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Martin Rölke trainiert in Hoppegarten die ersten Nachkommen des erfolgreichsten ostdeutschen Galoppers: Artans Kinder

BERLIN, 18. April. Trainer Martin Rölke, 57, ist nicht gerade das, was man einen introvertierten Menschen nennt. Er liebt die Geselligkeit, plaudert gern und viel, lacht laut. Es gibt aber auch Momente, wo er zum Flüsterer wird. Wo er ganz nah an den anderen heranrückt, diesem etwas ins Ohr raunzt und liebevoll-zärtlich den Hals tätschelt. Und wenn dann ein Schniefen oder gar ein Wiehern zurückkommt, ist er mit sich und seiner Pferdewelt auf der Galopprennbahn Berlin-Hoppegarten zufrieden. In den letzten Tagen suchte Rölke vor allem das Zwiegespräch mit dem siebenjährigen König Shuffel: "Was ist Alter, alles okay? Packen wir s ?" Der dunkelbraune Hengst rückt dann an den Trainer heran, offensichtlich vom besänftigenden und zugleich ermunternden Klang der Stimme angelockt. Rölke fühlt sich verstanden. Und hofft, dass geschehen möge, wofür sie gearbeitet haben: Den Sieg im Sprint-Cup am Ostersonntag zum Hoppegartener Galoppauftakt (erster Start 13.50 Uhr). Rölke ist sich sicher: "Wir haben eine gute Chance."Die Schweden kommen zu DrittAm 30. März erst war König Shuffel bei einem vergleichbaren Rennen in Hannover Zweiter geworden. Als bestes heimisches Pferd hinter einem schwedischen Galopper. Die Schweden haben offensichtlich Gefallen daran gefunden, die Prämien auf deutschen Bahnen zu kassieren. Zum Hoppegartener Sprint-Cup (1 300 Meter/20 000 Euro) kommen sie gleich zu Dritt. Rölke indes lehnt es ab, sich vorab allzu sehr mit den Konkurrenten zu beschäftigen: "Das kratzt nur am Glauben an dich selbst." Da ist zum Beispiel Toylsomes aus dem Stall von Championtrainer Peter Schiergen, 2002 vor Hoppegartener Publikum Gewinner im Großen Preis von Berlin. Oder Bodyguard of Spain von Christian Zschache, im Vorjahr zweimaliger Sieger. Oder Ros of Topas aus dem Stall von Hoppegartens Altmeister Werner Bauermeister. Mit sechzehn Galoppern wird es im Sprint-Cup ein nicht alltägliches Gedränge geben. Nur der Sieger von Hannover ist nicht dabei. Rölke hat derzeit 25 Pferde im Stall. Es waren schon mal mehr, aber auch schon einmal weniger. "Man muss zufrieden sein", sagt er. Nur Werner Bauermeister und Eckhart Gröschel (je 20) sowie Lord John Fitzgerald (22) bewegen sich in etwa den gleichen Regionen. Die anderen bleiben weit dahinter. Von der Quantität her aber kann sich auch Rölke nicht mit den national führenden Trainern, den Kölnern Peter Schiergen (131 Pferde) und Andreas Schütz (140) messen. Alle zwölf Trainer in Hoppegarten haben zusammen nur 175 Pferde. 1995 waren es noch 465. Und in der Euphorie der politischen Wiedervereinigung hatten einflussreiche Leute aus dem Sport und der Politik sogar davon gesprochen, Deutschlands einstige Vorzeigebahn wieder zum Zentrum des nationalen, ja sogar des europäischen Galopprennsports werden zu lassen. Mit mehr als 1 000 Pferden. Träume aus vergangenen Zeiten. Rölke träumt sie längst nicht mehr. Seine Wunschgedanken ranken sich um einen Namen. Einen Namen, der für ihn längst zum Wertmaßstab geworden ist. "Mit Artan nicht zu vergleichen" heißt es dann. Oder, hoffend: "Ein bisschen bewegt er sich wie Artan." Artan - der dunkelbraune Hengst trug in den neunziger Jahren den Namen Hoppegarten um die Welt. Als erstes und bis heute einziges ostdeutsches Pferd rückte der Hengst in die Erste europäische Liga auf. Rölke machte ihn zum Derbysieger Norwegens, er gewann mit ihm in Marseille den Prix André Baboin und in Rom den Premio Presidente della Repubblica, siegte mit ihm auf den deutschen Elitebahnen Baden-Baden und Frankfurt/Main. Am Ende seiner Karriere, die ihn auch nach Hongkong führte und dort das Prädikat "Schönstes Pferd" einbrachte, hatte Artan fast eine Million (exakt 961 358) Mark auf das Konto seines Besitzers galoppiert. Der hatte ihn im September 1993 gemeinsam mit dem Trainer auf einer Aktion in Irland für umgerechnet 18 000 Mark ersteigert. Nichts überstürzen Neuerdings hat der Name des vierbeinigen Weltreisenden besondere Konjunktur. Denn Rölke hat seit diesem Jahr drei seiner ersten Nachkommen im Stall. Vom sauerländischen Gestüt Westerberg, wo Artan im Deckeinsatz ertragreich arbeitet wie zuvor auf der Bahn, kamen Silverstone und Madoline - beide gehören dem Berliner Geschäftsmann Frank Sommer - sowie Karamilio, für den Rölke und eine Dresdner Gemeinschaft als Besitzer eingetragen sind. Frühestens im Sommer werden sie die ersten Zweijährigen-Rennen bestreiten. Rölke will nichts überstürzen. Muss er ja auch nicht. Er hat ja auch noch andere Pferde im Stall. Langgediente, wie den elfjährigen Starlet of Fortune oder eben König Shuffel. Noch sind sie die bevorzugten Gesprächspartner. Und selbst wenn es Sonntag nichts werden sollte mit einem König-Shuffel-Sieg, wird Rölke dem Siebenjährigen danach tief in die Augen sehen: "Na, mein Alter!"Hoppegartener Rennsaison // 20. April, Ostersonntag: Sprint-Cup und Stutenmeile (jeweils 20 000 Euro) 3. Mai, Sonnabend: Frühjahrszuchtpreis der Dreijährigen 17. Mai, Sonnabend: Ladys Day (Übernahme vom Rennverein Halle/Saale 18. Mai, Sonntag: Hoppegartener Ausgleich und Hindernisrennen 8. Juni, Pfingstsonntag: Großer Hoppegartener Stutenpreis 13. Juli, Sonntag: Großer Preis von Deutschland (Rennen der Gruppe II) 10. August, Sonntag: Großer Preis von Berlin (Rennen der Gruppe III) 22. August, Freitag: Abendrenntag 20. September, Sonnabend: Großer Herbstpreis der Dreijährigen (Gruppe III) 3. Oktober, Freitag: Preis der Deutschen Einheit (Gruppe III) 19. Oktober, Sonntag: Criterium der Zweijährigen Diese Rennen sind finanziell abgesichert, weitere sind möglich.FRANK SORGE Munter wie der Vater: Im Alter von vier Monaten jagte Silverstone noch den Schmetterlingen nach.