18.11.2011

Bildung: Herbstfrust gegen Bildungsnot

Von Torsten Harmsen
Schüler und Studenten protestierten auch in Berlin gegen die bundesweit schlechten Bildungsbedingungen.
Schüler und Studenten protestierten auch in Berlin gegen die bundesweit schlechten Bildungsbedingungen.
Foto: Imago
Berlin –  

Die Schüler und Studenten, die am Donnerstag in München, Köln, Berlin oder Hamburg auf die Straße gingen, haben allen Grund zum Protest. Das zeigt ein Blick in überfüllte Klassen, auf ausgedünnte Lehrerkollegien.

Die Unterrichtsstunden, die ausfallen oder nicht fachgerecht gehalten werden, summieren sich bundesweit pro Woche auf eine Million. Ein Professor betreut fast hundert Studenten. Erstsemester hausen in Notunterkünften.

Für die Bankenrettung haben sie Milliarden, bei uns bröckelt der Kitt aus dem Schulfenster – so könnte man das Gesellschaftsbild vieler Jugendlicher zusammenfassen. Gemessen am Frust gehen allerdings nur wenige auf die Straße. Oder engagieren sich anderswo.

Das ist auch ein Warnzeichen. Alle Jahre wieder, oft im Herbst, trommeln Bildungsstreik-Aktivisten ein paar tausend Demonstranten zusammen. Sie beschwören die jungen Menschen sich einzumischen: Steht auf! Occupy University! Die Medien reagieren reflexartig, Oppositionspolitiker melden sich zu Wort, fordern Konzepte und mehr Geld von der jeweiligen Regierung. Zum Jahreswechsel ist alles wieder vorbei.

Es ist gut, dass es immer wieder Öffentlichkeit für die Belange der Bildung gibt. Es ist traurig, dass jene, die es am meisten angeht, an den Sinn gesellschaftlicher Einmischung oft nicht mehr glauben.

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