12.01.2012

Dschungelcamp: Kampf um die Dschungelkrone eröffnet

Von Peer Schader
        

Jagen nach possierlichen Tierchen: Dirk Bach und Sonja Zietlow.
Jagen nach possierlichen Tierchen: Dirk Bach und Sonja Zietlow.
Foto: RTL/Ruprecht Stempell

Großer Quatsch und soziales Experiment: Die Grenzerfahrung im australischen Dschungel geht bei RTL in die nächste Runde.

Wenn Markus Küttner im Herbst zur Vorbesichtigung nach Australien reist, ist das meist ein gutes Zeichen. Zumindest für Fernsehzuschauer, die im darauf folgenden Januar sehen wollen, wie sich ein Grüppchen Prominenter beim Überlebenstraining im Busch am anderen Ende der Welt schlägt. Küttner ist Bereichsleiter für Comedy und Real Life bei RTL. Das passt ganz gut, weil auf „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“, das er verantwortet, irgendwie beides zutrifft.

Einerseits ist die Show ein ganz großer Quatsch, bei dem sich jeder vor einem Millionenpublikum blamieren kann. Sie funktioniert aber genauso gut als soziales Experiment, bei dem es darum geht, wie Leute miteinander auskommen, die zwei Wochen fast völlig von der Außenwelt isoliert sind. Und natürlich, wie sie ein paar ekelige Dschungelprüfungen überstehen.

Dschungelcamp 2012 - die Kandidaten

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„Die Show ist eine ständige Gratwanderung“, sagt Küttner. „Es kann sein, dass uns alles auf einmal zusammenbricht. Oder dass es mit 50 Prozent Marktanteil läuft.“ Im vergangenen Jahr wäre beinahe beides passiert. Nach ein paar Tagen hatte die frühere „Topmodel“-Kandidatin Sarah Knappik mit ihrer ausladenden Selbstzentriertheit fast die gesamte Promi-Mannschaft gegen sich aufgebracht. Die Kandidaten standen kurz vor der Meuterei. Und Küttner musste sich blitzschnell ausdenken, wie sich die Situation wieder beruhigen ließ.

Neuauflage von "Herr der Fliegen"

Vom gemeinschaftlichen Auszug konnte die Gruppe zwar wieder abgebracht werden. Darunter hatte aber einer zu leiden, der sich nicht an den Psychospielchen beteiligen wollte, von den anderen geschnitten wurde, aber vom Publikum für seine Standhaftigkeit geliebt. Am Ende wurde Peer Kusmagk Dschungelkönig. Und eine eigentlich zur Unterhaltung gemachte Show stand für kurze Zeit auf der Kippe zur Neuauflage von „Herr der Fliegen“.

In jedem Fall haben die Ereignisse der fünften Staffel gezeigt, dass sich vorher kaum prognostizieren lässt, wer nach zwei Wochen als Gewinner im Baumhaus die Krone aufgesetzt bekommt – mit Kusmagk hatte zum Start wirklich niemand gerechnet. Und dass die Show tatsächlich sehr von der Interaktion ihrer Protagonisten lebt, gar nicht mal so sehr von den Prüfungen, die ihr den Stempel „Ekel-TV“ verpasst haben.

Dschungelcamp: Die Kandidaten - und warum sich das antun
Radost Bokel
Schauspielerin Radost Bokel (36)

Die 1975 geborene Schauspielerin wurde 1986 in der Kinderbuchverfilmung „Momo“ nach dem Kinderbuch von Michael Ende einem breiten Publikum bekannt. Kurz danach spielte sie eine Nebenrolle in der internationalen Fernseh-Miniserie „Das Geheimnis der Sahara“ neben Michael York, Andie MacDowell und Ben Kingsley und steht seitdem für zahlreiche Kino- und TV-Produktionen vor der Kamera, zuletzt für „Die Spezialisten - Kripo Rhein/Main“ und für die Mini-Serie „Der Staatsanwalt“ (ZDF). Radost Bokel hat einen zweijährigen Sohn und lebt abwechselnd in North Carolina und Deutschland. Sie sagt: „Ich nehme am Dschungelcamp teil, weil ich Lust darauf habe und es eine Herausforderung für mich ist. Es wird bestimmt sehr interessant und ein bisschen Diät kann nie schaden.“

Dabei hat sich längst herumgesprochen, dass „Ich bin ein Star“ dank der Moderationen von Sonja Zietlow und Dirk Bach und der clever geschnittenen Tageszusammenfassungen durchaus mit einer gewissen Hintergründigkeit unterhalten kann. Nirgendwo sonst mutet das private Fernsehen seinem Publikum soviel Ironie zu. Auch der eigene Sender wird nicht geschont und muss Witze über sein Programm und seine Stars ertragen.

