12.10.2011

Rot-Schwarze Koalition: Unerwartet lockere Verhandlungen

Frank Henkel (CDU, l.) und Klaus Wowereit (SPD) bei einer Veranstaltung fürs Fernsehen. Vor der Weihnachtspause wollen die Verhandlungsführer mit den Gesprächen fertig sein.
Frank Henkel (CDU, l.) und Klaus Wowereit (SPD) bei einer Veranstaltung fürs Fernsehen. Vor der Weihnachtspause wollen die Verhandlungsführer mit den Gesprächen fertig sein.
Foto: dapd
Berlin –  

Vor vier Wochen hätte kaum jemand in Berlin gedacht, dass SPD und CDU locker und fair miteinander umgehen können. Jetzt versprühen ihre Frontmänner Wowereit und Henkel Zuversicht, dass man prima miteinander reden - und dann auch regieren kann.

Sie verstehen sich gut - Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und CDU-Partei- und Fraktionschef Frank Henkel. Das sieht man in der ersten Runde der rot-schwarzen Koalitionsverhandlungen am Mittwoch im Roten Rathaus von Berlin, wo beide gut gelaunt ankommen und nach zweieinhalb Stunden Auskunft geben. Von den zehn Jahren erbitterter Gegnerschaft in Regierung und Opposition ist wenig zu spüren. Locker wird geflachst, die „Chemie“ stimmt. Schon macht das Wort von den Zwillingen die Runde unter den Beobachtern.

Denn - unabgesprochen, wie Wowereit versichert - erscheinen die beiden zu jedem gemeinsamen Termin in jüngster Zeit fast gleich gekleidet. Im TV-Duell vor der Wahl trugen beide dunklen Anzug mit rot-weiß-gestreifter Krawatte. Am Mittwoch wählten beide einen grauen Anzug mit weißem Hemd ohne Krawatte. Den legeren Dresscode hatte der SPD-Regierungschef schon in den Gesprächen mit den Grünen vorgegeben. Der sonst eher korrekt mit Schlips bekleidete Henkel glich sich nun an, nur ein Hemdknopf war mehr geschlossen und der graue Anzug eine Nuance heller als Wowereits.

Auf die Ähnlichkeiten angesprochen, sagte Wowereit flapsig: „Wir arbeiten auch daran, dass er (mit Blick auf Henkel) abnimmt, und ich zunehme, damit wir auch gewichtsmäßig als Zwillinge daherkommen.“ Der stämmige CDU-Politiker nahm es nicht krumm und lachte. Zumal Wowereit gerade erst fünf Kilo abgenommen hat und gar nicht so weit von Henkels Gewicht entfernt ist.

Auf Augenhöhe begegnen sich die beiden fast gleich großen Politiker ohnehin. Die muss Henkel nicht ständig wie der genau vor einer Woche in den Koalitionsgesprächen mit der SPD gescheiterte Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann einfordern.

Keine unüberbrückbaren Meinungsunterschiede

Auffällig ist, dass Wowereit wie Henkel in Sondierungs- wie Koalitionsgesprächen immer wieder die sehr gute und vertrauensvolle Atmosphäre hervorheben. Vielleicht können beide auch deshalb miteinander, weil sie beide gebürtige Berliner sind und sehr an ihrer Stadt hängen. Man wolle Berlin gemeinsam weiterentwickeln, versichern sie. Auch beim Thema strikte Haushaltskonsolidierung passt kein Blatt Papier zwischen Sozial- und Christdemokrat. Vorher redete Henkel gern vom Kaputtsparen durch Rot-Rot.

Der CDU-Chef wird nicht müde, in jede Kamera und jeden Schreibblock zu versichern, dass es keine unüberbrückbaren Meinungsunterschiede gebe. Sicher, sie seien zwei unterschiedliche Parteien mit unterschiedlichen Programmen, sagt Henkel. „Doch wir wollen nicht mit der SPD fusionieren, sondern mit ihr koalieren.“

Die CDU hat im Gegensatz zu den Grünen mit ihrem strikten Nein zur A100 keinen „No-Go-Punkt“ formuliert. Selbst beim neu zu berufenen Polizeipräsidenten, den Wowereit nach seinem Gusto noch vor Abschluss der Koalitionsverhandlungen der CDU aufs Auge drücken will, zeigt diese sich flexibel und heult nicht auf wie die Grünen. Henkel und sein Stellvertreter Thomas Heilmann setzen darauf, solche Differenzen hinter den Kulissen und nicht vor den Mikrofonen zu klären.

Wichtig sei für ihn, was an Inhalten auch mit CDU-Handschrift in der Koalitionsvereinbarung drin stehe, betont Henkel. Die wollen SPD und CDU in vier Wochen abschlussreif bis zum 15. November verhandeln. Ein sehr ambitioniertes Ziel, sagen Wowereit und Henkel anschließend. Doch beim Auftakt hätten sie auch schon weniger Zeit gebraucht als gedacht - das flöße ihnen Optimismus ein. (dpa)

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