04.02.2012

Die Frage nach dem Wein: Warum mischt ein Winzer die Trauben?

Von Romana Echensperger
Den gemischten Satz lässt Spitzenwinzer Fritz Wieninger wieder aufleben.
Den gemischten Satz lässt Spitzenwinzer Fritz Wieninger wieder aufleben.
Foto: Max Grönert

Eine einzigartige Aromakomposition entsteht, wenn aus drei Traubensorten Wein gemacht wird. Spitzenwinzer Fritz Wieningers gemischter Satz ist ein Wein mit Struktur, aber ohne Schwere.

Der Wiener Komödiant Hans Moser kommt einem als Erstes in den Sinn. Er besang gern den Wein: "Es wird ein Wein sein und wir werden nimmer sein …". Das typische Wiener Lied, eine Mischung aus Lebensfreude und Vergänglichkeit, mal heiter, mal melancholisch vorgetragen. Wein gehört zu Wien wie Tafelspitz und Sachertorte. Hier stehen mitten in der Stadt Weinberge. Die meist süffigen Zechweine werden vor allem im Stadtteil Grinzing in den unzähligen Heurigen ausgeschenkt. Ein Stück weiter Richtung Stammersdorf erhebt sich der Nussberg, der wohl beste Weingarten der Stadt.

In diesem besonderen Wingert hat Spitzenwinzer Fritz Wieninger Parzellen. Hier lässt er eine fast vergessene Wiener Tradition aufleben: den gemischten Satz. Früher haben die Wiener Winzer stets mehrere Rebsorten nebeneinander in ihre Weingärten gepflanzt und die Trauben dann zusammen geerntet. Das hatte ganz pragmatische Gründe: Wenn die jungen Triebe einer früh austreibenden Rebsorte von Spätfrost dahingerafft wurden und die Aussicht auf Ertrag zunichte machten, dann waren immer noch genug später austreibende Sorten verfügbar, die den Bedarf an Wein decken konnten.

Pfirsichton vom Riesling

Fritz Wieninger lächelt über diesen Pragmatismus, der wohl auch Teil des Wiener Gemüts ist. Für ihn liegt der Reiz dieser Methode darin, die verschiedenen Traubensorten gemeinsam zu ernten und zu Wein zu machen. Dadurch entstehe eine einzigartige Aromakomposition, in der sich die Exotik der hochreifen Sorten mit der Frische und Rasse von später reifenden Trauben wunderbar ergänzten.

Wieningers gemischter Satz ist ein Wein mit Struktur, aber ohne Schwere. Mit ungewöhnlich dicht gewobenem Bukett, bei dem immer wieder typische Aromen einer Rebsorte wie das "Pfefferl" vom Grünen Veltliner, die Litschinote des Traminers oder der Pfirsichton vom Riesling aufblitzen und schnell wieder verschwinden.

Am besten lässt sich dieser Wein mit einer herzhaften Brotzeit in Wieningers Heurigenwirtschaft in Stammersdorf genießen, die noch nicht von zu vielen Touristen überlaufen ist und in der man immer mit Einheimischen ins Gespräch kommt. Während man in der Laube sitzt, Wein und Atmosphäre genießt und den Wiener Geschichten lauscht, kommt einem der nuschelnde Hans Moser wieder in den Sinn: "Ich könnte schwören, dass ich im früheren Leben eine Reblaus gewesen bin und gehaust habe ich in einem Weingarten in Wien."

2011 Wiener Gemischter Satz Fritz Wieninger, Wien 11,50 Euro, www.koelner-weinkeller.de

Heuriger Wieninger Stammersdorfer Straße 78, 1210 Wien, www.heuriger-wieninger.at

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