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Topographie des Terrors in Berlin : Ausstellung zeigt Hitlers „Choreographie des Untergangs“

Das Gelände der Topographie des Terrors.

Das Gelände der Topographie des Terrors.

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dpa

An Heiligabend vor 70 Jahren fehlten in vielen deutschen Familien die Väter und Söhne unterm Tannenbaum. Es war die letzte Kriegsweihnacht. Ein Propagandafoto von 1944 zeigt einen Soldaten mit Panzerfaust im Arm und Feldpostbrief in der Hand. Das Bild ist eines der Ausstellungsstücke, die ab Dienstag (9.12.) in der Berliner Topographie des Terrors unter dem Titel „Deutschland 1945 - Die letzten Kriegsmonate“ zu sehen sind.

„Wir kapitulieren nicht, niemals. Wir können untergehen. Aber wir werden eine Welt mitnehmen“, sagte Adolf Hitler 1945. Die Ausstellung will die „Choreographie des Untergangs“, die auf diese Worte folgte, nachzeichnen und ein „umfassendes Bild vom Wahnsinn der Zeit“ geben.

Schon Hitlers Zitat zeige, wie egal ihm sein Volk gewesen sei, sagte die Kuratorin, Claudia Steur, am Montag. In die Tat umgesetzt habe er seine Worte vor allem mit Terror gegen die eigene Bevölkerung. „Wer plündert, ist unverzüglich zu erschießen“, zitiert die Ausstellung etwa SS-Reichsführer Heinrich Himmler (April 1945). Daneben hängt das Foto eines Toten, der auf einer Wiese mitten in der Stadt liegt. An seinem Kopf steht ein Schild mit der Aufschrift „Er wurde standgerichtlich erschossen“ - wegen angeblicher Plünderung.

Breslau wurde zu zwei Dritteln zerstört

Nicht jeder folgte dem Durchhaltebefehl des Führers. Den Menschen blieben Handlungsalternativen, wie die Ausstellung zeigt: Während der Kommandant von Breslau seine Stadt im Häuserkampf verteidigen ließ, ergab sich Greifswald kampflos. Breslau wurde zu zwei Dritteln zerstört, Greifswald blieb nahezu unversehrt.

Der Blick auf die letzten Monate solle auch zeigen, dass der Krieg nicht schlagartig zu Ende war, sagte Kuratorin Steur. Sogar die Kapitulation zog sich hin: Dem Kriegsende in Europa am 8. Mai gingen die Kapitulationen von Berlin (2. Mai) und Norddeutschland (4. Mai) sowie die erste Unterzeichnung der Kapitulation der deutschen Streitkräfte in Reims (7. Mai) voraus. Am Ende war ganz Europa ein Schutthaufen, stellte Stiftungs-Direktor Andreas Nachama fest.
An Aktualität gewinnt die Ausstellung durch die Ukraine-Krise: „Die Möglichkeit, dass Krieg zurück nach Europa kehrt, ist nicht so weit entfernt“, sagte Rolf-Dieter Müller, einer der wissenschaftlichen Berater der Kuratorin. (dpa)