03.01.2012

Die lange Welle hinterm Kiel: Finale an der Hotelbar

Von Klaudia Wick

Um die Begegnung der Völker und der Generationen gleichzeitig möglich zu machen, bediente sich Kohut im Erscheinungsjahr 2000 eines Kunstgriffes, der in die Verfilmung übernommen wurde: Der Roman definiert die Jetztzeit zehn Jahre zuvor, also 1990. Um die schicksalhafte Begegnung zwischen Margarete und Martin unausweichlich zu machen, ließ der Schriftsteller die Handlung auf einem Ozeandampfer spielen. Klaus Richter, Autor der Degeto-Verfilmung, folgte auch hier gerne, zumal sich die gewalttätigen Rückblenden mit den „Traumschiff“-Impressionen vom Kapitänsdinner ganz gut auffangen lassen. Regisseur Nikolaus Leytner inszeniert diese Welt ganz absichtsvoll als Zitat der ZDF-Serie.

Monologartige Erinnerungen

Das historische Drama wird dagegen von den Schauspielern in monologartigen Erinnerungen in Szene gesetzt. Hier laufen Mario Adorf und Christiane Hörbiger erwartungsgemäß zur Hochform auf: Ketterauchend gibt Hörbiger die schnaufende Schreckschraube, wie sie von der Bordcrew genannt wird, in ihren besten Szenen erinnert das an ihre ARD-Verfilmung „Besuch der alten Dame“. Mario Adorf hält man lange für das Opfer einer radikalen Sudetendeutschen, aber auch Martin muss im Gespräch mit seiner Schwiegertochter zugeben, dass die Frage nach Täter und Opfer eine Frage des Blickwinkels ist. Einer Kriegsperspektive zudem, deren tödliche Moral den Friedenskindern von heute verschlossen bleibt.

Entsprechend an der Peripherie wandeln die Nebenfiguren Siggi und Silva. Auch diese beiden tragen schwer an ihrer Lebensgeschichte: Siggi verlor seinen besten Freund an die Drogen; Sylva plagt sich mit Suizidgedanken. Mit jeder Geste will Veronica Ferres zeigen, wie ihre Figur den Boden unter den Füßen verloren hat. Dennoch bleiben diese Schicksalsschläge dramaturgische Behauptungen, die in keinem Verhältnis zu den gefühlten Auswaidungen der Alten stehen. Die treffen schließlich an der Hotelbar doch noch aufeinander. Was genau gesprochen wird, verrät der Film aber klugerweise nicht.

Die lange Welle hinterm Kiel, 20.15 Uhr, ARD

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