14.02.2012

Fehlpass: CDU-Nachwuchs will Kinderlose bestrafen

Von Jonas Nonnenmann
Schwangere: Bald ein potentieller Steuerzahler mehr.
Schwangere: Bald ein potentieller Steuerzahler mehr.
Foto: picture-alliance / Lehtikuva

Junge Unionsabgeordnete fordern für Kinderlose eine Sondersteuer, sobald sie 25 Jahre alt sind. Wieso so lange warten? Eine Polemik.

Es geht nicht um Gleichbehandlung. Deutsche mit Kindern bekommen Elterngeld und Kindergeld, sie zahlen weniger Steuern und wenn die schreienden Mias und Bens in der Bahn freie Plätze belegen, zahlen sie oft keinen Cent.

Das ist auch gut so. Belohnungen sind richtig, weil sie Anreize schaffen, Kinder auch in beruflich schwierigen Zeiten zu wollen und dann, wenn der Geldbeutel leer ist. Das ist wichtig für die Gesellschaft, die sonst überaltert, und für die Renten der jüngeren Generationen, die sonst auf dem Spiel stehen.

Wo das Zuckerbrot funktioniert, sollten wir auf die Peitsche nicht verzichten, sagen sich nun offenbar Bundestagsabgeordnete der CDU/CSU. Kinderlose sollen eine extra Abgabe zahlen, fordern die Abgeordneten, unter ihnen Marco Wanderwitz und Philipp Mißfelder.

Steuern, nach Kindern gestaffelt

Die jungen Abgeordneten wollen Kinderlose ab 25 Jahre mit einem Prozent des Einkommens zur Kasse zu bitten, berichtet die Mitteldeutsche Zeitung. Der Vorschlag: Kinderlose zahlen voll, Eltern mit einem Kind die Hälfte. Eltern mit mehr Kindern gar nichts. Marco Wanderwitz, Sprecher der Gruppe, will die Abgabe sogar im Grundgesetz verankern.

Die bayrische Familienministerin Christine Haderthauer findet den Vorschlag mit der Besteuerung gut. „Wir müssen wieder in eine Gesellschaft hineinwachsen, in der es nicht völlig egal ist, wie man lebt“, sagte sie der „Welt“.

Na dann Prost! Warum nicht gleich nach dem Vorbild Chinas auch hierzulande die Geburten kontrollieren: Eine Ein-Kind-Politik mit dem Unterschied, dass die Kinderlosen diskriminiert werden und nicht umgekehrt.

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Wie wäre es damit: Wer kinderlos bleibt, der sollte künftig keinen Anspruch mehr haben auf eine Wohnung, die größer ist als 50 Quadratmeter. Brauchen die ja eh nicht. Umgekehrt sollten Mütter mit mindestens drei Kindern ein goldenes Nummernschild bekommen und auf der Straße pauschal Vorfahrt haben. Nur das Fernsehen soll ihnen verboten werden – es könnte sie ja von wichtigeren Aufgaben im Ehebett abhalten.

Wieso die Altersgrenze?

Wen interessieren schon die Mütter und Väter, die keine Kinder bekommen können – oder wollen, weil die Erde jetzt schon überbevölkert ist? Vergessen, die wenigen Stimmen zählen ja kaum bei der nächsten Wahl.

Immerhin Familienministerin Kristina Schröder, ebenfalls Mitglied der „Jungen Gruppe“, distanziert sich vorsichtig. „Ich finde es vernünftiger, Kinderwünsche zu befördern, statt Kinderlosigkeit zu bestrafen", sagte sie.

Recht hat sie, aber eine Frage bleibt: Wieso sollen Kinderlose erst ab 25 Sondersteuern zahlen? Bis dahin kann so eine junge Frau doch locker fünf Steuerzahler in die Welt setzen.

Fehlpässe
Überflüssiges zu Griechenland

"Wenn Griechenland nicht den nötigen Umsetzungswillen für die unumgängliche Sanierung des Landes aufbringt, dann sollte man dort ernstlich über einen Neuanfang außerhalb der Eurozone nachdenken". (CSU-Generalsekretär und Nachwuchspopulist Alexander Dobrindt)

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