Silentium! Professor und Medizinstudenten an der Universität Leipzig. Foto: dapd
Silentium! Professor und Medizinstudenten an der Universität Leipzig. Foto: dapd
Die bisherige Zulagenverteilung an Hochschullehrer sichert nicht die gewünschte Klasse in Forschung und Ausbildung. Eine Reform muss Extra-Zahlungen einklagbar machen.
Die Besoldung junger Professoren in Hessen ist so niedrig, dass es der Verfassung widerspricht. Dieses Urteil, das das Bundesverfassungsgericht am Dienstag nach der Klage eines Marburger Uni-Professors fällte, hat bundesweite Folgen. Vor allem aber wirft es eine Debatte wieder an, die man eigentlich vor sieben Jahren für beendet erklärt hatte.
Damals reformierte der Bund die Professorenbesoldung unter anderem mit der Begründung, dass endlich Wettbewerb und Leistung an der Universität gefördert werden müssten. Das Grundgehalt sank um 25 Prozent. Die Erhöhungen mit steigendem Dienstalter wurden abgeschafft. Über Leistungszulagen sollten Professoren künftig ihr Gehalt kräftig aufstocken können. Man sah darin eine Chance für junge, engagierte Professoren.
Die Berichte aus dem „warmen Sumpf der Universität“ klangen damals schlimm. Die Rede war von vielen sogenannten Di-Mi-Do-Professoren, die nur in der Wochenmitte mal in der Uni vorbeischauten, studentische Prüfungsarbeiten von Assistenten bewerten ließen, für die Studierenden kaum zu sprechen waren, seit Jahrzehnten immer dieselben Vorlesungen herunterleierten oder seichte Publikationen schrieben.
Risikoreicher Weg zur Professur
Mit diesem Mittelmaß sollte endlich Schluss sein. Erstklassige Publikationen, herausragende Lehre, gute Nachwuchsbetreuung, Vorträge in- und außerhalb der Universität – all dies sollte belohnt werden. Das Urteil des Bundesverfassungsgericht scheint diese gute Entwicklung zu bremsen und mit der Forderung nach höherem Grundgehalt das Mittelmaß wieder zu fördern.
Doch so einfach, wie es aussieht, ist es nicht. Zwar hat die Besoldungsreform in den Jahren einiges in Bewegung gebracht. Viele junge Forscher erhielten als Juniorprofessoren eine Chance, Leistungen wurden gefördert. Aber eine grundlegende Umwälzung fand an den Unis nicht statt. Weil die Reform halbherzig war. Mit ihr sollten Prinzipien der freien Wirtschaft auf die Unis übertragen werden. Zugleich aber änderte sich nichts Grundlegendes am rigiden System der Hackordnung und internen Abhängigkeit, die durchaus auch vielversprechenden, leistungsstarken Nachwuchs am Hochkommen hindert.
Der Weg zum Professor ist höchst risikoreich. Man forscht und lehrt jahrelang auf unbefristeten Stellen, ist dabei abhängig von einem Doktorvater, promoviert, habilitiert, bewirbt sich. Ob man irgendwo berufen wird, ist ungewiss. Die meisten jungen Professoren sind jenseits der Vierzig. Sie haben sicherlich als Beamte mit mindestens 50.000 Euro pro Jahr und Pensionsanspruch keinen Grund zum Jammern. Dennoch verdienen sie oft weniger als ihnen untergeordnete Beamte, Richter oder altgediente Gymnasiallehrer.
Zulagen sollten einklagbar sein
Das neue System aus Grundgehalt und Leistungszulagen sollte eigentlich den Wettbewerb ankurbeln und dazu beitragen, die sogenannten besten Köpfe zu gewinnen. In Wahrheit aber geht es bei dem Geld, das Professoren bekommen, oft gar nicht um Leistung. So herrscht schon im W2-Grundgehalt, um das es in der Klage ging, ein bundesweites Gefälle von 550 Euro; in Berlin gibt es am wenigsten, in Baden-Württemberg am meisten. Ob man dieses Geld bekommt oder nicht, hängt also lediglich davon ab, wo man zufällig Professor geworden ist.
Auch zwischen den Fächern gibt es große Unterschiede. In der Medizin oder der Wirtschaft lassen sich weit höhere Drittmittel für die Universität gewinnen als in den Geisteswissenschaften. Das schlägt sich direkt auf Leistungszulagen nieder. Gewiss kann man auch in der Lehre engagiert sein. Oder als nebenamtlicher Dekan arbeiten, wofür es dann vielleicht 300 Euro im Monat zusätzlich gibt. Doch dies alles ist nichts, verglichen mit dem, womit Top-Leute ihr Geld machen.
Es sind Hunderttausende Euro, die Management-Professoren, Mediziner oder Juristen in der freien Wirtschaft durch Gutachten oder Vorträge verdienen. Nichts davon fließt an die Universität. Im Gegenteil: Die oft ohnehin vom Staat hoch bezahlten Leute schaufeln sich die Zeit für ihre Nebenverdienste frei, indem sie ihre Uni-Verpflichtungen einschränken. Dies betrifft gewiss nur einen kleinen Teil der 40.000 Professoren. Aber auch über diesen muss man reden. Ebenso darüber, dass vieles, was für Leistungen ausgegeben werden soll, Verhandlungsmasse ist. Da droht ein Professor, in die Wirtschaft abzuwandern – schon bekommt er höhere Bezüge. Damit er bleibt. Ein Fach will einen Professor aus den USA berufen – und verbraucht das gesamte Geld für Leistungszulagen.
