04.01.2012

Euro-Doku in der ARD: Hoch die Tassen - auf den Euro!

Von Charlotte Funke
Hoch die Tassen! Der Euro ist besser als sein Ruf, sagt die ARD in einer Dokumentation.
Hoch die Tassen! Der Euro ist besser als sein Ruf, sagt die ARD in einer Dokumentation.
Foto: AFP

Die ARD macht Stimmung für Europa: Eine Dokumentation über den Euro bezieht deutlich Stellung für die Währung der europäischen Einheit.  Der Euro ist besser als sein Ruf, behauptet der Film. Und findet dafür einige bemerkenswert unrepräsentative Deutsche.

Peter Gerhardt ist für den Euro. Und nicht nur das, er ist auch für ein inniges Europa, vielleicht sogar für ein Europa mit einer eigenen europäischen Regierung. Peter Gerhardts Euro-Doku „Im verflixten 10. Jahr - Die Deutschen und der Euro“ zieht Bilanz. Und ist dabei ein selten positiver Film, der, statt zu lamentieren, erzählt und erklärt.

Peter Gerhard fragt sich, wieso der Euro heute vor allem für Staatspleiten und Zukunftsangst steht, wo doch vor zehn Jahren alles ganz euphorisch begonnen hatte. Und er erinnert uns nicht nur an diese Euphorie der ersten Stunde, an freudige Gesichter vor Geldautomaten mitten in der Nacht, sondern auch daran, wie das alles gekommen war. Erinnert noch einmal an den Vertrag von Maastricht, der Anfang der 90er Jahre nicht nur aus der EG eine EU machte, sondern auch die gemeinsame Währung beschloss. Eine Währung mit eisernen Regeln: Die Stabilitätskriterien.

Warum von Anfang an Staaten dabei waren, die diese Kriterien nicht erfüllten (natürlich auch: Griechenland), können die Experten der ersten Stunde, Theo Waigel und Hans Eichel, nicht so recht erklären. Und außerdem hielt ja später sogar Deutschland die strengen Stabilitätskriterien nicht ein, die es selbst aufgestellt hatte. Das waren die Geburtsfehler, die bis heute nachwirken, erzählt uns Gerhardt.

Die 45 Minuten vergehen schnell. Und das obwohl der Film doch mit einem wenig lebendigem Ding zu tun hat, für das sich ebenso wenig originelle oder irgendwie sehenswerte Bilder finden: Einer Währung. Wir sehen vielleicht etwas zu viele Geldscheine und Münzen, die durch irgendjemandes Hände gleiten, und auch die Euro-Skulptur vor dem EZB-Gebäude in Frankfurt ist nur bedingt fotogen.

Peter Gerhardt fängt die Bilderarmut vor allem durch die Menschen auf, die bei ihm zu Wort kommen. Und das sind nicht nur die Offiziellen, Waigel, Eichel und einige andere Akteure aus Wirtschaft und Politik, es kommen auch „Normalbürger“ zu Wort, die aus einem pragmatischeren und gleichzeitig emotionaleren Blickwinkel heraus argumentieren.

Eine Unternehmerin aus Schwaben und eine Kaufhallen-Leiterin aus dem Osten, eine Rentnerin und Gymnasiasten sagen ihre Meinung zum Euro. Geradezu mustergültig repräsentieren diese Befragten unterschiedliche Gruppen der Gesellschaft, und trotzdem bleiben ihre Aussagen merkwürdig scherenschnitthaft. Das liegt vor allem daran, dass sie sich allzu geschmeidig in die These des Autors einfügen: Der Euro ist besser als sein Ruf.

Spontan, authentisch, kontrovers ist das keinesfalls: Ein überaus redegewandter Schüler gibt zu, dass der Euro für ihn „eine Ideologie, und“, er sucht nach dem Wort, „ein Lebensstil“ sei. Ein Occupy-Aktivist bestätigt dem Reporter, offensichtlich auf Nachfrage, dass nicht unbedingt der Euro, wohl aber das System schuld an allem sei. Zuletzt wird es gefühlig: Die Unternehmerin bekennt in astreinem Schwäbisch: „Ich bin eine überzeugte Europäerin.“ Die ostdeutsche Kaufhallen-Leiterin, in Kaufhallen-Kittel, sagt: „Wir müssen das vereinte Europa gemeinsam leben“.

Das ist ein bisschen ärgerlich, denn die Floskeln hätte der Film nicht gebraucht. Die Botschaft auch ohne sie deutlich: Peter Gerhardt will Mut machen für Europa. Zuletzt macht er ein bisschen Werbung.

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