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Antisemitismus: Broder diffamiert Augstein

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Der Publizist Henryk M. Broder
Der Publizist Henryk M. Broder
Foto: dpa

Das Simon-Wiesenthal-Center setzt Freitag-Herausgeber Jakob Augstein auf die internationale Liste der Antisemiten. An der Spitze dieses Rankings stehen die ägyptischen Muslim-Brüder, die den Judenstaat Israel vernichten wollen.

Jakob Augstein ist ein Antisemit. Jedenfalls hat das Simon Wiesenthal Center (SWC) ihn dazu erklärt und den Herausgeber der Wochenzeitung Der Freitag auf Platz neun einer Liste der weltweit zehn schlimmsten Antisemiten gesetzt. Der Spitzenplatz wurde den ägyptischen Muslimbrüdern zugewiesen, zu deren Heilsbotschaft die Vernichtung des Judenstaates Israel und des jüdischen Volkes gehört.

Auf Platz zwei findet sich mit gutem Grund das iranische Regime und sein Präsident Mahmud Ahmadinedschad, der Israel als „Schandfleck“ betrachtet, „der aus der Mitte der islamischen Welt beseitigt werden muss“. Auf den vorderen Plätzen landeten auch antisemitische Fans des britischen Fußballclubs West Ham United*, die eine gegnerische Mannschaft mit dem Hassspruch „Ihr werdet morgen vergast“ begrüßten. Was hat nun all das mit Jakob Augstein zu tun?

Augstein erlaubt sich Kritik an Netanjahu

Augstein hat weder in seinen Artikeln im Freitag noch als Kolumnist von Spiegel online Juden beleidigt oder den Staat Israel. Er hat für keine Vernichtung plädiert und für keine Vertreibung, aus seinen Texten spricht kein Hass und kein Ressentiment. Augstein nimmt sich lediglich die Freiheit, die Regierung Netanjahu dafür zu kritisieren, wofür sie alle Welt kritisiert. Also kritisiert er die völkerrechtswidrige Siedlungspolitik der israelischen Regierung, also kritisiert er das Bombardement des Gaza-Streifens („An Frieden haben beide Seiten kein Interesse“), also kritisiert er die ultraorthodoxen Fundamentalisten, von denen drei im Kabinett Netanjahus säßen, nachdem er vorausgeschickt hat: „Israel wird von islamischen Fundamentalisten in seiner Nachbarschaft bedroht.“

Kein Antisemit: Jakob Augstein.
Kein Antisemit: Jakob Augstein.
Foto: dapd

Die Kritik, die Jakob Augstein regelmäßig an der Politik der israelischen Regierung äußert, ist weder besonders polemisch noch einseitig. Sie deckt sich mit der Haltung vieler Israelis, die seit Jahr und Tag ihre Regierungen kritisieren, nicht nur, weil sie ein friedliches Mit- und Nebeneinander mit den Palästinensern mutwillig unmöglich machen, sondern auch, weil diese kompromisslos unversöhnliche Politik die Existenz Israels auf Dauer absehbar gefährdet. Die Frage, wer den Bestand des Staates Israel auf lange Sicht eher gefährdet – arabische Despoten und Terroristen oder Benjamin Netanjahu – ist noch nicht entschieden.

Kritik an der Politik der israelischen Regierung muss erlaubt sein, sie ist auch geboten. Und selbstverständlich ist sie auch dort erlaubt, wo sie am dringendsten geboten ist: in Israel. In der einzigen Demokratie des Nahen Ostens wird der politische Meinungskampf sogar härter geführt als in den meisten westeuropäischen Demokratien, zuweilen so hart, dass manche israelische Regierungskritiker sich umstandslos auf der Negativliste des Wiesenthals Center wiederfinden müssten – wäre der Unfug einer solchen Reaktion nicht offensichtlich.

Die Sprache Hitlers und Goebbels’

Warum aber wird dann ausgerechnet Jakob Augstein weltweit als Deutschlands führender Antisemit angeprangert? Die Erklärung findet sich in der Begründung der Entscheidung des SWC, genauer in dem Leumundszeugen gegen Augstein, auf den sich das Wiesenthal Center beruft : „Jakob Augstein ist kein Salon-Antisemit, er ist ein lupenreiner Antisemit, eine antisemitische Dreckschleuder, ein Überzeugungstäter, der nur Dank der Gnade der späten Geburt um die Gelegenheit gekommen ist, im Reichssicherheitshauptamt Karriere zu machen.“ Beleidigen kann jeder, diffamieren, lügen und rufmorden auch, aber in einem Satz eine Person gleichzeitig beleidigen, diffamieren, über sie Lügen verbreiten und einen Rufmord begehen, das kann in der deutschen Publizistik nur einer. Und es ist nicht das erste Mal.

Es spricht für den deutschen Rechtsstaat, dass Henryk M. Broder bis heute frei herumläuft, aber es spricht gegen das Simon-Wiesenthal-Center, dass es den Lügen und Verleumdungen dieser trostlosen Witzfigur aufgesessen ist. Wer Broder Glauben schenkt, der vertraut auch einem Bankräuber sein Bargeld an und einem Kannibalen die Ehefrau.

Mit der weltweiten Ausrufung Augsteins als Antisemit hat sich das Simon Wiesenthal Center – möglicherweise ungewollt, aber grob fahrlässig – zum Komplizen Broders gemacht und zum Vollstrecker der Rufmordkampagne, die Broder seit Längerem gegen den Freitag-Herausgeber führt.

Broder verwendet die Sprache der Nazis

„Parasit“, „parasitäres Pack“, „Pack“ – Broder ist der einzige deutsche Journalist, der sich unentwegt der Sprache des Nationalsozialismus bedient, ohne als durchgeknallter Rechtsextremist geoutet zu werden. Als hätte er Dolf Sternbergers „Wörterbuch des Unmenschen“ geplündert und sich Begriff für Begriff einverleibt, spricht und schreibt er in der Sprache Hitlers und Goebbels’, nur eben, dass er nicht Juden diffamiert, sondern jeden, den er zur Strecke bringen will.

Sprach Hitler vom „ewigen Parasiten“, wenn er Juden meinte, spricht Broder vom „Parasiten“, wenn er den Ruf eines nach seinem Empfinden überbezahlten Referenten einer Nicht-Regierungs-Organisation vernichten will. Sprach Goebbels vom „Pack“, wenn er auf die Kommunisten zielte, spricht Broder davon, wenn er die „Gutmenschen“ treffen will.

Das Simon Wiesenthal Center zitiert Broder mit der Bemerkung, Augstein habe das Zeug zu einem „kleinen Streicher“, der Gründer und Herausgeber des antisemitischen und pornografischen Hetzblatts Der Stürmer war. Zumindest was die Pornografie betrifft, kann Broder Streicher fast das Wasser reichen: Streicher war für die Sammlung pornografischer Werke berüchtigt, die er gesammelt, Broder war einmal bekannt für pornografische Schriften, die er geschrieben hat.
Als Leumundszeuge kommt Broder seit langer Zeit schon nicht mehr in Betracht.

Korrektur: In einer früheren Version des Textes war davon die Rede, dass Anhänger des britischen Fußballclubs Tottenham Hotspur auf der Negativliste des Simon Wiesenthal Center als Antisemiten gerügt werden. Tatsächlich bezieht sich die Rüge auf Fans von West Ham United - wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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