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Weihnachten: Tiere sind keine Geschenke

Oft landen verschenkte Tiere dann hier: im Tierheim.

Oft landen verschenkte Tiere dann hier: im Tierheim.

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imago stock&people

Berlin -

Eine Freundin von mir fährt Altglas wegbringen und sagt so nebenher: „Mal sehen, man weiß nie, was man findet.“ Früher hat sie im Tierheim gearbeitet. Ich verstehe den Zusammenhang zuerst nicht. „Na, die Leute setzen Tiere doch gern bei Glas- und Papiercontainern aus. Wir hatten schon alles: Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Mäuse, in Kartons, Käfigen oder Katzenkörbchen. Man sieht das ja immer nicht gleich, die Leute schmeißen ganze Kartons mit Altpapier drin weg. In zehn Kartons ist Altpapier, in einem ist dann ein Meerschweinchen drin. Manchmal werden die mitverschrottet, manchmal fressen die sich durch, in die Freiheit, oder der Karton regnet weg. Jetzt guck ich immer nach: in jedem Karton, jedem großen Pott, jedem Eimer, der da steht.“ Im Eimer?

„Einmal hatten wir eine Schildkröte, die war in einem Eimer. Der Deckel war drauf. Jemand hat sie beim Altglas gefunden und bei der Polizei angerufen. Die war zum Glück recht aktiv, das war eine Weichschildkröte, die hat Krawall gemacht, die wollte da raus, das hat jemand gehört.“ Jetzt ist immerhin Advent, Weihnachten gibt es Geschenke… „Die Leute bilden sich ein, das ist ein ausgefallenes Geschenk, was Exklusives. Aber die Tiere kosten nur ein paar Euro. Oft werden sie klein verschenkt, dann werden sie erwachsen und langweilig. “ Tiere sind keine Waren. Tiere sind keine Geschenke!

„Vor dem Tierheim standen morgens oft Tiere unter der Laterne, Hunde und Katzen und so. Meistens werden die ohne Essen ausgesetzt, aber manchmal, wenn wir nachts Kontrolle gegangen sind, haben wir nur noch einen Napf und Wasser gefunden und eine Leine, aber der Hund hatte sich schon losgerissen. Oder einfach einen Napf mit Katzenfutter, und die Leute glaubten wohl, die Katze wartet da, bis am nächsten Morgen jemand kommt.“ Die Katze war längst weggelaufen. Anders als jenes Kaninchen.

„Ich hab mal eins vom Wanderparkplatz geholt, mitten im Wald, die nächste Siedlung war kilometerweit weg. Und das Kaninchen saß da ganz allein. Am ersten Tag haben wir es nicht gekriegt, am zweiten hat es sich einfangen lassen. Kaninchen sind relativ strandorttreu.“ Während wir telefonieren, schickt sie mir per Mail ein paar Fotos: „Einmal Meerschweinchen im typischen Supermarkt-Bananenkarton. Einen Skorpion im Koffer hatten wir natürlich auch schon. Und dann einen jungen Mann, der hysterisch um Hilfe rief: Seine Ex hatte ihm eine Schlange durch den Briefkasten in die Wohnung geworfen. Ich hab die komplette Wohnung demontiert. Die Schlange wurde nicht gefunden − und der Typ hat nie wieder seine Bude betreten.“

Tiere sind keine Briefschlitzbomben! „Vielleicht finde ich noch die Fotos, wo wir aus einer 20 Meter hohen Tanne einen Leguan geangelt haben. Anrufe mit „Hier sitzt eine Smaragdeidechse auf meiner Terrasse“ sind auch nett. Habe mich gleich gewundert: Smaragdeidechse? Gibt’s hier nicht. Also fahr ich los, wieder ein Leguan.“ Einmal holte sie einen Waran aus dem Freibad, der seinem Herrchen entwischt war. Exotische Tiere sind keine Accessoires, keine Deko!

Aber auch einheimische „Nutztiere“ werden verschenkt: Mich fragte einmal eine Frau, ob ich ein weiteres Huhn nehmen könne. Freunde hatten es ihrer Tochter zum Einzug in die neue Wohnung geschenkt. Als Eierlieferantin. In einer Stadtwohnung! Neulich wurde ein Platz für ein Schaf gesucht, das als Lamm jemandem zum Abitur geschenkt wurde. Es wurde mit der Flasche aufgezogen und sehr zahm. Mit anderen Schafen freundete es sich nie an. Eigentlich wollte es bei Menschen leben, aber irgendwann war es für die Wohnung zu groß.

Recht beliebt sind auch Ferkel als Glücksbringer zur Hochzeit. Oder zum Firmenjubiläum. Jan Gerdes von Hof Butenland erinnert sich an ein dickes blindes Schwein. „Rudi war einem Autohaus zum 25. geschenkt worden, da war er noch niedlich und hatte eine rosa Schleife um. Sie bauten ihm einen Verschlag, kauften Mastfutter– er wurde so fett, dass sich die Fettwulste über die Augen legten. Als wir ihn bekamen, war er schon blind.“ Tiere gehören nicht auf den Gabentisch.



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