17.02.2012

Kolumne von Mely Kiyak: Liebes „Wer hat wessen Reise gezahlt?“

Von Mely Kiyak
Mely Kiyak ist Gastkolumnistin der Frankfurter Rundschau.
Mely Kiyak ist Gastkolumnistin der Frankfurter Rundschau.

Nun da unser Bundespräsident zurückgetreten ist, können wir uns den verbleibenden Fragen widmen. Es soll heute um Reisekosten gehen.

Entwicklungsminister Dirk Niebel war jüngst in Birma. Außenminister Guido Westerwelle in Brasilien. Politiker reisen, nehmen Delegationen mit, handeln Verträge aus, treffen Absprachen und so weiter und so fort. Woher wissen wir das alles? Weil Journalisten mitfahren und von dort berichten. Und wer hat die Reise mit dem Minister gezahlt? Wer hat die Rechnung für Hotel, Programm, Verpflegung zumindest zum Teil beglichen?

Unsere Leser haben ein Recht darauf, dass sie Berichterstattung aus erster Hand bekommen. Dass sich ihre Autoren nicht auf Erlebnisse und Zitate anderer Medien oder Kommunikationsabteilungen der Politiker berufen, sondern mit eigenen Ohren gehört und eigenen Augen gesehen haben, worüber sie schreiben. Unsere Leser sollten aber auch das Recht bekommen, zu wissen, wer die Reise finanziert hat. Unter den Texten müsste stehen: „Für Reise und Verpflegungskosten kam das Ministerium auf“.

Viele Berichte kämen in unseren Zeitungen niemals zustande, wenn die Verlage sämtliche Reisen selber bezahlen müssten. Seit Jahren ist es weithin Usus, dass Feuilletonredakteure und Literaturkritiker in die jeweiligen Gastländer der Frankfurter Buchmesse eingeladen werden. Die Journalisten werden mit Schriftstellern des Landes zusammengebracht, mit Personen des zivilen Lebens, mit Politikern; es reisen Dolmetscher mit. Nur so ist es dem einzelnen Journalisten überhaupt möglich, etwas über den Kontext, in dem der Roman, den er nächstens rezensieren soll, zu erzählen.

Rubrik "Mit der freundlichen Unterstützung von" einführen

Was er während einer viertägigen Reise zu sehen und zu sprechen bekommt, könnte er sich so niemals selber organisieren; besser man nimmt die Einladung der Ausstellungs- und Messe GmbH des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels an. Der Leser müsste das wissen. Politikressorts, Feuilletons und Reiseteile sähen anders aus, würden Medienhäuser Bücher, Theater, Konzerte, Reportage-Spesen selber zahlen.

Es ist alles ein Geben und Nehmen. Es entstehen Abhängigkeiten und Beziehungen. Ist es bereits Korruption? Noch eine Einschränkung entsteht. Wer zahlt, bestimmt das Programm. Niemand kann während einer Reise nach Afghanistan vorschlagen: Minister Thomas de Maizière, wollen wir einen Bummel über den Markt machen und mit Leuten reden?

Ergo: Auch die Medien werden von Politik und Kultureinrichtungen bezahlt. Ohne dies käme ein nicht unerheblicher Teil der Berichterstattung nicht zustande. Man müsste nachrechnen, was einem die totale Unabhängigkeit wert ist.

Wir, Journalisten und Autoren, sollten dieser Tage etwas offener reden. Gerade, weil Teile der Öffentlichkeit, also unsere Kollegen, in letzter Zeit so fürchterlich entsetzt sind, wenn sie wieder einmal herausgefunden haben, dass Politiker es mit dem Selber-Bezahlen nicht so genau nahmen. Wir müssen daran erinnern: „Mein Lieber, wer hat Deine Reisekosten im Regierungsflieger übernommen?“. Wir könnten als Medien die Rubrik einführen „Mit der freundlichen Unterstützung von...“, so wie Politiker ihre Nebeneinkünfte online auch offenlegen müssen, findet

Ihre Mely Kiyak (Diese Kolumne wird Ihnen präsentiert mit Mitteln aus der Kleingeld-Schatulle des DuMont Verlages)

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