25.01.2012

TV-Kritik ZDFzeit: Restesammlung aus dem geheimen ZDF-Archiv

Von Torsten Wahl
Geheimnisse bleiben geheimnisvoll - das ist die Botschaft des sinnfreien ZDF-Films.
Geheimnisse bleiben geheimnisvoll - das ist die Botschaft des sinnfreien ZDF-Films.
Foto: zdf

Was haben vorchristliche Kultsteine, illegale Autorennen, bayrische Erdtunnel, Mikrowellenwaffen, Atombunker und Freimaurer aus Hamburg miteinander zu tun? Die Antwort kennen nur die Macher der bizarren ZDF-Dokumentation "Geheimes Deutschland". Die zweite Folge des neuen ZDF-Formats „ZDFzeit“ war noch unterirdischer als der Auftaktfilm vor einer Woche.

Was hatten die ZDF-Verantwortlichen zum Start ihres neuen Formats „ZDFzeit“ nicht alles versprochen! Eine Hochglanz-Doku, die mit neuartige Erzählformen arbeiten, die Bilder von nie gekannter Qualität zeigen, dabei einen „Dreiklang aus Rekonstruktion, Expedition und Investigation“ erzeugen soll – so tönte etwa Chefredakteur Peter Frey.

Neuartig soll es also sein, in einer Dreiviertelstunde ein Dutzend völlig verschiedene Geschichten anzureißen, ohne eine einzige zu vertiefen. Grünlichen Computeranimationen, die an zehn Jahre alte Ballerspiele erinnern, werden beim ZDF offenbar „nie gekannte“ Qualitäten zugeschrieben. Doch welchen Sinn haben die eingestreuten Umfrageergebnisse, etwa darüber, ob „die Deutschen“ finden, unser Staat besitze genügend Erdölreserven?

Die Doku „Geheimes Deutschland“, die so gern mit Superlativen allerlei Geheimnisse beschwor, blieb selbst das größte Rätsel. Im Unterschied zur Auftaktsendung vor einer Woche, die diverse Schatzsucher und Steinesammler vorstellte und dabei sogar den Verbleib eines Schatzes klärte, kann „Geheimes Deutschland“ nichts wirklich Neues zeigen.

Am interessantesten blieben noch den Stippvisiten bei den Lagern bundesdeutscher Notreserven (Orte bleiben natürlich geheim!), doch bevor politische Hintergründe vermittelt werden konnten, wurde unvermittelt zu Freimaurern oder Autorasern „umgeschaltet“. Die sind ja irgendwie auch geheim.

Insgesamt unterbot der krude Film von Jörg Müllner das ohnehin schon unterirdische Niveau der ersten Folge. „Geheimes Deutschland“ wirkte wie eine Restesammlung aus dem geheimen ZDF-Archiv und gab dem Zuschauer dabei das Gefühl, er würde permanent zappen – ohne die Fernbedienung in die Hand zu nehmen. Hier ein bisschen „Galileo“, da ein bisschen „Terra X“, schließlich etwas „Brisant“. So wurde der Zuschauer gezappt – bis er irgendwann selbst die Fernbedienung zur Hand nahm.  

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