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Künstliche Aufregung um Nibelungen-Oper in Berlin

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Die Berliner Staatsoper

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imago/STPP

Zunächst entspricht das nicht den Regeln: Wenn zwei Berliner Opernhäuser dasselbe Repertoire-Werk neu produzieren wollen, sollen laut Beschluss der Opernstiftung zwei Jahre zwischen den Premieren liegen. Nun aber wollen sowohl die Deutsche Oper als auch die Staatsoper gleichzeitig um 2020 herum Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ neu inszenieren.

Die Deutsche Oper hat ihre Pläne früher angekündigt als die Staatsoper. Bei der Deutschen Oper geht es darum, die legendäre Götz Friedrich-Inszenierung von 1984/85 zu ersetzen; in ihr wackeln schon die Kulissen, und Dietmar Schwarz, Intendant des Hauses, hat gesagt, dass er sie nicht nachbauen lassen will. Der „Ring“ der Staatsoper hingegen ist noch gar nicht so alt, von 2011/13.

Staatsopern-„Ring” ist Schrott

Betrachtet man die Sache von der künstlerischen Seite, sieht sie schon anders aus: Der Staatsopern-„Ring“ in der Inszenierung von Guy Cassiers ist Schrott, der dringend ersetzt werden muss; der von Götz Friedrich war ein internationales Ereignis – allerdings vor 30 Jahren, seitdem hat sich in der Wagner-Regie viel getan. Eine neue Produktion von Stefan Herheim, wie sie die Deutsche Oper ankündigt, macht wiederum neugieriger als eine von Dmitri Tcherniakov, den die Staatsoper berufen hat und der dort schon den „Parsifal“ versemmelt hat.

Erwägen wir nun noch die menschliche Eitelkeit: Barenboim ist kein junger Hüpfer mehr; wenn er an seinem Haus noch mal eine neue Produktion von Wagners Vierteiler dirigieren will, dann muss er das  langsam in die Wege leiten. Und Dietmar Schwarz, dessen Vertrag gerade bis 2022 verlängert wurde, will seinem Haus vielleicht auch noch was Gewichtiges hinterlassen.

Steht Wagner auf dem Spielplan, ist das Haus voll

Darüber kann man sich nun künstlich aufregen, und das geschieht auch. Da wird von den hohen Kosten gesprochen und von den vielen Schließtagen, die eine große Wagner-Oper bei der Einstudierung verlangt und an denen das Haus keine Einnahmen hat, und von der Fantasielosigkeit des permanenten Wagner-Inszenierens. Aber diese Argumente beißen sich in den Schwanz: An Berliner Opernhäusern war mit der Alternative, mit exotischen Opern, noch nie Publikum zu gewinnen. Das aber ist sicher: Steht Wagner auf dem Spielplan und gar in neuer Inszenierung, ist das Haus, egal welches, voll.

Dagegen kann am Ende auch die Opernstiftung wenig haben. Das wäre doch  auszuprobieren, ob die gleichzeitige Produktion von Opern nicht etwas provoziert, was man sonst immer für segensreich hält: Wettbewerb.