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Salzburger Festspiele: Salzburg — Das glanzvollste Fest sucht sein Profil

Salzburger Leitung: Bechtolf und Rabl-Stadler

Salzburger Leitung: Bechtolf und Rabl-Stadler

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dpa

Salzburg -

Sind die diesjährigen Salzburger Festspiele gut oder schlecht? Darauf eine seriöse Antwort zu geben, ist es definitiv zu früh – die Veranstaltung hat ja gerade erst begonnen. Im Bereich Oper gelang mit Rihms „Eroberung von Mexico“ der Start nach allgemeiner Einschätzung jedenfalls mehr als zufriedenstellend. Freilich: Selbst wenn sich der positive Eindruck in den kommenden Wochen verstetigen sollte, lassen sich skeptisch-kritische Fragen an das weltweit illustreste Musikfestival nicht unterdrücken. Und die Hauptfrage lautet schlicht und einfach: Wohin steuern die Salzburger Festspiele?

Das aktuelle Programm gibt dazu keine Auskunft. Die Rihm-Oper gleich zu Beginn in der Inszenierung des Bürgerschrecks Peter Konwitschny zeigte einigen Wagemut, der sich freilich mitnichten fortschreibt. Mit „Figaro“ und „Fidelio“ ist man auf der arg sicheren Seite, vor allem aber fehlt ein Konzept, das zwischen Tradition und Moderne schlüssig vermittelte. Auch das diesjährige Motto „Herrschen und Dienen, Macht und Ohnmacht, Unterdrückung und Aufbegehren“ vermag in seiner weitmanteligen Beliebigkeit diese Lücke nicht zu schließen. Gibt es etwa eine Oper, ein Schauspiel von Rang, das sich nicht irgendwie um diese Themen dreht?

Auch programmatische Mängel

Rein quantitativ fällt die Magerkeit der Agenda auf: Es gibt nur drei Opern-Neuproduktionen, dafür viele Wiederaufnahmen und konzertante Aufführungen, und besonders desillusionierend ist der Blick aufs Schauspiel: Auch hier gibt es neben dem „Jedermann“ nur drei echte Premieren – inklusive der „Dreigroschenoper“, die in der Original- und in einer Salzburger Neufassung gespielt wird. Gegenüber dem fast unheimlichen Expansionskurs des vormaligen Intendanten Alexander Pereira scheint man sich jetzt eine Schrumpfkur verordnet zu haben.

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln? Leider beschränkt sich der Schlingerkurs nicht auf die Quantitäten, wie ein Blick auf die Intendantenwechsel der vergangenen Jahre und ihre Umstände lehrt. Sowohl Jürgen Flimm als auch Pereira verließen ihren Salzburger Arbeitsplatz jeweils vor Ablauf ihrer Verträge im Unfrieden, in persönlichen Zerwürfnissen, im Streit mit dem Kuratorium über Budgetierung und programmatische Ausrichtung.

Dieser Tatsache ist die aktuelle Interimssituation geschuldet: Weil der Nachfolger des vorzeitig abgegangenen Pereira, Markus Hinterhäuser, erst 2017 zur Verfügung steht, hat für die Jahre 2015 und 2016 Schauspielchef Sven Eric Bechtolf im Tandem mit der Präsidentin Helga Rabl-Stadler die Leitung übernommen. Im Unterschied zu Pereira ist Bechtolf kein Genie der Akquise – womit der Grund für das abgespeckte Programm genannt ist: Trotz gestiegenen öffentlichen Zuschusses sank das Budget aufgrund von reduziertem Sponsoren-Engagement von 64,7 auf 59, 6 Millionen Euro.

Forcierte Unaufgeregtheit

Um die von ihm geschulterte Aufgabe im Niemandsland zwischen einem „Nicht mehr“ und „Noch nicht“ ist Bechtolf freilich auch so oder so nicht zu beneiden. Klar, dass es ihm als Einspringer für zwei Jahre schwerfällt, eine eigene Handschrift zu entwickeln und einzubringen. Er setzt auf Kontinuität, bringt als Regisseur mit dem „Figaro“ seinen eigenen Salzburger da Ponte/Mozart-Zyklus zum Abschluss, lässt an der Salzach bekannte Figuren wie Claus Guth und Franz Welser-Möst wieder mit dabei sein, und auch Anna Netrebko darf nicht fehlen.

Aber die forcierte Unaufgeregtheit kann eben nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Salzburger Festspiele, nicht zuletzt bedingt durch die gegensätzlichen Impulse der jeweiligen Leitungen und das kontraproduktive Tauziehen zwischen den zuständigen Entscheidungsgremien über Jahre hinweg, Profilprobleme haben. Bechtolf wird sie kaum lösen können. Hinterhäuser etwa?