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Wiener Pop-Band Wanda in Berlin: Schmachtsänger mit Schmauchspuren im Herzen

Marco Michael Wanda tritt am Freitag in Berlin auf.

Marco Michael Wanda tritt am Freitag in Berlin auf.

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dpa

Ta-dah! Es lief „A Day in the Life“ von den Beatles, und dazu muss man sich jetzt einen Mann vorstellen, eine Frau, beide eng umschlungen zu sechzehn Pianos auf vier Spuren, doch dann verstummte die Musik mit dem letzten Anschlag – und er kam. Ta-dah! Ein gut getimter Orgasmus war das. „Da bleibe ich mein Leben lang stolz drauf“, hat Marco Michael Wanda einmal erzählt. Wenn es stimmt. Denn es stimmt nicht alles, was nach Legende klingt. Aber Legendenbildung schadet ja auch nicht.

Er heißt ja nicht einmal so. Die Vornamen sind vertauscht, und den Nachnamen hat er sich bei der Wilden Wanda geliehen, Tochter einer Schlangentänzerin, Zuhälterin aus Wien, die ihre Geschäfte bei Bedarf mit einer ausziehbaren Stahlrute verteidigt haben soll. Wanda nennt sich auch seine fünfköpfige Band, die an diesem Freitag in der Schmelinghalle spielen wird, im Vorprogramm von Kraftklub. Ein Abend, an dem man bei der Vorspeise nachschlagen kann, noch ehe der Hauptgang kommt.

Verspielt, versoffen, verloren

Wien ist die Heimat von Wanda. In Berlin aber, wo der Sänger einmal ein paar Songschreibmonate verbracht hat, ist der Hype zu Hause. Im vergangenen Jahr tauchten sie plötzlich auf, und seitdem wollen sie nicht mehr verschwinden aus dem Ohr. Um den Tod geht es in den Songs, sie kommen ja aus der Stadt, wo es sich am schönsten sterben lässt, aber viel mehr geht es um die Liebe. Die gefühlte, die praktizierte, verspielt, versoffen, verloren. „Das einzig Tragische an der Liebe ist“, sagt Wanda, „dass sie ausgelöscht wird durch den Tod, aber bis dahin ist es ziemlich cool.“ Das Debütalbum heißt „Amore“, seine Mutter ist Halbitalienerin, und beim hymnischen Halbschlager „Bologna“ können die sonst so stumpf zu Beats stampfenden Berliner zu Gitarren grölen.

Marco Michael Wanda, 27, hat Sprachkunst an der Akademie für angewandte Kunst studiert. Wiener Nachkriegsdadaismus, Nonsensgedichte, da kommt er her, da will er hin, manchmal reimt er nur, weil es sich reimt, und die vielen Vokale, die singen sich nun mal gut. Auf der Bühne steht er meist in zerrissenen Hosen, mit Hemd, Lederjacke, manchmal trägt er einen Hut, ein Indiana Jones, nur die Peitsche fehlt.

„Ich sauf’ keinen Schnaps, ich sauf’ einen Pistolenlauf“

Es knallt trotzdem. Worte wie Schüsse. „Ich sauf’ keinen Schnaps, ich sauf’ einen Pistolenlauf.“ Peng. „Leidenschaft heißt leiden, und es lässt sich nicht vermeiden, dass die Wunde klafft.“ Schmauchspuren im Herzen. Und immer hängt eine Kippe im Mundwinkel. Der nächste Schnaps kreist auch schon zwischen Bühne und Publikum. Das Lebensgefühl hier: Auf ein Semester mehr oder weniger kommt es nicht an.

Wenn man so will, dann ist das Austropop, Wanda wehren sich nicht gegen Schubladisierung. So wie sie sich nicht dagegen wehren, mit Falco oder The Clash verglichen zu werden. Sie geben ja auch offen zu, bei anderen Versatzstücke zu plündern. Worte, Noten, ganze Intros. Bei den Beatles zum Beispiel. Als Marco Michael Wanda seinen Liebesschmerz für „Amore“ erfand, begleitete ihn immer John Lennon am Klavier. Und dazwischen hat es dann vielleicht auch ta-dah! gemacht.