21.02.2012

Speech Debelle im Interview: "Ich wollte nie, dass meine Musik elektronisch klingt"

Von Jens Balzer
Speech Debelle.
Speech Debelle.
Foto: screenshot

Die Londoner Rapperin Speech Debelle mischt Hip Hop mit Jazz. Im Gespräch redet sie über Rassismus, Ausschreitungen in London und das aktuelle Album „Freedom of Speech“.

Die Londoner Rapperin Corynne Elliot alias Speech Debelle mischt Hip Hop mit Jazz-Arrangements. Auf ihrem Debütalbum „Speech Therapy“ waren vor drei Jahren nicht nur Kontrabass, Trompete und Gitarren zu hören, sondern auch das schönste Oboensolo der jüngeren Popgeschichte.

In „Daddy’s Little Girl“ redet sie mit sich selbst die widerstreitenden Gefühle zu ihrem abwesenden Vater. Auf dem neuen Album „Freedom of Speech“ weitet sie den Blick auf die ganze Gesellschaft.

Was kommt bei Ihnen zuerst, die Musik oder das Wort?

Das Wort! Am Anfang steht bei mir immer das Wort! Ich hab Worte geliebt, seit ich sprechen kann; als ich neun war, hab ich angefangen, Gedichte zu schreiben. HipHop hab ich erst später kennen gelernt, und für mich hieß das auch erstmal nichts anderes als: eine Kombination aus Musik und Dichtung.

Ihre Musik hat sehr Jazz-hafte Aspekte. Hören Sie viel Jazz?

Überhaupt nicht. Und ich improvisiere auch nichts, die Songs von der ersten Platte hab ich zum Beispiel komplett am Computer vorproduziert. Die Streicher waren Midi-Streicher, die Drums kamen vom Keyboard.

Davon hört man auf der fertigen Platte nichts mehr – gerade darin unterscheidet sie sich vom Rest des britischen HipHop und Grime, weil sie auf Samples, Loops und sonstige digitale Mittel verzichtet.

Das stimmt, ich wollte nie, dass meine Musik elektronisch klingt. Als ich den Plattenvertrag hatte, hab ich mir sofort Studiomusiker gemietet und alles neu eingespielt.

Von den britischen „Black Music“-Sendern fühlen Sie sich seither boykottiert, weil Ihre Musik nicht „schwarz“ genug ist. Wieso nicht?

Wissen Sie: Alle schwarzen Radiostationen werden von weißen Leuten geführt – sie bestimmen, was „schwarz“ heißt. Das kann man auch nur als weißer Mensch; als schwarzer Mensch definiert man sich nicht als schwarz, sondern als Mensch.

Wenn ich nach Jamaika fahre – meine Familie hat jamaikanische Wurzeln –, würde da niemand auf den Gedanken kommen, mich als schwarz zu betrachten. Schwarz-sein ist ebenso eine Erfindung von Weißen wie „schwarze Musik“. Und die Weißen in der Musikindustrie haben schwarze Musik nun mal im Sinne dieses digital geprägten „Urban Style“ definiert. Damit habe ich nichts zu tun.

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