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Soziale Netzwerke entscheiden über Kino-Erfolge: Der Twitter-Effekt

Twitter wird für den Erfolg von Kinofilmen immer wichtiger.

Twitter wird für den Erfolg von Kinofilmen immer wichtiger.

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imago

Die Filmbranche und das Internet, da war doch was?
Illegales Herunterladen von Filmen verursacht jedes Jahr hohe Schäden und Video-on-Demand-Seiten, wie das im Juni 2011 aus dem Netz genommene kino.to, setzen der Branche durch kostenlos gestreamte Filme zu. Doch die Beziehung könnte sich nun laut einer Studie der Uni Münster radikal ändern. Der Grund dafür sind die sozialen Netzwerke, die als kostenloses Marketinginstrument Filmproduzenten neue Möglichkeiten bieten.

Der Münsteraner BWL-Professor Thorsten Hennig-Thurau kommt zusammen mit Caroline Wiertz von der Cass Business School und Fabian Feldhaus von der Uni Münster zu dem Schluss, dass Nachrichten auf Twitter, Facebook und Co. zunehmend über den kommerziellen Erfolg eines Filmes entscheiden.

Im Smartphone-Zeitalter teilen Kinobesucher ihren Freunden demnach oft noch während der Vorstellung mit, was sie von einem neuerschienen Film halten. Diese virtuelle Mund-zu-Mund-Propaganda verbreitet sich rasend schnell, lockt neue Zuschauer ins Kino oder schreckt sie ab.

105 Kinofilme und vier Millionen Tweets

Die klassische Formel für den Kinoerfolg wird dadurch immer unwichtiger: Hoher Werbeaufwand, großes mediales Echo und viele Zuschauer am ersten Wochenende, garantieren den Kinomachern nicht mehr zwangsläufig Erfolg.

Für ihre Studie untersuchten die drei Wissenschaftler zwischen Oktober 2009 und Oktober 2010 über hundert Kinofilme in den USA und werteten etwa vier Millionen Tweets aus, die zu den Filmen während des jeweiligen Startwochenendes gesendet wurden. Das Ergebnis: Je besser ein Urteil innerhalb der ersten 24 Stunden auf Twitter ausfiel, desto mehr Menschen besuchten in den folgenden Tagen den Film.

Laut „Handelsblatt“ war „How to train your Dragon“ ein gutes Beispiel für den „Twitter-Effekt“: Der Film lief an einem Freitag an und spielte am ersten Wochenende zwölf Millionen Dollar ein – in diesem Fall ein eher mäßiges Ergebnis. Vor einigen Jahren noch hätte dieser Film an den Kinokassen wahrscheinlich gefloppt, dank euphorischer Tweets auf Twitter konnte „How to train your Dragon“ am Folgewochenende jedoch 31 Millionen Dollar einspielen.

Einen wahren Absturz durch Twitter erlebte dagegen der Film „Nightmare on Elmstreet“. Am ersten Tag spielte er 15 Millionen Dollar ein und wurde dann aber von den Zuschauern kritisch bewertet. In der Folge „sind die Ticketerlöse regelrecht abgestürzt“, sagte Hennig-Thurau dem „Handelsblatt“. Während der nächsten zwei Tage seien so nur noch 17 Millionen Dollar zusammengekommen.

Zwar bezieht sich die Studie nur auf den nordamerikanischen Markt, doch Henning-Thurau schätzt die Folgen für deutsche Kinos ähnlich ein. In Deutschland sei Twitter noch nicht so weit verbreitet wie in den USA, aber Facebook könnte eine ähnliche Rolle in der Bewertung von Filmen einnehmen.

Die komplette Studie finden Sie hier.