18.02.2012

Eine Ode an das Königreich: Coole Britishness

Von Sabine Reichel
getty/Stuart Wilson
Britische Heldinnen. Kate Winslet zwischen Helen Mirren (links) und Judi Dench in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett.

Oft werden die Leute von der Insel verlacht. Aber dann haben sie wieder einer Joker unterm Tweedhütchen und spielen ihn mit Understatement aus.

Eigentlich ist die Welt jeden Tag ein bisschen britisch. Die Queen feiert 60 Jahre ihrer glänzenden Königin-Karriere, Charles Dickens wird dieses Jahr 200 Jahre alt, Sängerin Adele räumte gerade bei den Grammys ab, Maggie Thatcher hat ein glorioses Comeback dank Meryl Streep, Twiggy sieht noch mit 62 fantastisch aus, Helen Mirren ist ein Wunder an Talent und Glamour pur, Ewan McGregor, Colin Firth und Gary Oldman, Letztere in dem neuen britischen Agententhriller „Dame, König, As, Spion“ zu sehen, machen sich sehr smart auf den roten Teppichen, auf denen sie öfter wegen perfekter Rollen stehen. Und das ist nur ein kleiner Teil der Britishness, die uns zeigt, was für ein talentiertes, cooles und originelles Volk die Engländer nach wie vor sind. Und wie sehr wir sie lieben – oft sogar, ohne es zu wissen. Denn trotz aller Krisen und Karikaturen ist eben nicht alles Toffee, Tweed und Tea Bisquits, Corgies und Crumpets, Burberrys und Yorkshire Pudding, was man mit typisch englisch verbindet.

Wo kommt der Punk her und Emma Peel? England. Woher die besten Schauspieler, der Minirock, der Mini Cooper, brillante Krimiserien vom BBC, romantische Kostümfilme wie „Ein Zimmer mit Aussicht“ und die neue TV-Sensation „Downtown Abbey“? England. Es gibt wenig, das nicht vom britischen Geist, Stil oder Humor durchzogen ist – alt oder neu – von der Mode (Stella McCartney, Alexander McQueen), bis zu Kunst (Francis Bacon, Damian Hirst), und Literatur (Oscar Wilde, Graham Greene). Und über allem der britische Humor: Charlie Chaplin! Peter Sellers! Die Truppe von Monty Python, Rowan Atkinson, die Serie „Little Britain“, und der pervers komische Sacha Baron Cohen.

Britishness bleibt immer an der Spitze

Und doch werden in jedem Jahrzehnt die Briten und ihre Insel mindestens zweimal komplett ausgemustert und verlacht – „It’s over, ihr steifen, bleichen Teetrinker und Schirmträger – das Empire ist am Ende, knabbert weiter an Toast und Cadbury’s Schoko, nach euch kräht kein Hahn mehr“, heißt es. Und schnell wird ein neues Trendland ausgerufen, so wie Kanada, Litauen oder Kuba. Aber immer haben die Briten irgendeinen Joker unter ihrem Tweedhütchen versteckt und spielen ihn mit Understatement aus, sei es eine filmische Glanzleistung von Tilda Swinton, eine Serie von Weltbestsellern wie J.K. Rowlings „Harry Potter“ oder Amüsement mit Witzbolden wie Ricky Gervais oder dem anarchistischen Graffiti-Genie Banksy. Oder sie kriegen die Olympischen Spiele 2012. Und schon ist Britishness wieder an der Spitze.

Leute jeden Alters scheinen ihre heiß geliebte britische Periode gehabt zu haben – und verweilen gerne bei ihr. Großeltern lieben die Krimis von Agatha Christie und wer „Swinging London“ und die Sixties noch selber kennt oder sie immer noch von den Eltern in glühenden Farben geschildert kriegt, weiß, dass es „der“ Platz der Jugendkultur auf der Welt war.

Alle Mädchen wollen wie Twiggy, Marianne Faithful, Julie Christie, Jane Birkin und Charlotte Rampling aussehen

Die hübschesten Mädchen in Miniröcken, langen Haaren, hohen Stiefeln und breiten Gürteln spazierten durch die King’s Road und die Carnaby Street und wollten alle wie Twiggy, Marianne Faithful, Julie Christie, Jane Birkin und Charlotte Rampling aussehen. Übrigens auch alles Frauen, deren Karrieren immer noch blühen, obwohl sie selber in den Sixties sind.

Überhaupt, die englischen Frauen – eine Freude! Wer denkt, dass Engländerinnen so lambswoolig und handfest wie Emma Thompson aussehen müssen, oder so gediegen und blass wie Vanessa Redgrave, dem treten umgehend solche furchtlosen Exzentrikerinnen entgegen wie die kleine Helena Bonham-Carter in ihren Fantasie-Fummeln oder Vivienne Westwood, die ein für alle Mal die Idee von gefälliger Mode ausgemerzt hat.

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