18.02.2012

Die Simpsons: Gelb regiert die Welt

Von Sebastian Moll
Die Simpsons ist die erfolgreichste TV-Serie aller Zeiten.
"Die Simpsons" ist die erfolgreichste TV-Serie aller Zeiten.
Foto: dapd

„Die Simpsons“ sind die erfolgreichste Serie der Fernsehgeschichte. Am Sonntag wird Folge 500 ausgestrahlt. Mal wieder mit einem besonderen Gast.

Thomas Pynchon ist der große Eremit der amerikanischen Literatur, seine Identität hütet er wie ein Staatsgeheimnis. Heerscharen von Fans und Literaturwissenschaftlern fahnden seit Jahrzehnten erfolglos nach dem Verfasser von Monumentalwerken wie „Gravity’s Rainbow“.

Stars und Familie

Julian Assange treffen die Simpsons in der 500. Folge der Serie. Mit dem Mitgründer der Enthüllungsplattform Wikileaks feiern die Simpsons ein Grillfest in der Wildnis, bis er ihnen ein Video vorführt. Zu sehen ist darin eine afghanische Hochzeit - die dann von US-Truppen bombardiert wird. Seinen Text hat Assange von seinem Hausarrest in England aus eingesprochen.

Seit 1989 läuft die TV-Serie „Die Simpsons“ im US-Fernsehen, 2007 folgte der Kinofilm „Die Simpsons – Der Film“. Im Mittelpunkt stehen dabei immer die fünf Familienmitglieder und ihr Leben in der Kleinstadt Springfield, deren Silhouette von jenem Atomkraftwerk dominiert wird, in dem auch Vater Homer arbeitet.

Marge Simpson musste hingegen nur den Hörer abnehmen, um Pynchon in ihre Heimatstadt Springfield zu locken. Mit einer Papiertüte über dem Kopf taucht die gleichnamige Zeichentrickfigur in der 15. Staffel der Serie „Die Simpsons“ auf, um Marge eine Empfehlung für ihren Erstlingsroman zu schreiben. Der Clou: Es ist der echte Pynchon, der seinem Comic-Ebenbild die Stimme leiht.

Der Auftritt war ein eindrucksvolles Beispiel für den Stellenwert, den die Serie besitzt, die am Sonntag als erste TV-Show überhaupt eine 500. Episode ausstrahlt. Prominente reißen sich darum, bei den Simpsons mitmachen zu dürfen, die Liste der Gastsprecher umfasst unter anderem: Mick Jagger, Kim Basinger, Alec Baldwin, Michael Jackson, Paul McCartney, Sting, Elizabeth Taylor, Werner Herzog. Und sogar der britische Premier Tony Blair gab sich die Ehre.

Ein besonderer Gast bei den Simpsons

Ein ähnlicher Coup wie mit Pynchon ist den Simpsons-Machern für die erwähnte Jubiläumsfolge am Sonntag geglückt. In der Sendung werden die Simpsons aus Springfield verjagt und ziehen in eine entlegene Hütte. Ihr Nachbar dort ist Wikileaks-Gründer Julian Assange, der seinen Text während seines Hausarrests in Großbritannien aufgenommen hat.

Darüber, was Assange zu sagen hat, ist bislang nichts nach außen gedrungen. Aber man kann sicher sein, dass es am Montag unter Serienjunkies online und offline Gesprächsthema Nummer Eins sein wird. Ein erstaunlicher Erfolg für eine Fernsehserie, die begann, bevor das Internet überhaupt erfunden war. Wenn die Simpsons denn eine gewöhnliche Fernsehserie wären. Sind sie aber nicht.

Der New-York-Times-Kritiker A.O. Scott schrieb jüngst, die gesamte amerikanische Pop-Kultur vor 1989 sei nur ein Vorspiel für die Simpsons gewesen. Matt Zoller Seitz stimmte dem im New York Magazine zu: „Die Simpsons sind nicht im Fernsehen“, schrieb Seitz, „die Simpsons sind das Fernsehen.“

In der Tat ist es nicht übertrieben, wenn man behauptet, dass die Serie, die vor rund 22 Jahren als Einspieler in der Sketchsendung der britischen Komikerin Tracey Ullman startete, neu definiert hat, was Fernsehunterhaltung sein kann. Sie ist zugleich Familien-Sitcom und Gesellschaftskritik, Politsatire und so etwas wie eine Enzyklopädie der Pop-Kultur. Vor allem ist sie jedoch eines: zuverlässig witzig.

Seite 2: Wie Matt Groening "Die Simpsons" schuf

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