Um das zu vermeiden, sollten Zulagen künftig einklagbar sein. Für jeden Professor. Erst dann ist es wirklich ein System, das Leistungen fördert.
Das Gehalt der Minister orientiert sich wie Merkels an der Beamtenbesoldungsgruppe B11, allerdings bekommen sie ein Drittel weniger Zum Beispiel Philipp Rösler: Der Wirtschaftsminister hat Anspruch auf monatlich 15.764,55 Euro brutto, plus Aufwandsentschädigungen, eventuelle Tagesgelder oder Entschädigungen für Reisekosten.
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Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann steht gehaltstechnisch seit Jahren an der Spitze der Konzernspitzen in Deutschland. 2009 strich er 9,55 Millionen Euro ein.
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Was Ackermanns rechte Hand verdient, wissen wir nicht. Doch Vorstandsekretäre beim Ölkonzern Shell bekommen laut WSI 4.569 Euro brutto im Monat.
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Schauspieler Til Schweiger hat sicher genug zum Leben - im Gegensatz zum Großteil seiner Kollegen. Laut Künstlersozialkasse verdienen Schauspieler in Deutschland im Schnitt gerade mal 12.767 Euro im Jahr - das liegt unter dem Existenzminimum.
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Hart verdient: Ein Altenpfleger bekommt laut dem WSI-Tarifarchiv zufolge in Deutschland zwischen 1.762 und 2.311 Euro brutto.
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Besser dran sind die Bierbrauer: Sie bekommen zwischen 2.554 und 3.080 Euro, je nach Region. Am besten wird in Bayern gezahlt.
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Verkäufer im Einzelhandel müssen auf Schnäppchen hoffen: Bei einem Bruttogehalt zwischen 1.582 und 2.248 Euro etwa in Nordrhein-Westfalen ist kaum mehr drin.
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Über Ärztehonorare wird ständig gestritten. Zu recht? Laut Kassenärztlicher Betriebsvereinigung erhielten niedergelassene Hausärzte 2009 im Schnitt 206.368 Euro Honorar im Jahr. Davon bleiben jedoch der KBV zufolge nach Abzug von Praxiskosten, Steuern und Abgaben weniger als 4.000 Euro netto im Monat.
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Fachärzte in den Kliniken gehören jedenfalls zu den Spitzenverdienern in Deutschland: Zwischen 5.332 und 6.162 Euro bekommen sie im Monat, für Ärzte in leitenden Funktionen werden bis zu 8.825 Euro brutto gezahlt.
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Im europäischen Vergleich liegen die Gehälter deutscher Lehrer im vorderen Drittel. Laut einer Studie der EU-Kommission verdient ein Grundschullehrer in Deutschland zwischen 38.200 Euro und 51.400 Euro im Jahr - je nach Berufsalter. In der Mittelstufe liegt der Verdienst zwischen 42.200 und 57.900 Euro, in der Oberstufe sind es zwischen 45.400 und 64.000 Euro. Die Spanne reicht also von 3.183 bis 5.333 Euro monatlich.
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Grund zum Jubeln: Bundesliga-Fußballer gehören in Deutschland zu den Spitzenverdienern. Zum Beispiel der Brasilianer Chris. Als der 2010 seinen Vertrag bei der Frankfurter Eintracht verlängerte, wurde sein Jahresgehalt auf 2 Millionen Euro geschätzt. Im Ligavergleich ist das allemal gehobener Durchschnitt.
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Wer schreibt, der bleibt? Nicht ganz. Für Autoren gibt es in Deutschland nicht viel zu verdienen, 16.983 Euro im Jahr sind es durchschnittlich.
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Die Friseure gehören zu den schlechtbezahltesten Fachkräften überhaupt. Eine Friseurin in Sachsen bekommt laut Tarif zwischen 615 und 755 Euro - im Monat.
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Akademiker, die promoviert haben, verdienen in Deutschland rund 2,5 mal so viel wie ausgebildete Fachkräfte. Ein Beispiel: die Ingenieure. Sie verdienen im Schnitt 4.125 Euro brutto im Monat.
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Gehören mit einem Bruttogehalt von maximal 1.914 Euro zu den Niedriglöhnern: die Gebäudereiniger.
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Filme satt, aber dafür wenig Geld: Die Monatslöhne von Filmvorführern schwanken zwischen 1.549 und 1.965 Euro brutto.
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42.535 Euro brutto hat der deutsche Arbeitnehmer 2010 im Durchschnitt verdient. Laut Statistischem Bundesamt waren die Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen jedoch enorm.
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Besonders üppig fielen die Gehälter bei den Banken und Versicherungen aus: 60.963 Euro jährlich gab es hier im Schnitt für einen Vollzeitjob.
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Schlusslicht im Branchenvergleich ist das Gastgewerbe mit einem Durchschnittslohn von 24.012 Euro im Jahr 2010.
Was verdienen die Deutschen? Bei ihrer Regierungschefin lässt sich das klar beantworten. Laut Bundesministergesetz stehen Angela Merkel derzeit monatlich 19.705,68 Euro zu. Hinzu kommen Dienstaufwandsentschädigungen und eine Amtswohnung.