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Religion: Ist der Islam undemokratisch?

Gruppengebet zum Abschluss des Ramadan in Pakistan.

Gruppengebet zum Abschluss des Ramadan in Pakistan.

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AP/dpa

Dass auf den Wachtürmen der Demokratie auch die Dummheit ihren Posten bezogen hat, gehört nicht zu den überraschenden Nachrichten. Verblüffen mag allerdings den unbescholtenen Informationsendverbraucher, in welchen Gewändern die dumm machende, nämlich das Denken und die Genauigkeit unterlaufende Informationsweitergabe zuweilen auftritt. Dummheit ist ja kein Mangel an Wissen (dem ließe sich abhelfen), sondern der Unwille, zuweilen auch die Unfähigkeit, die Welt anders als in klappernd dualistischen Begriffen zu betrachten. Ein schönes Beispiel hierfür lieferte jetzt die Katholische Nachrichtenagentur, kurz KNA. Sie ließ am Donnerstag mitteilen, dass das Christentum nach Ansicht der Bonner Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher mehr Gemeinsamkeiten mit demokratischen Prinzipien habe als der Islam. Im Christentum gebe es die Grundannahme, dass der Mensch fehlbar und seine Macht einzuschränken sei. Das gehe mit der Demokratie einher, bei der es die Möglichkeit zu Abwahl aller demokratisch gewählten Volksvertreter und Kontrollgremien wie Parlamente gebe. Hingegen seien klassische islamische Scharia-Normen schwieriger mit Demokratie vereinbar. Zu diesen Ergebnissen komme die Wissenschaftlerin in ihrer neuen Publikation „Islam und Demokratie – Ein Gegensatz?“

Nun fügt sich diese Publikation, ein im März beim SCM Hänssler Verlag erschienenes Heftlein, bestens in die sonstigen Publikationen Schirrmachers. Vielfach hat sie, die auch als wissenschaftliche Leiterin des Instituts für Islamfragen der Deutschen Evangelischen Allianz fungiert, also christliche Interessen vertritt, nachzuweisen versucht, dass traditionell ausgelegte islamische Rechtssystem mit den Freiheitsrechten der UN-Charta schwer zusammengingen, während in der Bibel Gleichberechtigung ein wichtiges Prinzip sei.

So kann nur reden, wer seine Wissenschaft interessengeleitet versieht, was zwingend erfordert, den derzeitigen Wissens- und Forschungsstand zu halbieren. Es heißt, zum Beispiel, die Forschungen von Thomas Bauer zur Ambiguität der islamischen Kultur, von Angelika Neuwirth zur Historizität des Koran, von Mouhanad Khorchide zur Rolle der Barmherzigkeit im Islam oder Klaus von Stoschs fruchtbare Bemühungen um eine dialogische islamische Theologie zur Seite zu räumen.

Dies mag man noch als wissenschaftsbetriebliche Kuriosität nehmen, aber eine Agentur, die daraus eine Meldung bastelt, macht sich zum Anwalt der Dummheit: Sie will sich bestätigen, was sie schon immer gern geglaubt hat.