07.01.2012

Sie werden platziert: Vatos Tacos

Von Sally McGrane
Adresse: Aqua Carré, Lobeckstr. 30–35, Eingang B. Telefon: 0176-34 11 51 07.Öffnungszeiten: Mi–Fr 18–24 Uhr.Kreditkarten: keine.
Adresse: Aqua Carré, Lobeckstr. 30–35, Eingang B. Telefon: 0176-34 11 51 07.Öffnungszeiten: Mi–Fr 18–24 Uhr.Kreditkarten: keine.
Foto: Paulus Ponizak
Berlin –  

Taco-Truck vor dem Club Ritter Butzke in Kreuzberg: Alles ist würzig, frisch und geschmacksintensiv.

Wenn Dinge enden, ist es nie leicht, und es ist immer ein bisschen schwerer für den, der zurückbleibt. Das wurde mir wieder klar, als mir Laurie Isola, Kalifornierin wie ich, Gründerin des Tacos Berlin: Mobile Mexican Kitchen, letzte Woche eine Mail schrieb. Anderthalb Jahre lang hatten sie und ihr Mann die Stadt mit köstlichem mexikanisch-kalifornischen Essen versorgt, an ihrem mobilen Lkw-Verkaufsstand und als Caterer. Jetzt hatten sie beschlossen, ihre Sachen zu packen. Was war schiefgelaufen? Zu wenig Sonne? War Berlin nicht mehr cool? Nein, schrieb Isola zurück. Berlin ist wunderbar. Aber sie wollen jetzt reisen.

Das reichte mir nicht als Antwort. Bei Tacos Berlin hatte ich mich verstanden gefühlt. Zum Beispiel, als Isola und ihr Mann kürzlich im .HBC in Mitte kochten: die Chilisauce mit Schokolade, das geschmorte Schwein dazu, der Salat mit Zitronendressing – alles schmeckte großartig. Und so kalifornisch! Wir hatten wirklich eine Verbindung. „Mein Mann und ich hatten einen Traum“, erklärte mir Laurie Isola. Vor ein paar Jahren trafen sie beim Wandern in der jordanischen Wüste ein paar Deutsche, die ihnen später Berlin zeigten. Das Paar aus Los Angeles war begeistert. Als einer der Deutschen von einem köstlich aussehenden Burrito schwärmte, das Ozzy Osbourne in seiner Reality-Show gegessen hatte, war der Traum geboren. Die Schriftstellerin Isola und ihr Mann, ein Internet-Entwickler, beschlossen, Burritos, Tacos und selbst gemachte Salsa nach Berlin zu bringen, wo diese Dinge, jedenfalls aus kalifornischer Sicht, empfindlich fehlten. Sie kauften einen Laster mit Verkaufsfläche, holten sich die Genehmigungen, bewältigten Avocado-Lieferprobleme und parkten den Taco-Truck an wechselnden Orten zwischen Prenzlauer Berg und Neukölln. Es lief gut. Der Traum war erfüllt, sie brauchten einen neuen. In ein paar Wochen wird der Taco-Truck in Barcelona wieder öffnen.

Tortillas von Jesus

Nachdem ich eine Weile traurig gewesen war, beschloss ich, Berlins anderem fahrbaren Taco-Stand eine Chance zu geben. Musikproduzent Billy Davis, ein Texaner, hat Vatos Tacos im April eröffnet, nach einem Besuch seines Bruders. Der fand Berlin toll, aber wo die Taco-Trucks seien? In Texas gibt es die überall. Davis und ein paar Freunde legten Geld zusammen, um einen Laster zu kaufen. Den parkten sie vor dem Club Ritter Butzke in Kreuzberg, beim Kreativhaus Aqua Carré, wo Davis sein Tonstudio hat.

Es klang vielversprechend, aber die kulturellen Unterschiede machten mir Sorgen. Konnte ein texanisch-mexikanischer Taco die Lücke füllen, die ein kalifornischer Burrito hinterlassen hatte? Ich rief meine Großtante Olive an, selbst Texanerin, um sie zu fragen, worauf es beim Tex-Mex-Essen ankam. „Nun, meine Liebe“, sagte Olive und sprach gleich das Problem an, das alle Liebhaber mexikanischen Essens in Berlin kennen: „Vor allem braucht man richtig gute, frische Tortilla. Ich weiß nicht, ob es das in Deutschland gibt.“ Weil es so aufwendig ist, Tortillas selbst zu machen, bezieht Davis seine von jemandem namens Jesus, der in München lebt. Ein mexikanisch-amerikanischer Berliner will vielleicht bald eine Tortilla-Bäckerei eröffnen, was ein Segen sein könnte für die mexikanischen Restaurants hier. Ich weiß nicht, was Tante Olive zu den Tortillas sagen würde, aber mein Herz schlug schnell für Vatos Tacos, das den Winter über nach drinnen gezogen ist, in das entspannte Restaurant „Kantine“ im zweiten Hinterhof des Aqua Carré. Das Angebot ist einfach und besteht aus Tacos mit Fleisch (zwei Euro, drei Tacos fünf Euro), Quesadillas (Käsetortilla, 2,50 Euro) und Quesadillas mit Fleisch (3 Euro). Alles ist würzig, frisch und geschmacksintensiv. „Ich bin in Texas aufgewachsen, wo man die Hälfte der Zeit mexikanisch isst“, sagt Davis. Als er vor zehn Jahren nach Berlin kam, habe er kein einziges gutes mexikanisches Restaurant gefunden. Er fragte seine mexikanischen Cousinen und Tanten nach Tipps, um selbst zu kochen. Die Rezepte hat er aufgehoben. Die Verwandten können stolz sein: Vor Kurzem veranstaltete Vatos Tacos eine Woche lang Jazzkonzerte. Billy Davis hatte keine Probleme, Musiker zu buchen, obwohl es kein Geld gab – sondern Tacos.

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