14.11.2011

Leitartikel zum Neonazi-Terror: Blutige Manifestationen

Von Harry Nutt
        

 Polizisten vor dem  durch eine Explosion zerstörten Haus in Zwickau,  in dem das rechtsradikale Trio zuletzt untergeschlüpft war.
Polizisten vor dem durch eine Explosion zerstörten Haus in Zwickau, in dem das rechtsradikale Trio zuletzt untergeschlüpft war.
Foto: dapd/Michael Klug

Das Täter-Trio aus Zwickau war auf reine Bluttaten fixiert. Es muss nun transparent dargestellt werden, was Polizei und Verfassungsschutz wann gewusst haben.

Die Langsamkeit, in der sich erst ganz allmählich das Puzzle der ungeheuerlichen Gewalttaten des Terror-Trios aus Zwickau zusammensetzt, verrät auch etwas darüber, wie wenig unsere Gesellschaft solche Brutalität in ihrer Mitte wahrhaben will. Die Spur der blutigen Exekutionen ist lang, und es ist verstörend, dass sie über einen so großen Zeitraum gezogen werden konnte. Es ist eine in der Geschichte der Bundesrepublik beispiellose Verbrechensserie, die sich über 13 Jahre erstrecken konnte, ohne dass die ermittelnden Behörden auch nur eine Idee vom vollständigen Ausmaß der Taten entwickelt, geschweige denn Möglichkeiten eines Eingriffs gesehen hätten.

Das liegt zum einen an der verschwörerischen Gemeinschaft der Täter selbst. Im rechtsradikalen Milieu entstanden, scheint sie sich weitgehend von den Organisationsstrukturen der Szene abgekoppelt zu haben, um ihr Leben im Untergrund als ein mörderisches Bündnis der Tat führen zu können. Es ist jedenfalls auffällig, dass das Mördertrio die Verbindungen zu seiner ideologischen Herkunft nur noch lose geknüpft hatte. Zwar sahen sie sich als nationalsozialistische Untergrundbewegung und fuhren früher einmal ein Auto mit dem Kennzeichen J – AH – 41, das für Insider einen erkennbaren symbolischen Gebrauch der Initialen Adolf Hitlers darstellte. Dass sie ihre früh vollzogenen Manifestationen der Gewalt aber so gut wie gar nicht zu propagandistischen Zwecken genutzt haben, lässt auf ein monströses Maß an Selbstherrlichkeit und Selbstgenügsamkeit schließen.

Harry Nutt
Harry Nutt

Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe scheinen von keinem forcierten Bekenntnisdrang zu ihrer nicht zu leugnenden Gesinnung angetrieben gewesen zu sein. Bei ihrem mörderischen Tun sind sie ebenso wenig auf die Anerkennung aus den eigenen Reihen wie auf das Entsetzen der Öffentlichkeit angewiesen gewesen. Von einem Erklärungszwang wie ihn der norwegische Terrorist Anders Breivik als schier endloses Pamphlet im Internet dokumentiert hat, ist nichts bekannt. Nahezu kryptisch mutet jene Botschaft auf einer nicht mehr verbreiteten DVD an, auf der die Täter eine Weiterführung der Aktivitäten verkünden, solange keine „grundlegenden Änderungen in der Politik, Presse und Meinungsfreiheit“ vollzogen würden.

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