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Landflucht: Höhere Kosten durch weniger Menschen

Der demografische Wandel führt einer neuen Studie zufolge zu immer höheren Versorgungskosten in ländlichen Regionen. „Je weniger Menschen in einer Region leben, desto teurer wird die Versorgung“, sagte Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, am Montag bei der Vorstellung der Studie „Vielfalt statt Gleichwertigkeit“.

So lägen schon heute die Pro-Kopf-Ausgaben für Energie, Abwasser, Straßen, Bildung und ärztliche Versorgung im ländlichen Raum höher als in den Städten, heißt es in der mit dem Potsdamer Institute for Advanced Sustainabilty Studies (IASS) verfassten Studie. Nach dem in Deutschland geltenden Prinzip der Gleichwertigkeit, sollte es in allen Regionen des Landes „gleichwertige Lebensverhältnisse“ geben, betonte Klingholz. Das jedoch werde durch die zunehmende Entvölkerung ländlicher Räume immer schwieriger und zu teuer.

Mobile Krankenstationen

Die Studie plädiert deshalb für Vielfalt statt Gleichwertigkeit: „Wir müssen uns vom Anspruch der Gleichwertigkeit verabschieden und alternative Modelle finden“, sagte der Exekutivdirektor des IASS und frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU). Wo nur noch wenige Personen leben und junge Menschen abwandern, lohne es sich nicht, zentralisierte Abwasserentsorgungsanlagen zu betreiben, neue Straßen zu bauen oder den Linienverkehr aufrechtzuerhalten, heißt es in der Studie. Stattdessen sollten flexible Verkehrskonzepte oder Fernschulen, im Extremfall sogar Entsiedlungskonzepte, entwickelt werden.

In Portugal fahren mobile Krankenstationen in Bergregionen, in denen es kaum medizinisches Fachpersonal gibt. 30 000 Menschen würden dort so versorgt. Auch in Deutschland seien mobile Praxen geplant, bisher aber nur in Einzelprojekten wie etwa dem „Doc-Mobil“ in Schleswig-Holstein. Als Hinderungsgrund gelten laut Berlin-Institut die unzureichenden finanziellen Anreize. In den Niederlanden sei zudem Telemedizin seit Jahren in die Regelversorgung integriert. (epd)