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Auslese: Die ganze Welt ist gegen uns

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Netanjahu kokettiert mit der Isolation Israels.
Netanjahu kokettiert mit der Isolation Israels.
 Foto: dpa

Netanjahu kokettiert mit der Isolation Israels.

Die Liste europäischer Staaten, die israelische Botschafter aus Protest gegen Benjamin Netanjahus provokative Siedlungspläne einbestellt haben, wird immer länger. Großbritannien und Frankreich waren der Auftakt, Holland, Dänemark, Schweden und Spanien zogen nach. Die Europäer haben die diplomatischen Samthandschuhe ausgezogen, sind sich israelische Kommentatoren einig.

Vermutet wird, dass Washington – für Israel der wichtigste Verbündete – sie ausdrücklich dazu ermuntert hat. „Das Weiße Haus“, analysiert Shimon Shiffer in Yedioth Achronoth, „hat Europa instruiert, die Netanjahu-Regierung zurechtzuweisen und zu bestrafen.“ Nicht etwa wegen dessen Parteinahme für Barack Obamas Gegner im US-Wahlkampf.

Viel mehr habe dies mit Obamas Erkenntnis zu tun, „dass ein Weg zu Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern gefunden werden muss“. Am Ende werde sich Netanjahu zwar genauso wenig wie seine Vorgänger an das hochproblematische Siedlungsprojekt zwischen Ost-Jerusalem und Maale wagen, das eine Zwei-Staaten-Lösung faktisch sabotieren würde. „Aber diesmal wird Israel für Netanjahus unverantwortlichen Erklärungen bezahlen müssen.“

Ähnlicher Ton

Einen ähnlich Ton schlägt der Leitartikel der linksliberalen Haaretz an. „Netanjahu und seine Minister haben kein Recht, Israel zu einem internationalen Paria zu machen.“ Der Sicherheit sei doch nicht damit gedient, einen schon besetzten palästinensischen Staat zu bekämpfen. Es komme darauf an, „die nötigen internationalen Beziehungen zu pflegen, um sich gegen wahre Bedrohungen wie das iranische Nuklearprogramm zu wappnen“. Insofern habe Israels Premier seinem Land einen Bärendienst erwiesen, bescheinigt auch Maariv: „Netanjahu hat mit einer Hand die Welt gegen Iran mobilisiert, mit der anderen Hand hat er Israel in die gleiche Situation wie Iran getrieben“ – in die Isolation.

Der außenpolitische Schaden könnte ihm allerdings innenpolitisch nützen. Ja, die neuen Siedlungspläne seien in jeder Ecke des Globus scharf verurteilt worden, findet der Haaretz-Journalist Nehemia Shtrasler. „Aber genau darauf hat Netanjahu gehofft. Jetzt kann er feurige Reden halten und erklären, dass die ganze Welt gegen uns ist, dass dort draußen alle Antisemiten und Araber-Lieblinge sind. Und dass er der einzige ist, der uns vor den Ausländern, die es auf uns abgesehen haben, schützen kann.“

Die nationalrechten Blätter jedenfalls spenden Premier Netanjahu uneingeschränkt Applaus für seine Bauoffensive auf besetztem Land. Er solle sich bloß nicht von europäischen Einwänden beeindrucken lassen, rät die Siedler-Zeitung Makor Rischon. Sie seien nur ein Test seiner Stärke. Und Israel HaJom, quasi Netanjahus Hausblatt, schreibt: „Die Geschichte zeigt, dass der Westen immer kapituliert, wenn wir auf unseren Positionen bestehen.“ Die 3 000 neuen Siedlerwohnungen seien nur ein erster Schritt. Weitere folgen.“

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Brigitte Fehrle ist Chefredakteurin der Berliner Zeitung.

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