Dafür brauchte es bei den Verantwortlichen erst eine gewisse Gewöhnungsphase. Küttner erinnert sich an die Premierenstaffel vor acht Jahren: „Am Anfang hab ich mein Handy gerne mal durchklingeln lassen, wenn eine Kölner Nummer auf dem Display stand.“ Dabei steht die praktizierte Selbstkritik RTL ganz gut – gerade weil der Sender sonst überhaupt keinen Sinn dafür hat.

RTL freut sich über fantastische Quoten

Die Vorlage für „Ich bin ein Star“ stammt aus Großbritannien, wo gerade die elfte Runde von „I'm a Celebrity... Get Me out of Here“ zu Ende ging. Auch in Frankreich, Schweden und den Niederlanden wurden eigene Versionen gezeigt, doch Deutschland ist das einzige Land, in dem das Reality-Experiment noch läuft. „Viele Sender können sich diese aufwändige Show einfach nicht leisten“, sagt Küttner. Bei RTL trösten sie sich immerhin mit den fantastischen Quoten über die hohen Kosten hinweg.

Ob die neue Staffel, die an diesem Freitag um 21.15 Uhr startet, genauso erfolgreich sein wird wie die vorige, lässt sich von Senderseite schwer beeinflussen. Denn mit den Teilnehmern bei „Ich bin ein Star“ verhält es sich ein bisschen wie mit Wein: Es kommt sehr darauf an, ob man einen guten Jahrgang erwischt. Erst wenn die Kameras laufen, stellt sich heraus, ob die Zusammensetzung der Gruppe funktioniert – ob sich also kleine Rivalitäten und große Freundschaften bilden oder bloß alle in der Hängematte liegen.

Dschungelcamp - Was aus den Siegern wurde

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In diesem Jahr haben sich „Momo“-Darstellerin Radost Bokel und Ex-Profifußballer Aílton zum Dschungelzelten verpflichtet. Die Ex-Stallone-Frau Brigitte Nielsen ist auch dabei und RTL schon insofern verbunden, als dass sie sich vor einigen Jahren unter dem Titel „Aus alt mach neu“ mit Kamerabegleitung schönheitsoperieren ließ. Darüber hinaus hat der Sender die frühere ZDF-Moderatorin Ramona Leiß, den Ochsenknecht-Sohn Rocco Stark und Ex-Tic-Tac-Toe-Mitglied Jazzy bestätigt.

Natürlich darf auch das Personal nicht fehlen, das der Medienbetrieb regelmäßig aus sich selbst heraus generiert – so wie die Ex-„DSDS“-Kandidaten Kim Debkowski und Daniel Lopes, der einstige „Star Search“-Gewinner Martin Kesici und Vincent Raven, der bei ProSieben mal als „The Next Uri Geller“ ausgerufen wurde. Für die Erotik ist Micaela Schäfer zuständig, die sich zuerst bei „Germany’s Next Topmodel“ bewarb und später bei „Big Brother“ nacktduschte.

Wer sich davon als Liebling des Publikums entpuppt und wer in diesem Jahr die härteste Dschungelprüfung von allen, die noch kommen werden, absolvieren muss – das weiß auch Küttner noch nicht. Mitleid mit seinen Kandidaten hält er allerdings für fehl am Platze. Egal, von wie vielen Insekten sie sich bestürmen lassen müssen. „Die Leute kommen da ja nicht wirklich zu Schaden“, sagt er. „Da kann nachher wieder jeder vor die Tür gehen.“ Nach mancher Blamage wär's halt nur besser, damit erst mal ein halbes Jahr zu warten.

Dschungelcamper Ailton: Seine schrägsten Sprüche

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