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Weinkultur: Wo ist der Chianti am charmantesten?

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Für eine Sommelière kommt das einer Einladung ins Paradies gleich: zwei Monate Praktikum in der Toskana. Vor vier Jahren durfte ich in dieser schönen Weingegend allerlei lernen.

Wie man Reben pflanzt und zurückschneidet. Und dass man nicht einfach „si, si“ sagen soll, wenn man nichts versteht, weil man sonst abends ein Rendezvous mit dem Winzer hat. Aber vor allem habe ich den Sangiovese lieben gelernt. Es ist die meistangebaute Rebsorte Italiens und der Stolz der Toskana. Besonders der Chianti, der aus dieser Sorte gemacht wird, hat mich fasziniert: In jedem Dorf, auf jedem Hügel entwickelt er einen ganz eigenen Geschmack.

Dabei mangelte es dem Chianti ja lange Zeit an Aufmerksamkeit. Die Erzeuger legten den Fokus auf die „Supertoskaner“, sehr kraftvolle und hochpreisige Weine, für die Sangiovese oft mit Cabernet Sauvignon verschnitten wird, um weltläufigen Glanz zu bekommen. Unter dem Namen Chianti wurden die weniger guten Weine abgefüllt, und die charmanten Kanten des Sangiovese waren häufig mit Merlot weichgespült. Erst seit Kurzem ändert sich das wieder, die besten Winzer schärfen das Profil des Chianti als Spitzenwein.

Mit die besten Chiantis kommen für mich aus dem mittelalterlichen Dorf Panzano, südlich von Florenz. Es ist umschlossen von der Conca d’Oro, der „Goldenen Schale“. Diese Lage gleich einem überdimensionalen, nach Süden ausgerichteten Parabolspiegel, der jeden Sonnenstrahl einfängt und für ein ausgezeichnetes Mikroklima sorgt. Nicht umsonst findet man viele berühmte Weingüter hier, zum Beispiel Candialle. Die Besitzer sind die Sauerländerin Josephin Cramer und der Finne Jarkko Peränen. Vor knapp zehn Jahren kam zunächst Josephin, die aus einer Bierbrauerdynastie stammt, auf diese damals verwilderte Scholle Land. Ihren Mann, der als Winzer auf verschiedenen Weingütern arbeitete, hat sie ein Jahr später auf einem toskanischen Weinfest kennengelernt.

Sie produzieren ausdrucksstarken Chianti, mit den Ecken und Kanten des Sangiovese. Denn ein typischer Chianti ist nicht rund geschliffen wie ein Brunello oder hat die erdige Art eines Vino Nobile. Er lebt von einer frischeren Säure, einer saftigen Sauerkirschfrucht, die mit mediterraner Würze verwoben ist, und vor allem von einem zupackenden Tannin. Das kann in der Jugend ziemlich kratzig sein, gibt einem gereiften und ätherischen Spitzen-Chianti aber die delikate Struktur. Echter Chianti ist nämlich ein Grand Cru mit Profil und mit Sicherheit kein weichgespülter seelenloser Massenwein. Dieses deutsch-finnische Duo aus der Toskana macht dem Namen Chianti alle Ehre.

2007 Chianti Classico DOCG, Candialle, 26 Euro. Bezugsquellen über www.candialle.com

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