05.01.2012

Wulff stellt sich: Bundespräsident als Appetithäppchen

Von Sarah Mühlberger
Wulff auf allen Kanälen.
Wulff auf allen Kanälen.
Foto: dpa

Erst 20.15 Uhr zeigten ARD und ZDF parallel das 21 Minuten lange Interview mit Christian Wulff. Bis dahin war es sehr aufregend. Das komplette Interview und Abschriften kursierten längst im Netz.

Barbara Hahlweg war begeistert. "Kein Journalist war heute so nah dran am Bundespräsidenten wie Sie!" rief die "heute"-Moderatorin der zugeschalteten Bettina Schausten zu. Nun ja, Ulrich Deppendorf vielleicht noch. Nur den beiden Hauptstadtstudio-Chefs von ARD und ZDF war gestern die Ehre eines exklusiven Interviews mit Bundespräsident Wulff zu teil geworden. Zur besten Sendezeit, um 20.15, Uhr zeigten beide Sender parallel das 21 Minuten lange Interview (ARD-Mediathek) mit Wulff. Bis dahin war es sehr aufregend.

Aufgezeichnet wurde das Gespräch nämlich schon drei Stunden früher. Während im Internet längst komplette Audio-Mitschnitte und Mitschriften (Netzpolitik.org) des Gesprächs kursierten, vertrieben sich das Erste und das Zweite Deutsche Fernsehen die Zeit bis zur Ausstrahlung mit Wulff-Appetithäppchen. Etwa mit einer Sonderausgabe der "Tagesschau" um 18.23 Uhr, für die eigens die Biathlon-Übertragung unterbrochen wurde. Einziges Thema: das Wulff-Interview. Erste Ausschnitte und dazu eine Experten-Einschätzung vom ARD-Fragesteller Deppendorf höchstpersönlich. Gleiches Spiel in der regulären "Tagesschau"-Ausgabe um 20 Uhr, gleiches Spiel in der "heute"-Sendung um 19 Uhr (Expertin war hier natürlich die ZDF-Frau Schausten).

Wulff erklärt sich im TV

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Und dann ist es endlich so weit: "Bundespräsident Wulff stellt sich", so der Name der ARD-Variante (das ZDF begnügt sich mit einem nüchternen "Das Interview mit Bundespräsident Christian Wulff"). "ARD und ZDF haben ihr Programm geändert", begrüßt Deppendorf die verdutzten Zuschauer, die mit Veronica Ferres beziehungsweise Jörg Pilawa gerechnet hatten (klingt nach Klischee-Witz, ist aber die echte Programmplanung von gestern). Stattdessen sitzt der Problem-Bundespräsident vor Schausten und Deppendorf, hinter den Dreien leuchten Berlins Wahrzeichen in bedrohlichem Rot, nur das Schloss Bellevue ist noch teilweise zartgelb. Noch!

Wulff lässt sich also 23 Fragen zu Privatkrediten, Urlaubsdomizilen, Anrufbeantwortern, Amtsverständnis, Glaubwürdigkeit und Krisenmanagement stellen. Er erklärt, entschuldigt, verteidigt. Viel Gegenwehr bekommt er nicht, Schausten und Deppendorf haben aber auch ein straffes Programm und wenig Zeit.

Wer die Hitze nicht aushalten kann, sollte nicht Koch werden, zitiert der Bundespräsident am Ende sehr frei Harry S. Truman. Vielleicht eine etwas unglückliche Referenz? Schließlich machte genau jener US-Präsident zum Ende seiner Amtszeit mit einem eigenwilligen Verständnis von Pressefreiheit von sich reden. Truman verfasste damals, Anfang der 1950er, einen wutentbrannten Brief an einen Redakteur der "Washington Post", weil der sich erdreistet hatte, einen Verriss über Trumans Tochter Margaret, eine Sängerin, zu schreiben. Sollte er ihm je persönlich begegnen, drohte Truman dem Journalisten, werde er ihm das Gesicht verunstalten.

Das Aufeinandertreffen zwischen Politik und Medien endete gestern deutlich friedlicher.

Unsere Präsidenten - warum sie gingen

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Wulffs mögliche Nachfolger

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