19.12.2011

„Günther Jauch“: Wulff nur Mittel zum Zweck

Von Sarah Mühlberger
Moderator Günther Jauch.
Moderator Günther Jauch.
Foto: dpa

Auch Günther Jauch spricht in seiner Talkshow über den Privatkredit an Bundespräsident Wulff. Allerdings haben alle Gäste ihre ganz eigene Agenda, weshalb das aktuelle Thema bisweilen nur zum Aufhänger gerät.

Kaum ein Gespräch, kaum ein Text zu Günther Jauchs Talkshow, der auf einen „Wer wird Millionär“-Kalauer verzichten würde. Da ist es nur legitim, wenn sich die „Günther Jauch“-Redaktion selbst einen solchen erlaubt. Und so wurde gestern diskutiert über die „Die 500.000-Euro-Frage: Ist Christian Wulff noch der richtige Bundespräsident?“. Die Frage im Laufe einer langen Skandalwoche um den Privatkredit Wulffs fast schon zu einer rhetorischen geworden – eigentlich ein schlechtes Vorzeichen für eine politische Talkshow, die ja die Kontroverse sucht. Umso erstaunlicher, wie unterhaltsam die Sendung dennoch war.

Ihr Charme erinnerte an eine Schultheateraufführung, bei der alle Beteiligten ihre Rolle sehr ernst nehmen, weswegen man ihnen gerne zusieht, ohne dass man aber vergäße, dass sie nur eine Rolle spielen. Als Verteidiger des abwesenden Wulffs trat Peter Altmaier auf, der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion. Er hatte den mit Abstand undankbarsten Job des Abends, diskutierte allein gegen Fünf (auch Jauch übte sich gestern im kritischen Fragestellen), verhedderte sich in Argumentationslinien und geriet ins Dauerfeuer der anderen vier Gäste.

Jeder von ihnen hatte seine ganz eigene Agenda, weswegen das aktuelle Thema bisweilen nur zum Aufhänger geriet. Hildegard Hamm-Brücher, bekannt als „Grand Dame der Deutschen Politik“, sorgte sich um den Zustand der Demokratie und plädierte einmal mehr für den nicht gewählten Bundespräsidenten Joachim Gauck. Der verlässlich konservativ polternde ZDF-Journalist Wolfgang Herles regte sich darüber auf, dass man sich über den Privatkredit eines befreundeten Unternehmers aufregt und machte die „unternehmerfeindliche Kultur“ Deutschlands verantwortlich. Zufrieden mit Wulff war aber auch Herles nicht, ihm fehlen die großen Themen und Reden des Bundespräsidialamtes, in dem Bettina Wulff, „das einzig Farbige“ sei.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast ging es in erster Linie darum, eine Krise zurücktretender und strauchelnder CDU/CSU-Männer zu konstatieren. Das wiederum wollte Nikolaus Blome, stellvertretender „Bild“-Chefredakteur, nicht gelten lassen, einen Rücktritt Wulffs hielt aber auch er für alternativlos. Blome fuhr Jauch einige Male in die Parade („Kann es sein, dass wir uns hier ins Nirwana diskutieren?“), reagierte dann aber sehr schmallippig, als Jauch ihn auf Gerüchte ansprach, die „Bild“-Zeitung forciere einen Rücktritt Wulffs, indem sie ihn mit Enthüllungen über seine Ehefrau erpresse. Einige Twitternutzer spekulierten sogleich über Blomes vermeintlich entlarvende Körpersprache.

Überhaupt: auf Twitter war einiges los. Das soziale Netzwerk ist ein guter Gradmesser dafür, welche TV-Sendungen in irgendeiner Form bewegen. Die gestrige „Jauch“-Sendung wurde dort besonders intensiv diskutiert, auch wenn viele Nutzer das eigentliche Thema für gar nicht so spannend oder aber nicht tragend genug hielten – unterhaltsam war die Talkrunde allemal.

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