18.02.2012

Sie werden platziert: Fischers Fritz

Von Markus Lotter
Das Fischers Fritz in der Charlottenstraße 49 ist täglich von 12 bis 14 Uhr und 18.30 bis 20 Uhr geöffnet. Reservierungen sind telefonisch unter (030) 20 33 63 63 möglich.
Das Fischers Fritz in der Charlottenstraße 49 ist täglich von 12 bis 14 Uhr und 18.30 bis 20 Uhr geöffnet. Reservierungen sind telefonisch unter (030) 20 33 63 63 möglich.
Foto: Paulus Ponizak

Christian Lohse ist Küchenchef im Fischers Fritz. Das Interieur seines Restaurants wirkt zwar leblos, dafür verzaubert Sternekoch Lohse seine Gäste mit ungeahnten Geschmacksnuancen.

Ich habe keine guten Erinnerungen an diesen Ort. Schuld daran ist Pelé. Ein in die Jahre gekommener Fußballspieler aus Brasilien, der leider mal für den lässigsten Verein aller Zeiten spielen durfte: Cosmos New York. Der so bekannt wie unsympathisch ist.

Zwei Stunden ließ Pelé einen Kollegen und mich an diesem Ort warten, futterte sich samt seiner Entourage auf Kosten eines deutschen Sportartikelherstellers durch das Menü. Und tat so, als wären wir nicht da, die beiden Reporter am Nachbartisch, und das, obwohl ihn ein Mitarbeiter des Sportartikelherstellers mehrmals auf uns aufmerksam machte.

Als Pelé satt war, stand er auf, marschierte auf den Ausgang zu, drehte sich nicht einmal um, ließ über seine Assistentin nur mitteilen, er habe es sich jetzt trotz schriftlicher Zusage doch anders überlegt und wirklich keine Lust auf ein Interview. Das war vor sieben Jahren, kurz vor der Fußball-WM in Deutschland.

Lebloser Four Seasons Style

An der Einrichtung hat sich im Restaurant Fischers Fritz seither leider nichts geändert. Der vom Regent Hotel übertragene Four Seasons Style wirkt damals wie heute leblos. Alles, ob Mobiliar oder Accessoire ist zwar hübsch und aus feinem Stoff, aber eben nicht schön und stilvoll. Ansonsten ist alles anders. Ich bin mit meiner Begleitung keine Randfigur mit einem Glas Wasser, sondern ein Mittagsgast, der von den zahlreichen, leider etwas übereifrigen Servicekräften umsorgt wird. Und Pelé ist nicht da.

Seit 2004 ist Christian Lohse Küchenchef im Fischers Fritz, seit fünf Jahren verteidigt er seinen zweiten Michelin-Stern. Die einen sagen, er sei der beste Koch Berlins, er habe einen dritten Stern verdient. Die anderen halten hingegen Tim Raue für den Mann der Stunde. Das macht die Sache so spannend. Erst neulich waren wir bei Raue, waren angetan, aber nicht verzaubert.

Fünf Vorspeisen, sechs Hauptspeisen und vier Deserts

Die Servicekräfte kreisen, wir können uns nicht entscheiden, spielen auf Zeit mit offenen Menükarten, mit wiederholtem Griff zum fantastischen Brotkorb und der Frage an den Sommelier, was er uns denn empfehlen könne. Ein Riesling „pur mineral“ von Rudolf Fürst, einem bekannten Winzer aus Franken? Wir nicken.

Drei aus fünf Vorspeisen, sechs Hauptspeisen und vier Desserts, klingt nach einer überschaubaren Auswahl, doch wird die Zusammenstellung des Drei-Gänge-Menüs (45 Euro) zur Qual. Als hätte Lohse spioniert und in Erfahrung gebracht, was uns glücklich macht.

Wir bestellen die Tellersülze von Pieds de Mouton, mit Saubohnen und Radieschen-Crème fraîche sowie das pochierte Onsenei mit gesäuerten grünen Bohnen und Hummerjus, anschließend soll es ein Minute vom St. Patrick Lachs mit knusprigen Ladyfingers und Curryarayn und der gesottene Lammnacken mit karamellisierten Knollensellerieköpfen sein.

Slow Food um keine Geschmacksnuance zu verpassen

Weil alles so unglaublich köstlich ist, nehmen wir das Tempo raus. Slow Food, nicht der Gesundheit wegen, sondern weil wir keine Geschmacksnuance verpassen wollen. Wir tauschen munter Probierlöffelchen über den Tisch, ohne dass die Servicekräfte daran Anstoß nehmen, und fragen uns, wie man einen groben Knollenselleriekopf in einen zarten, noch etwas nach Erde, aber auch etwas süß schmeckenden Würfel verwandelt.

Oder wie viele Arbeitsgänge und Arbeitsstunden wohl in dieser fantastischen Sülze stecken, die so leicht ist, wie eine Sülze nur sein kann und in Kombination mit den Saubohnen das Unmögliche bewirkt. Die Vorspeise ist delikat und deliziös zugleich.

Das Faszinierende an Lohses Küche ist das Kunststück, dem Lebensmittel das Außergewöhnliche zu entlocken, ohne dass dabei das Ursprüngliche verloren geht. So wirkt bei ihm alles bodenständig, obwohl mit aufwendigsten Garmethoden, exquisiten Zutaten und dem Anspruch der Haute Cuisine zu Werke gegangen wird.

Wir sind nicht nur angetan, sondern verzaubert, ordern die geschmorte Ananas in bretonischem Butterkaramell mit gerahmtem Vanilleeis sowie Bread-and-Butter-Pudding mit Rhabarberessenz, Quarksorbet und Thymiankrokant. Desserts, mit denen Lohse unseren Wunsch nach einer Wiederholung noch weiter verstärkt.

Das Fischers Fritz in der Charlottenstraße 49 ist täglich von 12 bis 14 Uhr und 18.30 bis 20 Uhr geöffnet. Reservierungen sind telefonische unter (030) 20 33 63 63 möglich.

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