Reeperbahnfestival verliehen wurde. 55 Clubs und Konzertveranstalter bekamen in drei Kategorien 30.000, 15.000 oder 5000 Euro, insgesamt wurde eine Summe von 870.000 Euro verteilt.

Was die Frage aufwirft, was mit den restlichen 130.000 Euro passiert ist, immerhin 13 Prozent der gesamten Fördersumme. Nun, von einem guten Teil dieser 130.000 Euro wurden nicht etwa Clubs und Veranstalter gefördert, wie es der Bundestag beschlossen hatte – nein, davon hat man sich beim Reeperbahnfestival eine fette Sause gegönnt. „In die Veranstaltung zur Verleihung des Spielstättenprogrammpreises sind netto 68.000 Euro geflossen“, teilt die Initiative Musik verschämt mit; weitere 20.000 Euro kostete demnach die Anreise der Preisträger, 36.000 Euro gingen für die „Planung, organisatorische und technische Umsetzung der Förderung“ drauf.

Nun fragt man sich natürlich, warum die Initiative Musik, die ja durchaus über Personal und Struktur verfügt, aus einem Topf, der zur Spielstättenförderung gedacht ist, sich auch noch selber bedienen muss. Vor allem aber wüsste man gerne, was das für eine opulente Party auf Hamburgs Rotlichtmeile war, auf der sich die deutschen Musik- und Kulturfunktionäre von Gorny bis Neumann am 25.9. vergnügt haben.

Während der Berliner Magnet Club 30.000 oder „Jazz im Kulturraum Kleinmachnow“ 5000 Euro aus den Fördermitteln erhielten, kostete der Event zur Verleihung ein Vielfaches. Ob der Bundestag sich die Popkulturförderung so gedacht hatte, als er parteiübergreifend 1 Million zur Verfügung stellte?

Berthold Seliger ist Tourneeveranstalter in Berlin.