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Wettbewerb: Museum der Moderne hätte interessanter werden können

Kulturforum wettbewerb

Entwurf von Maciej Miobedzki aus Warschau. Der polnische Architekt  kann  sich das Kulturforum als Ort architektonischer Großskulpturen vorstellen.

Foto:

BLZ/Paulus Ponizak

Berlin -

Seit Wochen streitet die Architektenrepublik über den Ideenwettbewerb, der für das geplante Museum der Moderne in Berlin stattfand. Von der Grundstückswahl über das  Juryverfahren bis hin zum   Siegerentwurf – kaum ein Aspekt blieb bisher ohne Kritik. Vor allem aber wird gestritten: Soll man sich hier den bestehenden Bauten unterwerfen – oder eine eigenständige, neue Geste wagen?

Entstehen soll das Museum der Moderne an der Potsdamer Straße zwischen dem kühlen Kunsttempel der Neuen Nationalgalerie von Mies van der Rohe, Hans Scharouns Philharmonie und seiner Neuen Staatsbibliothek. Alles Architekturikonen. Die Jury des Wettbewerbs war offenbar der Meinung, dass eine weitere Ikone hier nur schaden könne. Sie hat in ihre Auswahl von zehn Preisträgern zwar immerhin ein schlankes Türmchen aufgenommen, auch einen Entwurf, der mit Pavillons, Gartenhöfen und Tiefparterres die Idee der offenen Stadtlandschaft aus den 1960er-Jahren weiterführen will. Aber sonst gibt  es lagernde Riegel zu sehen. Es sind manchmal elegante, fast immer kantige, oft praktikable Entwürfe, aber alle ohne   Erregungs- oder gar Starfaktor. Zu sehen sind die Arbeiten  bis 13. März in der Museumshalle am Kulturforum.

Alles sehr berlinisch, könnte man   sagen. Dabei haben Berliner Architekten und Landschaftsplaner  den Wettbewerb weit weniger geprägt als gewöhnlich: 245 Entwürfe kamen aus Deutschland, nur etwa 140 davon aus Berlin. Viele Büros haben über   Grenzen hinweg zusammen gearbeitet. Aus der Europäischen Union wurden etwa 170 Arbeiten eingereicht, immerhin 12 kamen aus der aufstrebenden Architekturmacht China. Das signalisiert die   Aufmerksamkeit für das Projekt. Allerdings fällt auf, dass nur zwölf Arbeiten aus den USA, 15 aus Frankreich und 19 aus Spanien eingereicht wurden – obwohl in diesen Ländern seit den 1990ern ein Kunstmuseums-Bauboom herrscht.
Präsentiert werden die Entwürfe   gemäß den Rundgängen, in denen entschieden wurde, und in den Kabinen dann nach Teilnehmernummern geordnet. Es lohnt sich also die Übersichtspläne zu studieren, um eine spezielle Arbeit zu finden.

Ausweislich des Juryprotokolls haben die Juroren  etwa 18 Stunden Zeit für die  Bewertung der 460 eingereichten Arbeiten gehabt. Pro Entwurf statistisch 2,35 Minuten: Wieder einmal bewundern wir die Fähigkeit heutiger Juroren, blitzschnell Hunderte von Entwürfen zu erfassen, in ein Verhältnis zu den anderen Arbeiten zu stellen und zu bewerten. Viele Projekte müssen im Sekundentakt weggewunken worden sein. Nur so konnten schon in der ersten Bewertungsrunde 327 Arbeiten ausgesiebt werden. In der zweiten Runde wurden dann weitere 198 Arbeiten aussortiert, in der dritten dann nur noch sieben. Übrig blieben die zehn Preisträger. Das kann man als Effizienz bezeichnen.
Wenn nicht so viele interessante, teils sogar radikale Arbeiten auf der Strecke geblieben wären.

Etwa die von Maciej Miobedzki aus Warschau. Er setzt  einen Turm in die Ecke des Kulturforums, aus kargen, asymmetrisch übereinandergestapelten Abschnitten. Eine Skulptur in Rohbeton mit faszinierenden Innenräumen. Solch einen dramatischen Entwurf in die Preisgruppe zu nehmen wäre ein Zeichen gewesen, dass es für das Kulturforum wirklich viele Möglichkeiten gibt. Doch genau das Zeichen wollte die Jury offenkundig nicht setzen.

Sie stoppte spätestens im zweiten Rundgang jede Anlehnung an die offene Stadtlandschaft Hans Scharouns und jeden Entwurf, der kraftvolle Skulpturalität zeigt. Gerade Stadtkante und eckiger Museumsbau war ihr Motto.

Der Blick in den Saal mit den Arbeiten aus dem ersten Rundgang, in dem die Modelle in Zehnerreihen stehen, zeigt, wie viel kreatives Kapital in einem solchen Großwettbewerb verpulvert wird. Manches ist Architekturnippes, etwa die Variation auf den Entwurf von Mies van der Rohe für ein Nationaltheater in Mannheim. Anderes erscheint als Satire auf den modernen Kunstglauben wie die Übernahme des Entwurfs von Friedrich Gilly von 1799 für einen Tempel Friedrich des Großen als Kunstmuseum. Gute Grundrisse übrigens.
Rob Krier, der große alte Mann der europäischen Postmoderne, hat ein knallbuntes Potpourri aus Galerien und Massenbauten vorgeschlagen, Hilmer & Sattler, Architekten der Berliner Neuen Gemäldegalerie, hielten mit ihrem wohnlichen Riegel bis in die zweite Runde durch. Der Münchner Stefan Braunfels, Architekt der bis heute überzeugenden Münchner Pinakothek der Moderne, versuchte die Jury vergeblich mit aufeinandergestapelten Riesensplittern zu überzeugen. Aber Großskulpturen hatten einfach keine Chance, auch nicht die des  US-Amerikaners Rafi Segal, der nach aktueller Mode kantige Schollen gegeneinander schiebt.

Alle wissen jetzt, was diese Jury will. Die Architekten der kommenden Runden werden sich danach richten oder gar nicht erst teilnehmen wollen. Die Jury der kommenden Wettbewerbe für das Museum der Moderne darf also nicht die jetzige sein. Nicht, weil diese ihre Arbeit schlecht gemacht hat – sie hat nach ihren Maßstäben geurteilt, und nur das kann eine Jury. Aber sie ist auch gefangen in ihrer Sehnsucht nach Unterordnung, Einfügung, Vorsicht und Pragmatismus. Wettbewerbe aber sind nur sinnvoll, wenn sie überraschen können.



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