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Männer legen weniger Wert auf eine ausgewogene Ernährung als Frauen. Auch das macht sie krank: Karotten knabbern ist uncool

Männer sterben durchschnittlich noch immer sechs Jahre früher als Frauen. Unter anderem auch, weil sie sich schlechter ernähren. Wir sprachen darüber mit Professor Lothar Weißbach, Urologe und Androloge vom ersten bundesdeutschen Männergesundheitszentrum, das vor wenigen Wochen in Berlin eröffnete (www.mgz-berlin.de).Herr Weißbach, warum legen Männer weniger Wert auf gesunde Ernährung als Frauen?Fast alle Männer stehen im Beruf. Da führt die Ernährung unweigerlich in die Großkantine oder in die Pommesbude. Andere Männer warten ab, essen abends und überladen sich so mit Kalorien und Fetten in einer einzigen schweren Mahlzeit. Das alles führt zu einer ziemlich ungesunden Ernährung. Gute Ernährung kostet aber Zeit, die Männer nicht haben oder sich nicht nehmen.Schließen sich männliche Lebensgewohnheiten und gesundes Essen aus?Ja. Selbst, wenn in der Kantine Gemüse angeboten wird, kommt häufig Fleisch auf den Teller. Die meisten Männer haben ein Bedürfnis nach starken Mahlzeiten. Gemüse und Obst symbolisieren aber einen schwachen Mann. Ungesunde Ernährung ist bei Männern übrigens -anders als bei Frauen -relativ unabhängig vom Milieu zu beobachten. Das hat viel mit Identitätsbildern zu tun, an denen die Männer noch feilen müssen.Also, Karotten-Knabbern im Stadion gilt als uncool.Nicht nur dort. Wir haben tatsächlich Gespräche mit Hertha BSC geführt, um für eine gesundheitsbewusste Ernährung unter Fußballfans im Stadion zu werben. Unser Anliegen scheint auf Interesse zu stoßen, aber konkrete Pläne gibt es noch nicht. Das Problem ist, dass wir die Männer kaum erreichen: Da bleibt neben dem Stadion eigentlich nur noch die Tankstelle. Zu unseren Veranstaltungen kommen meist nur Männer, die sich ohnehin schon gesund ernähren. Auch Ärzte haben da ein Problem, weil viele Männer zwischen 18 und 30 Jahren kaum zum Arzt müssen. Da gibt es eine regelrechte Arztpause, in der sie kaum medizinischen Rat einholen und viele Lebensjahre verlieren. Sie lernen nicht, auf ihren Körper zu hören und dessen Warnsignale wahrzunehmen.Kaffee, Nikotin und Alkohol: Warum können Männer so schwer von ungesunden Genussmitteln lassen?Männer suchen ihre Identität in der Kneipe. Obwohl sie viel häufiger an Leberzirrhosen und Herzerkrankungen leiden, können sie schlecht vom Glas Bier am Abend lassen. Beim Rauchen gleichen sich allerdings die Lebensgewohnheiten von Frauen und Männern immer weiter an. Männer rauchen weniger als früher, Frauen dafür mehr. Dennoch ist der Marlboro-Mann in den Köpfen der Männer noch sehr präsent. Erst nach dem ersten Herzinfarkt setzt oft das Umdenken ein.Gibt es unter jungen Männern einen Bewusstseinswechsel?Ich glaube schon. Junge Männer sind nachdenklicher, geradezu weicher, was ihre Ernährung betrifft. Da hat die Vorbildfunktion der Frauen in den vergangenen Jahren viel bewegt.Interview: Dirk Riße------------------------------Foto: Besser ein Cheeseburger mit Salatblatt als gar kein Gemüse.